Landkreis Rotenburg Gelbe Tonnen kommen

Im Landkreis Rotenburg ersetzt die gelbe Tonne den gelben Sack für den Verpackungsabfall der Haushalte. Ein neuer Dienstleister sammelt ihn ab Januar ein.
17.12.2020, 08:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Johannes Heeg

Landkreis Rotenburg. Die gelben Säcke für den Verpackungsabfall haben ausgedient. Mit dem Jahreswechsel wird im Landkreis Rotenburg die gelbe Tonne eingeführt. Mit dem Sammelsystem wechselt auch das Abfuhrunternehmen, wie die Kreisverwaltung mitteilt: Ab dem 1. Januar 2021 übernimmt die Firma RMG Rohstoffmanagement GmbH das Einsammeln des Leichtverpackungsabfalls. Das Unternehmen habe die Ausschreibung gewonnen, so der Landkreis. Ausschreibungsführer war die Interseroh Dienstleistung GmbH mit Sitz in Köln.

Die Verteilung der neuen Tonnen beginne noch in diesem Jahr, heißt es vom Landkreis. Die gesamte Umstellung solle nach derzeitiger Planung spätestens Ende des ersten Quartals 2021 abgeschlossen sein. In diesem Zeitraum nehme die Firma RMG eine „Grundausstattung“ des gesamten Landkreises vor. Die Anzahl und Größe der Tonnen richte sich nach den derzeit genutzten Restmüllbehältern. Die Behälter sind anthrazitfarben, haben einen gelben Deckel und werden in den Größen 240 und 1100 Liter ausgeliefert. Eine Vorbestellung sei nicht notwendig.

Ob der Verpackungsmüll nun im gelben Sack oder in der gelben Tonne landet – Umweltverbände beklagen, dass es viel zu viel davon gebe. Deutschland sei mit rund 20 Millionen Tonnen Verpackungsmüll jährlich trauriger Spitzenreiter in Europa, sagt Greenpeace. Unverpacktes Einkaufen sei in deutschen Supermärkten nahezu nicht möglich. So entstehe in Deutschland im Schnitt bis zu 40 Kilogramm Plastikmüll pro Person und Jahr. Im Plastikatlas 2019, herausgegeben von Heinrich-Böll-Stiftung und dem BUND, heißt es: „Nur neun Prozent des gesamten weggeworfenen Kunststoffs seit 1950 wurden recycelt; stattdessen landen täglich riesige Mengen unseres Plastikmülls auf Halden in Ländern Asiens.“

Greenpeace spricht von einem „Recycling-Mythos“. Ein international zusammengesetztes Greenpeace-Team hat sich im Juli und August 2019 mehrere Orte in Malaysia angesehen, an denen importierter Plastikmüll gelagert wird. Die Ergebnisse der Untersuchungen von Wasser- und Bodenproben zeigten, dass geschredderter Kunststoff, der auf mehreren Deponien in Malaysia entsorgt wurde, eine Reihe von Metallen, Metalloiden sowie organischen Chemikalien, einschließlich persistenter organischer Schadstoffe (POP), enthält, die die Umgebung während der Lagerung oder Verarbeitung kontaminieren. Frage also an den Verpackungsmüll-Einsammler: Was passiert mit den eingesammelten Kunststoff-, Metall- und Verbundverpackungen? Werden sie recycelt, verbrannt oder exportiert? Susanne Jagenburg ist Pressesprecherin der ALBA Group, zu der die Duale System Interseroh in Köln gehört. Sie erklärt auf Anfrage, dass die Leichtverpackungsabfälle aus dem Kreis Rotenburg zur ALBA-Sortieranlage nach Braunschweig gebracht werden. Eine genaue Zuordnung auf exakte Zahlen nur für den Kreis Rotenburg lasse sich nicht vornehmen. „Doch grundsätzlich haben wir im Jahr 2018 bei Kunststoffen, die unserem dualen System zuzuordnen sind, eine stoffliche Verwertungsquote von über 40 Prozent erreicht“, so Jagenburg. Damals habe laut Verpackungsverordnung die zu erreichende Zielvorgabe bei 36 Prozent gelegen. Die Zahlen für 2019 lägen noch nicht abschließend vor.

