Niederländische Universität hat eine Mess-Station auf Gut Varrel aufgebaut Mit Spinat Schadstoffe aufspüren

Stuhr-Varrel. Messstationen stellt man sich in der Regel als komplizierte Gebilde mit viel Technik vor. Das muss aber nicht immer so sein. Auf der Streuobstwiese auf dem Gut Varrel steht nun auch eine Messstation. Sie soll Schadstoffe messen, die die Flugzeuge ausstoßen – und sie sieht überhaupt nicht wie eine Messstation aus, eher wie ein kleiner Garten.
11.06.2014, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Mit Spinat Schadstoffe aufspüren
Von Markus Tönnishoff

Messstationen stellt man sich in der Regel als komplizierte Gebilde mit viel Technik vor. Das muss aber nicht immer so sein. Auf der Streuobstwiese auf dem Gut Varrel steht nun auch eine Messstation. Sie soll Schadstoffe messen, die die Flugzeuge ausstoßen – und sie sieht überhaupt nicht wie eine Messstation aus, eher wie ein kleiner Garten.

Zwei Meter mal dreieinhalb Meter misst die Station, um die sich Gerhard Regener von der Gruppe Mehr Grün für Stuhr seit der vergangenen Woche kümmert. Abgetrennt ist sie mit einer grünen Plane, innerhalb des Messbereiches befinden sich. . . Spinatpflanzen. „Spinat eignet sich sehr gut zum Messen von bestimmten Schadstoffen, weil sie sich in der Pflanze anreichern“, erklärt Regener. Biomonitoring nenne sich das Verfahren, fügt er noch hinzu.

Jeweils vier Wochen stehen die kleinen Container mit den Spinatpflanzen unter freiem Himmel. Danach werden sie in das Labor der Niederländischen Universität für Agrarwissenschaften nach Wageningen gebracht. Dort wollen die Wissenschaftler messen, welche Schadstoffe sie in den Pflanzen finden. „Gesucht wird nach aromatischen Kohlenwasserstoffen, die sind gefährlich, sowie nach Schwermetallen und anderen Schadstoffen“, erklärt Regener. Die niederländische Universität ist auch die Einrichtung, die für die Messstation verantwortlich zeichnet. Überdies gebe es noch zwei weitere Stationen nahe des Bremer Flughafens, wie Regener weiß.

Doch wie kommt eine Messstation einer niederländischen Universität nach Stuhr auf eine Streuobstwiese? „Nun, die Niederländer haben bei der Gemeinde nachgefragt, und in der Gemeindeverwaltung hat man dann an die Streuobstwiese auf dem Gut Varrel gedacht“, sagt Regener. Und da er sich regelmäßig um die Wiese kümmert, sei er auch schnell ins Gespräch gekommen, als es darum ging, wer sich um die Station kümmern soll.

Wie lange Regener als „Messstations-Aufseher“ tätig sein wird, weiß er selbst noch noch nicht. „Aber es wird sich sicherlich bis ins kommende Jahr hinziehen“, ist er sich sicher. Kurze Versuchsreihen würden nämlich nicht zu belastbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen führen. „Man muss das lange beobachten.“ Ziel sei es, Aussagen darüber machen zu können, inwiefern der Luftverkehr zu einer nennenswerten Steigerung der Schadstoffbelastung führe. In Varrel sei die Station aufgebaut worden, weil der Bereich weitestgehend zur Einflugschneise des Bremer Flughafen gehöre und nicht bebaut sei, wie zum Beispiel Bereiche in Hemelingen oder anderen Bereichen in der Einflugschneise. Den Bremer Flughafen hätten sich die niederländischen Forscher ausgesucht, weil sie ihre Beobachtungen an einem mittel-großen Flughafen machen wollen.

Regeners Arbeitseinsatz bei dieser Langzeitstudie ist dabei relativ überschaubar. „Einmal im Monat wird eine Delegation von der Universität kommen, um die Pflanzen mit ins Labor zu nehmen“, stellt er dar. Außerdem bestehe seine Aufgabe darin, etwa einmal in der Woche nach der Station und den Pflanzen zu sehen. Ums Gießen brauche er sich dabei nur gelegentlich zu kümmern. „Die Pflanzen-Container sind mit einer Art Docht, wie man ihn auch in Petroleumlampen findet, mit einem Wasser-Container verbunden. Der steht unten“, so Regener. Das heißt, die Pflanzen versorgen sich selbst mit Wasser. Sind die Wasser-Container mal leer, gießt Regener einfach frisches Wasser nach. „Und ich muss auch ein Auge auf die Station haben und auf Vandalismus achten“, erklärt er. Nicht zuletzt muss er alle vier Wochen neue Spinatpflanzen säen, wenn deren Vorgänger ins Labor verfrachtet wurden.

Wann die Niederländer erste Messergebnisse haben werden, sei noch unklar, so Regener. Aber gespannt sei er schon, was bei den Messungen herauskommt. „Das kann ja keinem Bürger, der in der Nähe eines Flughafens wohnt, egal sein“, findet der Varreler.

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