Neue Haus Coburg-Chefin Annett Reckert im Gespräch 'Kunst ist Risiko und Abenteuer'

Seit dem 1. Oktober ist die promovierte Kunstwissenschaftlerin Annett Reckert neue Chefin in der Städtischen Galerie Haus Coburg. Die Nachfolgerin von Barbara Alms war zuvor gut sieben Jahre - mit einer zweijährigen Unterbrechung wegen einer Professur an der Kunsthochschule in Braunschweig - Kuratorin und stellvertretende Leiterin im baden-württembergischen Göppingen, wo sie mit Schauen international Furore gemacht hat. Über ihre Pläne für Delmenhorst sprach sie nun während eines Pressegesprächs im Wintergarten des Hauses Coburg, an dem auch Andreas D. Becker teilnahm.Frage: Nach der Ära Alms müssen Sie ein beachtliches Erbe antreten. Wie wird das Programm im Haus Coburg unter Annett Reckert aussehen?
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Seit dem 1. Oktober ist die promovierte Kunstwissenschaftlerin Annett Reckert neue Chefin in der Städtischen Galerie Haus Coburg. Die Nachfolgerin von Barbara Alms war zuvor gut sieben Jahre - mit einer zweijährigen Unterbrechung wegen einer Professur an der Kunsthochschule in Braunschweig - Kuratorin und stellvertretende Leiterin im baden-württembergischen Göppingen, wo sie mit Schauen international Furore gemacht hat. Über ihre Pläne für Delmenhorst sprach sie nun während eines Pressegesprächs im Wintergarten des Hauses Coburg, an dem auch Andreas D. Becker teilnahm.Frage: Nach der Ära Alms müssen Sie ein beachtliches Erbe antreten. Wie wird das Programm im Haus Coburg unter Annett Reckert aussehen?

Annett Reckert: Der Auftrag lautet: Es sollen Ausstellungen der klassischen Moderne und zeitgenössischer Kunst gezeigt werden, und das möglichst auf internationalem Niveau. Das war aber auch ein Grund, warum ich hergekommen bin: Weil es in Delmenhorst schon so etwas gab und ich das fortsetzen und ausbauen möchte.

Sie kommen aus einem kleinen Haus, jetzt sind Sie wieder in einem. Sie haben aber auch schon in größeren Häusern wie dem Sprengel Museum Hannover gearbeitet. Was macht dagegen den Reiz der kulturellen Provinz aus?

Ganz wichtig ist, dass ich hier die Freiheit habe, das Programm zu gestalten - dabei geht es auch immer um Abenteuer, denn Kunst ist auch immer mit Risiko und Abenteuer verbunden. Ich weiß, dass ich das alles hier haben werde. Ich will den Menschen zeigen, was ich für großartig und spannend halte in der aktuellen Kunst. Und natürlich möchte ich dazu beitragen, das Haus dadurch überregional zu halten und noch bekannter zu machen, es soll aber auch attraktiv für das Publikum vor Ort sein.

Sie selbst haben an einer Kunsthochschule studiert, dort aber entdeckt, dass das Schaffen von Kunst nicht in erster Linie das ist, wozu Sie berufen sind, sondern dass Sie Ihre Aufgabe vor allem in der Vermittlung von Kunst sehen. Haben Sie da schon Pläne für Delmenhorst?

Erstmal muss ich sagen, dass es im Bereich der Kunstvermittlung hier schon sehr viel gibt, wir hatten jetzt gerade eine sehr gut besuchte Lehrerführung. Und auch 'Schüler führen Schüler' finde ich toll, um so junge Leute ans Haus heranzuführen. Deswegen ist es auch mein Traum, hier einen Jugendclub zu gründen, einen Kreis junger Freunde ab 16, 17 Jahren ins Leben zu rufen, wie ich ihn auch in Göppingen hatte. Denn viele Häuser machen sehr gute Kinderprogramme, aber dieses Alter vom Übergang zur Schule in den Beruf oder ins Studium fehlt. Die jungen Leute sollen sich darüber einbringen, aber sie sollen auch Privilegien genießen. In Göppingen durften sie immer als erste mit dem Künstler sprechen. Oder ich könnte mir ein Mal im Jahr im Haus eine Berufsberatung für Kunst und Kultur vorstellen, in der Vertreter verschiedener Berufe wie Architekten, Journalisten oder auch Mediengestalter den jungen Menschen zeigen, welche Möglichkeiten es gibt.

Die aktuelle Ausstellung 'Hartgesotten' mit Werken von Sonja Alhäuser ist noch von Ihrer Vorgängerin angeschoben, dann aber von Ihnen mit dem Haus Coburg-Team realisiert worden. Wie wird es 2011 weitergehen?

Die Ausstellung mit Daniel Behrendt hat Barbara Alms noch verabredet, aber dann werden wir Henk Visch zeigen, 'Do you want to know the whole story' wird die Ausstellung heißen. Visch an der Fischstraße, was gut passt. Er ist ein niederländischer Bildhauer. Ich finde es spannend, das Haus hier mit Skulpturen zu bespielen. Vielleicht werden wir auch eine Möglichkeit finden, das Grundstück zu nutzen, dort eine große Außenskulptur zu zeigen. Und dann müssen wir mal sehen. Ich werde demnächst das Programm für das nächste Jahr vorstellen. Das Problem sind sicherlich die Finanzen des Hauses.

Hatten Sie in Göppingen mehr Geld?

Auch nicht viel, aber es war ein gewisser Grundstock vor jeder neuen Ausstellung da, hier fange ich jedes Mal wieder bei null an. So wenig Budget ist auch eine Drucksituation, weil ich den Künstlern Zusagen für eine Ausstellung immer nur unter Vorbehalt machen kann.

Ihre Vorgängerin hatte ein Faible für Fotografie und für Zeichnungen. Sind das auch Medien, die in Zukunft einen großen Raum einnehmen werden?

Ich würde mich medial nicht gern festlegen wollen. Natürlich werde ich die Sammlung zur Zeichnung fortsetzen, da ist viel Qualitätvolles da. Es ist ein kleines charmantes Haus, da passt die Intimität der Zeichnung. Ich mag es aber auch sehr gern, wenn Künstler installativ, mit den Räumen arbeiten.

Neben den Zeichnungen gibt es auch die Sammlung Stuckenberg. Wie werden Sie damit umgehen?

Es wird 2012 auf jeden Fall wieder eine große Ausstellung um diese Sammlung herum geben. Ich finde es sehr toll, dass es diese Sammlung gibt, das habe ich in Göppingen in der Form nicht gehabt. Die Sammlung trägt ja auch unmittelbar zur Unverwechselbarkeit des Hauses bei. Das ist für mich ein Stück Musealität. Für nächstes Jahr war so eine Ausstellung noch nicht möglich, weil das für mich aus Göppingen noch nicht vorauszudenken war. Ich kann nicht unten bei Stuttgart sitzen und eine Ausstellung zu einer Sammlung, die ich nicht kenne, erstellen.

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