„Als Recycler möchten wir schon aus ökologischen Gründen möglichst viele der Wertstoffe wieder verwenden oder aufarbeiten“, so die Sprecherin. Viele Kunststoffverpackungen ließen sich aber leider auch aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht gut oder gar nicht recyceln. Hierzu gehörten insbesondere Verpackungen, die aus mehreren unterschiedlichen, aber fest miteinander verbundenen Materialien bestehen, zum Beispiel mehrere miteinander verklebte Folienschichten aus unterschiedlichen Kunststoffen. Diese gehen daher „in die energetische Verwertung“. Diese oder gar die Verbrennung ohne energetische Nutzung sei für das Unternehmen nicht attraktiv, betont sie. „Für Wertstoffe erhalten wir Erlöse, für Brennstoffe müssten wir etwas bezahlen“, sagt Susanne Jagenburg.

Zum Thema Müll-Export sagt sie, „dass die Kunststoffabfälle der bundesweit tätigen dualen Systeme nicht überwiegend ins nichteuropäische Ausland gehen“. Der überwiegende Teil werde in Deutschland verarbeitet, ein Teil gehe ins europäische Ausland, und lediglich ein Anteil „im unteren einstelligen Prozentbereich wird im außereuropäischen Ausland weiterverarbeitet“. Das im Auftrag von ALBA eingesammelte Material werde überwiegend in Deutschland und Europa verwertet. Aus zwei der aussortieren Kunststoffarten werde in einem eigenen Werk in Eisenhüttenstadt Kunststoff-Regranulat gewonnen, aus dem qualitativ hochwertige Produkte hergestellt würden.

Info

Zur Sache

Neue Abholtermine für die Gelbe Tonne

Mit der Einführung der gelben Tonne zum 1. Januar 2021 verändern sich die Abholtermine im Landkreis Rotenburg. Die gelbe Tonne und die Restabfalltonne werden nicht mehr am gleichen Tag geleert, sondern immer um eine Woche versetzt. Die Abholtermine stehen im Abfallkalender des Landkreises sowie unter www.lk-awr.de. Alle Behälter müssen morgens bis 6 Uhr zur Abholung bereitstehen.

Der Landkreis habe keinen Einfluss darauf, wer wann wie viele oder welche gelbe Tonnen erhält. Denn die Entsorgung der Verpackungsabfälle werde nicht über die Abfallentsorgungsgebühren, sondern über Lizenzgebühren finanziert, die die Verpackungshersteller an die Dualen Systeme leisten. Letztlich zahle der Verbraucher also bereits beim Einkauf eines verpackten Produktes seinen Anteil an der Entsorgung der Verpackung. Änderungen bei Anzahl oder Größe der Behälter seien erst ab dem zweiten Quartal 2021 möglich. Wie der Entsorger RMG mitteilt, könnten Kunden dann direkt beim Unternehmen weitere oder andere Behälter anfordern. Wenn das bereitgestellte Behältervolumen nicht ausreiche, könnten transparente Säcke daneben gestellt werden. Falls die Behälter zu groß sind, könnten Nachbarn auch einen Behälter gemeinsam nutzen. Eine kleinere Behältergröße als 240 Liter werde es nicht geben.

Die Abholung der Leichtverpackungen erfolge weiterhin in einem 14-Tage-Rhythmus. Kunden, die bereits 2020 eine gelbe Tonne bekommen, brauchen diese erst ab Januar 2021 an die Straße zu stellen. Haushalte, die Anfang des neuen Jahres keinen Behälter haben, können weiterhin gelbe Säcke nutzen. Die Bürger, bei denen noch keine gelben Tonnen ausgeliefert wurden, bekommen in dieser Übergangsphase weiterhin gelbe Säcke auf Rollen an den bekannten Verteilstellen im Tausch gegen die Coupons aus dem Abfallkalender.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+