Dr. Holger Ahlsdorff hat die Technik in Norwegen erlernt / Kein Kontrollverlust oder komatöser Zustand

Mit Selbsthypnose zum Abitur

Die Hypnose ist ein mit vielen Geschichten umwobenes Thema, das viele aus Film und Fernsehen kennen. Dr. Holger Ahlsdorff, Facharzt für Allgemeinmedizin und Leiter des Ärztehauses in Heiligenfelde, kennt sich gut aus auf dem Gebiet. Demnächst will er Abiturienten an der Kooperativen Gesamtschule in Brinkum Selbsthypnose beibringen, damit sie entspannt durch das Abitur kommen.
23.10.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Kaya Leimann
Mit Selbsthypnose zum Abitur

Holger Ahlsdorff, Facharzt für Allgemeinmedizin im Ärztehaus Heiligenfelde, hat vor einigen Jahren die Techniken der Hypnose erlernt. Dafür schließt er seine Patienten zunächst an ein Messgerät an, um den Puls und damit die Entspannung der Menschen zu messen.

Udo Meissner

Die Hypnose ist ein mit vielen Geschichten umwobenes Thema, das viele aus Film und Fernsehen kennen. Dr. Holger Ahlsdorff, Facharzt für Allgemeinmedizin und Leiter des Ärztehauses in Heiligenfelde, kennt sich gut aus auf dem Gebiet. Demnächst will er Abiturienten an der Kooperativen Gesamtschule in Brinkum Selbsthypnose beibringen, damit sie entspannt durch das Abitur kommen.

Stuhr·Heiligenfelde. Folgende Situation kommt wahrscheinlich den meisten bei dem Wort Hypnose in den Sinn: Das Pendel schwingt vor den Augen des Patienten hin und her. Er starrt darauf, wird schläfrig und sackt langsam in einem großen Ledersessel in sich zusammen. Alles um ihn herum verschwimmt, und er verliert die Kontrolle über seinen Körper. Der Therapeut weist seinen Patienten an, aufzustehen und sich wie eine Ente durch den Raum zu bewegen.

Aber genau das ist Hypnose nach Aussage von Holger Ahlsdorff, Facharzt für Allgemeinmedizin im Ärztehaus Heiligenfelde, eben nicht. Er möchte seinen Patienten mit Hilfe einer Hypnose zur Entspannung verhelfen und hat Ähnliches mit Abiturienten an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Brinkum vor.

"An der KGS war ich bereits vor den Sommerferien, um den Abiturienten die Grundlagen der Hypnose zu vermitteln", sagt Ahlsdorff. "Jetzt folgen acht weitere Termine, an denen ich gemeinsam mit der Religionslehrerin Ilse Zelle einer Versuchsgruppe die Selbsthypnose beibringe." Alle Schüler dieser Gruppe füllen zu Beginn und am Ende des Projektes Fragebögen aus. Auch in Parallelkursen wird der Fragebogen eingesetzt, um die Ergebnisse am Ende vergleichen zu können.

Unter dem Motto "Mit Selbsthypnose besser durch’s Abi" erlernt die Versuchsgruppe Entspannungstechniken. Zunächst schließt Ahlsdorff einen Schüler an zwei Fingern an ein Messgerät an, das während der Hypnose den Puls misst. Dann wird ein Punkt an der Decke fixiert, die Augenlider werden schwer und die Augen schließen sich. "Der Schüler wird sich seiner Atmung, seiner Sitzposition und seines Herzschlages bewusst. Er befindet sich in einem Zustand innerer Aufmerksamkeit", sagt der Arzt. Diese Trance werde durch das Bild einer Treppe, die man hinuntergeht, noch weiter vertieft. Eines bedeute dieser Zustand aber nicht: "Es ist kein Schlaf, kein Kontrollverlust, kein komatöser Zustand und schon gar nicht eine Art Bewusstlosigkeit, in der man sich befindet", sagt Ahlsdorff. Bei der Hypnose gehe es um positives Zureden durch den Therapeuten – oder eben bei der Selbsthypnose durch den Schüler selbst. "In Gedanken formuliert man Sätze, wie ,Ich bin selbstbewusst’, ,Ich habe Mut’ oder ,Ich bin entspannt’. Die Hypnose ist nichts anderes als eine angenehme Entspannung in Kombination mit positiven Gedanken", sagt Ahlsdorff. "Aus diesem Zustand löst sich der Schüler, in dem er sich selbst sagt, dass er sich durch das Zählen von eins bis fünf aus der Trance holt, hellwach ist und es ihm gut geht."

Ahlsdorff hat mit seiner Frau und den drei Kindern lange Zeit in Norwegen gelebt. Dort war er ebenfalls als Allgemeinmediziner tätig. In Skandinavien habe man sehr viel Zeit, und so begann er 2001 zusätzlich mit der Akupunktur. "Damit hatte ich großen Erfolg. Bei Übergewichtigen oder Nikotinsüchtigen bin ich mit dieser Methode jedoch einfach nicht voran gekommen", sagt Ahlsdorff. Mehr durch einen Zufall nahm der Arzt dann an einem Kursus für Hypnose teil. Er habe von diesem Thema zuvor keine Ahnung gehabt, mittlerweile habe sich sein Blickwinkel auf die Medizin jedoch verändert. "Bei Depressionen oder Phobien werden oft sehr schnell Medikamente verschrieben, dabei haben viele Dinge einen Ursprung, der sich durch die Hypnose ermittelt lässt", sagt Ahlsdorff. Bei einer Frau mit Flugangst habe er eine sogenannte Rückführungstherapie angewendet, um den Ausgangspunkt des Traumas zu ermitteln. "Bei vielen Menschen wende ich jedes Mal ganz individuelle Therapien an. Das würde ich gerne irgendwann in einem Buch zusammen fassen." Im November startet er einen neuen Kursus gemeinsam mit Doktor Burkhard Jahn, in dem er Übergewichtigen zu einem leichteren Leben verhelfen möchte.

"Die Hypnose ist eigentlich immer ein Thema, darauf werde ich sehr häufig angesprochen. Viele Erlebnisse sind selbst für mich immer noch faszinierend", sagt Ahlsdorff. Im Ärztehaus in Heiligenfelde ist Ahlsdorff bei weiteren Fragen dazu unter 04240/546 zu erreichen.

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