Bremervörder möchte Luttmann nachfolgen Marco Prietz will Landrat werden

Marco Prietz, CDU-Fraktionschef im Rotenburger Kreistag, will Landrat werden. Der 31-jährige Bremervörder hat als erster seinen Hut in den Ring geworfen. Die Nominierung ist für den 9. Juli geplant.
20.01.2020, 17:38
Lesedauer: 4 Min
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Von Johannes Heeg

Landkreis Rotenburg. Marco Prietz möchte der Nachfolger des Rotenburger Landrats Hermann Luttmann werden, der 2021 nach Ende seiner zweiten Amtszeit nicht noch einmal antreten will. Beim CDU-Neujahrsempfang in Rotenburg tat der 31-jährige Prietz seine Absicht jetzt erstmals öffentlich kund. Kurz darauf hat sich der Bremervörder per E-Mail an den CDU-Kreisvorstand offiziell für die Nominierungsversammlung am 9. Juli in Mulmshorn beworben. Die Kommunalwahlen in Niedersachsen finden im Herbst 2021 statt. Erstmals werden Kreistag und Landrat gleichzeitig gewählt, die Wahlperioden werden auf fünf Jahre angeglichen.

In seiner Bewerbung schreibt Prietz: „Ein Landrat ist beides: Verwaltungschef und Politiker. Nach meinem Verständnis erwächst daraus die Verpflichtung, die mit dem Amt verbundenen politischen Gestaltungsspielräume aktiv zu nutzen.“ Digitalisierung, demografischer Wandel, Globalisierung, Klimawandel seien mit rasanten Herausforderungen und neuen Fragen verbunden, für die es über die bewährten Konzepte hinaus „zugleich innovative Ideen und Lösungen“ brauche. „Der Breitbandausbau, eine flächendeckende Mobilfunkversorgung und die Digitalisierung der Kreisverwaltung sind einige zentrale Schwerpunkte, die wir entschlossen angehen müssen“, so Prietz.

2010 hat Prietz sein Studium an der Kommunalen Hochschule für Verwaltung in Hannover als Dipl.-Verwaltungsbetriebswirt abgeschlossen, seitdem arbeitet er in der Kreisverwaltung des Landkreises Osterholz. Zunächst war er persönlicher Referent des damaligen Landrates und heutigen Chefs der Staatskanzlei, Jörg Mielke. Anschließend war er fünf Jahre Pressesprecher und Leiter des Bereichs Öffentlichkeitsarbeit / Landratsangelegenheiten, ebenfalls unter einem SPD-Landrat. Seit 2017 leitet Prietz als Kreisverwaltungsrat das Amt für Kreisentwicklung mit zurzeit 21 Mitarbeitern, dort ist er für die Bereiche Wirtschaftsförderung, Tourismus, Kultur, EU-Förderung und Breitbandausbau verantwortlich. Parallel absolviert er seit 2017 berufsbegleitend den Masterstudiengang Kommunales Verwaltungsmanagement, den er „in wenigen Monaten erfolgreich beenden“ will. Dass er über den Tellerrand geblickt und Erfahrungen in einer anderen Kreisverwaltung gesammelt hat, sehe er als Bereicherung.

Politisch ist Prietz nach eigenen Angaben seit über 15 Jahren ehrenamtlich aktiv. Neben diversen Ämtern in der CDU und der Jungen Union ist er seit 2011 Mitglied des Stadtrates Bremervörde sowie seit 2016 Mitglied des Kreistages. Als Kreistagsfraktionsvorsitzender und stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender beschäftige er sich seit mehreren Jahren mit der politischen Situation im gesamten Landkreis und sei über zahlreiche Gespräche und Termine bereits mit vielen der 57 Gemeinden gut vertraut. Im September 2019 sei er zudem in den Landesvorstand der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU (KPV) gewählt worden und vertiefe dort seine Kontakte zur Landespolitik sowie zu anderen Landkreisen.

