Randale auf Nachbargrundstück kann nicht nachgewiesen werden Objektive Beweise fehlen: Freispruch für Partygäste

VON RENATE SCHÖRKEN
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VON RENATE SCHÖRKEN

Syke·Stuhr. Zuerst waren den Nachbarn die ausgedehnten Partys nebenan in ihrer Wohnstraße in Varrel aufgefallen. Dann begannen Mitte Dezember vergangenen Jahres nach Schilderung der betroffenen Hausbewohnerin die Zerstörungen: Eine junge Fichte wurde angesägt, der Hausbriefkasten demoliert und der Gartenzaun mehrfach beschädigt, schließlich - am 23. Dezember zu nächtlicher Stunde - die gläserne Eingangstür eingetreten.

Als mutmaßliche Täter ermittelte die Polizei drei junge Männer aus Bremen und Stuhr. In der Gerichtsverhandlung in Syke wurde das Trio jedoch mangels sicherer Erkenntnisse auf Antrag des Staatsanwaltes vom Vorwurf der gemeinschaftlichen Sachbeschädigung freigesprochen.

Die drei 19 und 21 Jahre alten Angeklagten bestritten gegenüber dem Jugendrichter jegliche Beteiligung. Von ihnen sei keiner auf dem Grundstück nebenan gewesen. Vielleicht hätten andere Partygäste den Schaden angerichtet.

Dass im Haus eines abwesenden Verwandten in jener Zeit oft gefeiert wurde, gaben die drei zu. 'Da kamen auch immer welche, die wir gar nicht kannten. Nachdem die Demolierungen bekannt geworden waren, blieben die aus', erzählte der 19-Jährige. 'Und dann ist ja auch nichts mehr passiert.' Dass er und seine Freunde auf die Anklagebank gerieten, war demnach ein unglücklicher Zufall: 'Wir waren die letzten Partygäste, als die Polizei kam.'

Die geschädigte Nachbarin hatte gegenüber der Polizei Namen genannt. Als Zeugin im Gerichtssaal relativierte sie jedoch ihre frühere Aussage: 'Ich habe nicht gesehen, wer die Scheibe kaputt gemacht hat. Die kamen ja bei Nacht und Nebel. Ich habe nach Hinweisen aus der Nachbarschaft nur vermutet, wer es war.' Auch die Fußspuren im frisch gefallenen Schnee, die die Polizei in jener Nacht auf dem heimgesuchten Grundstück fand, hatten keinen Wert für die Wahrheitsfindung vor Gericht. Zwar mussten die drei Angeklagten den Beamten die Sohlen ihrer Sneakers zeigen, dokumentiert wurden die Abdrücke aber nicht.

Nach dem Notruf des geschockten Ehepaares rückte die Polizei damals 'mit Signal' an. Etwaige Täter, glaubte der Staatsanwalt, wurden gewarnt und konnten rechtzeitig verschwinden. Die drei Angeklagten waren noch im Haus, als Beamte mit Lampen durch die Scheiben leuchteten. Einer der drei jungen Männer, ein damals 20-Jähriger aus Stuhr, stand laut Anklage hinter der Gardine und zeigte den ausgestreckten Mittelfinger. Diese Beleidigung, ebenfalls Gegenstand der Anklage, bestritt der Auszubildende im Gerichtssaal nicht. Weil das Gericht Reifeverzögerungen nicht ausschließen konnte, wurde er nach Jugendrecht verwarnt und zur Zahlung von 250 Euro an den Jugendhilfeverein Kontakt verpflichtet.

Der 19-jährige Angeklagte gab sich am Ende der Verhandlung zerknirscht. Er habe wegen dieser Sache schon viel Ärger daheim gehabt und wolle sich gern bei der geschädigten Nachbarin entschuldigen: 'Auch im Namen meiner Familie möchte ich sagen, dass es mir sehr leid tut.'

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