Der 28-jährige Syed Salman Shah ist der neue Imam in der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in Brinkum Offen für den Dialog

Stuhr-Brinkum. So ganz ist Syed Salman Shah noch nicht in der Gemeinde Stuhr angekommen. „Nächste Woche kommt der Umzug“, berichtet der 28-Jährige, der seit Kurzem als Imam und islamischer Theologe für die Bremer Ahmadiyya-Muslim-Jamaat zuständig ist, mit einem Augenzwinkern.
21.02.2017, 00:00
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Offen für den Dialog
Von Eike Wienbarg

Stuhr-Brinkum. So ganz ist Syed Salman Shah noch nicht in der Gemeinde Stuhr angekommen. „Nächste Woche kommt der Umzug“, berichtet der 28-Jährige, der seit Kurzem als Imam und islamischer Theologe für die Bremer Ahmadiyya-Muslim-Jamaat zuständig ist, mit einem Augenzwinkern. Die Räume über der Brinkumer Nasir-Moschee an der Marie-Curie-Straße sind ab sofort sein Zuhause. Für seine Tätigkeit in der Gemeinde hat er sich vor allem eines vorgenommen: den interreligiösen Dialog verbessern. Bereits am kommenden Mittwoch, 22. Februar, gibt es daher eine gemeinsame Veranstaltung mit seinem evangelischen Kollegen Pastor Detlef Korsen.

Für den jungen Imam, der in Stade geboren ist, ist der Posten in Brinkum schon die zweite Stelle, die er vom Kalifen der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde zugewiesen bekam. Zweieinhalb Jahre habe er die Gemeinde in Köln geleitet, erzählt Shah. Vor der ersten Stelle stand aber eine umfangreiche Ausbildung an. Schon im Alter von 16 Jahren ging Shah nach London zum Studium. „Meine Eltern hatten den Wunsch, dass ich Imam werde“, berichtet er. „Ein Imam ist der Nächste bei Gott“, findet Shah.

Rund sieben Jahre dauerte das Studium der Islamischen Theologie. In 14 Fächern kamen die Studenten um Shah dabei der islamischen Religion näher. Unter anderem die Rezitation und Übersetzung des Korans, die Vergleichende Religionslehre, die Überlieferungen des Propheten und die Geschichte des Islam standen auf dem Stundenplan. „Die islamische Theologie ist nicht so einfach“, verrät Shah aus seinem Studium.

Praktische Erfahrungen sammelte Syed Salman Shah dann bei verschiedenen Auslandsreisen. Zwei Monate lang unterstützte er einen Imam in Uganda und fuhr mit ihm durchs Land. „Das war etwas Besonderes für mich“, berichtet Shah. Die Menschen hätten ihn als „weißen Mann“ angesprochen und gaben ihm Nachrichten an den Kalifen der Ahmadiyya-Muslim-Bewegung mit, erzählt Shah. Die Zeit in Uganda sei wichtig gewesen, um zu lernen, wie Menschen mit wenigen Mitteln auskommen, sagt Shah. Nur so lerne man, mit ihnen mitzufühlen.

Vier Wochen lang verteilte Shah mit Mitstreitern in Spanien Flyer und informierte über die Religionsgemeinschaft. Außerdem ging es für den jungen Imam fünf Wochen nach Pakistan in den Hauptsitz der Gemeinschaft, um die Strukturen der Organisationen kennenzulernen. Und auch um Ängste abzubauen, wie Shah es beschreibt. „In Pakistan werden unsere Gläubigen verfolgt“, berichtet er. Deshalb sei die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde auf der ganzen Welt verteilt. In über 200 Ländern gebe es Gemeinden und 52 Moscheen in Deutschland.

Für seine Arbeit in Brinkum hat sich Syed Salman Shah einiges vorgenommen. „Ein Imam muss 24 Stunden für seine Gemeinde da sein“, sagt der Vater eines zweieinhalb Jahre alten Sohns. Er möchte Ansprechpartner für alle Altersgruppen sein und bei Problemen helfen. „Der Imam ist der Schnittpunkt zwischen den Menschen und Allah“, beschreibt er. Im Zentrum stehe das Gebet und die Botschaft der Ahmadiyya-Muslim Jamaat: Liebe für alle, Hass für keinen. „Wir müssen allen Menschen und Religionen mit Respekt begegnen“, sagt Shah. Radikale Islamisten sind für ihn keine wahren Muslime. „Wer einen Menschen tötet, tötet die ganze Menschheit“, zitiert Shah eine Stelle aus dem Koran. Neben seinem Wirken in Brinkum ist Shah auch für elf andere Gemeinden unter anderem in Stade, Buxtehude und Lüneburg zuständig.

Er setze auf ein offenes Programm und einen Dialog der Religionen, sagt Shah. „Wir können über alle Themen reden“, lädt Shah alle Interessierten ein. Seine Predigten halte er sowohl auf Deutsch als auch auf Arabisch. Im Sommer kommen bis zu 200 Gläubige in die Moschee nach Brinkum, weiß deren Gemeinde-Sprecher Altaf Ahmad Bhatti zu berichten. Im Winter seien es aufgrund der Gebetszeiten weniger.

Syed Salman Shah, dessen vier Jahre jüngerer Bruder ebenfalls den Weg zum Imam eingeschlagen hat, hofft nun auf einen guten Kontakt mit den Menschen in Stuhr. Daher lädt die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde für Mittwoch, 22. Februar, ab 16 Uhr zum Tag der Religionsstifter ein. Gemeinsam mit dem Brinkumer Pastor Detlef Korsen stellt sich Shah dann den Fragen der Gäste und hält einen Vortrag. Bereits ab 15 Uhr sei auch eine Islam-Ausstellung in der Moschee an der Marie-Curie-Straße 7 zu sehen.

„Ein Imam muss 24 Stunden für seine Gemeinde da sein.“ Syed Salman Shah
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