Prietz ist der erste, der seinen Hut in den Ring wirft, und nach Lage der Dinge wird er wohl der einzige innerhalb der Kreis-CDU bleiben. Meldungsschluss ist zwar der 31. Mai, doch rechnet der CDU-Kreisvorsitzende Marco Mohrmann nicht mit weiteren Bewerbern. Auf Anfrage sagte er: „Natürlich ist es ein offenes Verfahren. Mit Marco Prietz hat sich allerdings eines unserer größten Talente gemeldet. Er verfügt über einen starken Rückhalt in der Partei. Sicherlich eine Herausforderung für mögliche weitere Bewerber.“

Als Interessent für den Posten des Landrats galt eine zeitlang Torsten Lühring, der zweite Mann in der Rotenburger Kreisverwaltung. Doch der hat nun abgewinkt: „Als langjähriger Stellvertreter des Landrates musste ich mich natürlich mit dieser Frage beschäftigen, habe mich aber dagegen entschieden. Meine eigene Partei verfügt mit Marco Prietz über einen politisch sehr talentierten Kandidaten“, so Lühring auf Anfrage. Er sei „nach wie vor sehr dankbar dafür, dass mich der Kreistag zwei Mal mit parteiübergreifenden Mehrheiten zum Ersten Kreisrat gewählt hat“. Der Landkreis Rotenburg sei schon lange seine Heimat und die seiner Familie geworden. „Ich möchte auch weiterhin gerne an verantwortlicher Stelle für unseren Landkreis arbeiten und ihn mit gestalten“, so Lühring, der bis zum 30. April 2023 gewählt ist. Eine mögliche Wiederwahl ist frühestens ab 1. Mai 2022 möglich.

Die Grünen wollen an diesem Dienstag darüber beraten, ob sie einen eigenen Kandidaten aufstellen werden. „Die Tendenz geht dahin“, so Reinhard Bussenius, Fraktionschef im Kreistag. Gegen Prietz anzutreten sei „keine leichte Aufgabe“, denn dieser sei „ein ernstzunehmender Kandidat mit viel Erfahrung“. Dennoch sei ein eigener Kandidat wichtig: „Dass man die Wahl zwischen mehreren Bewerbern hat gehört zur Demokratie.“

Info

Zur Sache

Herr Prietz, wie alt sind Sie zum Zeitpunkt der Landratswahl 2021?

33 Jahre.

Sie wären dann der jüngste Verwaltungschef im Landkreis Rotenburg aller Zeiten?

Das kann ich Ihnen ehrlich gesagt nicht sagen!

Was war Ihr Berufswunsch zu Schulzeiten?

Ursprünglich wollte ich Mathematik oder Physik studieren, bin dann aber mit 18 Jahren auf die Ausschreibung des dualen Studiums zum Dipl.-Verwaltungsbetriebswirt beim Landkreis Osterholz gestoßen und fand die Module des Studiums sehr interessant und vielseitig.

Wann war Ihnen klar, dass Sie Landrat werden wollen?

Als Hermann Luttmann im September erklärt hat, 2021 nicht wieder anzutreten, war mir klar, dass dies die einmalige Chance ist, meine umfangreiche Verwaltungsausbildung und die Leidenschaft für die Politik zusammenzubringen. Die konkrete Entscheidung für die Bewerbung habe ich dann abschließend an Weihnachten mit der Familie getroffen.

Wie schaffen Sie das eigentlich alles: Beruf, Studium, Familie, Hausbau, Politik?

Allgemein hat mir über die Jahre bei den Mehrfachbelastungen sehr geholfen, dass mich meine Familie sowie ein starkes Netzwerk aus Freunden bei allen Herausforderungen sehr unterstützt hat. Ohne Frage gehören aber auch Disziplin und Zeitmanagement dazu.

In unser Haus in Bremervörde sind wir am Osterwochenende 2019 eingezogen. Mein zweites, berufsbegleitendes Studium (M.A. Kommunales Verwaltungsmanagement) ist voraussichtlich im Juni, also vor der Nominierung, abgeschlossen. Derzeit schreibe ich meine Masterarbeit.

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