Der Gravurbetrieb GFT-Fritze arbeitet für luxemburgische Staatsdruckerei - und für viele andere Pass mit einem Andenken aus Brinkum

Stuhr-Brinkum. Tradition und Moderne liegen bei der Firma GFT-Fritze nur wenige Meter auseinander: In einem Raum des Gravurbetriebes im Gewerbegebiet Brinkum-Süd findet sich eine Maschine aus dem Jahr 1930 - in einem anderem stehen drei hochmoderne Laser-Signaturmaschinen. Schaut man letzteren bei der Arbeit zu, denkt man sofort an die Laserwaffen aus Science-Fiction-Filmen. Seit Kurzem ist die Firma in Brinkum zu Hause, vorher logierte sie in Bremen.
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Pass mit einem Andenken aus Brinkum
Von Markus Tönnishoff

Stuhr-Brinkum. Tradition und Moderne liegen bei der Firma GFT-Fritze nur wenige Meter auseinander: In einem Raum des Gravurbetriebes im Gewerbegebiet Brinkum-Süd findet sich eine Maschine aus dem Jahr 1930 - in einem anderem stehen drei hochmoderne Laser-Signaturmaschinen. Schaut man letzteren bei der Arbeit zu, denkt man sofort an die Laserwaffen aus Science-Fiction-Filmen. Seit Kurzem ist die Firma in Brinkum zu Hause, vorher logierte sie in Bremen.

Im Bremer Stadtteil Findorff sei es zu eng für die Firma gewesen, erklärt Inhaber Rainer Fritze. Dort habe er nur rund 140 Quadratmeter zur Verfügung gehabt, in Brinkum seien es jedoch etwa 500 Quadratmeter - deshalb der Schritt ins Bremer Umland. Fünf Mitarbeiter hat Fritze auf der Lohnliste - und die sorgen dafür, dass die Produkte der nunmehr Brinkumer Firma in Australien, den USA, Italien, Frankreich, Norwegen und der Schweiz zu finden sind.

Sogar jeder luxemburgische Staatsbürger hat ein "Andenken" aus Brinkum - nämlich in seinem Pass. "Wir haben 2004 den Prägestempel für die luxemburgische Staatsdruckerei hergestellt. Somit hat jeder Luxemburger etwas ,Deutsches? an sich", erklärt Fritze und lacht. Wie die Staatsdruckerei in Luxemburg auf seine Firma aufmerksam geworden ist, kann sich der 41-Jährige auch nicht so richtig erklären. "Wir haben auch schon für andere luxemburgische Firmen gearbeitet, und das Land ist ja nicht groß. Ich nehme an, dass Mundpropaganda dazu geführt, dass man auf uns aufmerksam geworden ist", vermutet Fritze, der auch in Brinkum wohnt. Der Prägestempel für deutsche Pässe und Ausweise stammt übrigens aus Tschechien, weiß Fritze. "Das ist irgendwie widersprüchlich. Aber vielleicht waren die Tschechen billiger", vermutet er.

Auch eine andere Art Stempel exportiert Fritze nach Luxemburg: nämlich einen, mit denen der Name einer Zigarettenmarke auf das Papier kurz vor dem Filter gedruckt wird. "So ein Stempel ist im Prinzip eine kleine Stahlwalze, deren Herstellung einen Tag dauert." Ist die Walze fertig, schickt er sie zur luxemburgischen Firma Landewyck, die Zigaretten zum Beispiel für Lidl, Aldi und den afrikanischen Markt herstellt. Den Namen der Zigaretten bestimmt natürlich die Firma, Fritze muss ihn "nur" in die Stempelform bringen. Früher habe seine Firma auch für den Bremer Zigarettenhersteller Brinkmann die Stempel geliefert. "Doch dann ist Brinkmann nach Berlin gegangen und später irgendwo anders hin, sodass man sich aus den Augen verloren hat", erklärt Fritze, der dem Rauchen übrigens seit zwei Jahren abhold ist.

Besonders stolz ist Fritze auf die Prägeschriften, die seine Firma herstellt. Die Schriften bestehen aus einzelnen Messinglettern, wie sie früher für Buchdrucke verwendet wurden. Die einzelnen Buchstaben (damit ist das gesamte Alphabet gemeint, also große und kleine Buchstaben und Kommata sowie Punkte) werden aus Messing gefräst und danach mit der Feile bearbeitet. Rund eine Woche ist ein Mitarbeiter mit dem Alphabet beschäftigt. "Das ist gutes, altes Handwerk." Natürlich stellt Fritze auch Ersatzlettern her, wenn ein Kunde zum Beispiel schon einen Satz mit Buchstaben hat, ihm aber einer abhanden gekommen ist. "Zu unseren Kunden gehört auch eine Firma aus Österreich, die aber dann nach Australien übergesiedelt ist. Dort haben sie uns weiterempfohlen, sodass wir auch nach Australien liefern." In Deutschland gebe es kaum noch Firmen, die Messinglettern herstellen. "Ich behaupte mal, dass es außer uns nur noch eine andere Firma gibt", sagt Fritze. Das scheint sich auch in den USA

herumgesprochen zu haben, denn eine dortige Universität bestellt auch regelmäßig bei Fritze ihre Buchstaben. "Die Schriften werden auch für extra gestaltete Urkunden benutzt."

Doch Fritze hat seine Kunden nicht nur in aller Welt, sondern auch in der näheren Umgebung. Immer wieder mal komme jemand von einem Verein vorbei, um einen Pokal oder eine Medaille gravieren zu lassen.

Für all? diese Gravuren und Stempel brauchen Fritze und seine Mitarbeiter ihre Gravurmaschinen. Sechs von ihnen stammen aus den 70er Jahren und tun nach wie vor ihren Dienst. "Und wenn mal ein Teil kaputt ist, kann man es oft selber reparieren oder neue herstellen beziehungsweise herstellen lassen." In einem Nebenraum hat Fritze einen "Oldie" postiert, nämlich eine Gravurmaschine aus dem Jahr 1930. "Die funktioniert noch tadellos, zwar nicht mehr auf Hundertstel- aber auf Zehntelmillimeter genau."

Hier schreibt der Laser

In einem anderen Raum hat hingegen die Zukunft Einzug gehalten: Drei Laser-Signaturmaschinen haben dort ihren Platz gefunden. "Sie werden sicher irgendwann die mechanischen Maschinen ablösen", ist sich Fritze sicher. Die Maschinen werden gebraucht, um beispielsweise Nummern und Kürzel auf Bauteile der verschiedensten Art zu gravieren. Auch sogenannte Testköpfe aus Kunststoff, die bei Hüftoperationen verwendet werden, werden mit Fritzes Lasern beschriftet. "Bei den Lasern muss man das Teil, das graviert werden muss, nicht einspannen. Also kann es auch nicht verformt werden oder beschädigt werden." Das ist natürlich wichtig bei medizinischen Teilen. Das Gravieren mit dem Laser sieht für den Laien ganz einfach aus: Der einzugravierende Text wird am Computer eingegeben und formatiert. Der Rechner ist mit der Maschine verbunden - ist der Text fertig, reicht ein Mausklick, und der Laser schreibt los. Die Teile, die beschriftet werden sollen, stehen in einer Art Kasten, der ein wenig wie ein

Backofen aussieht. Zur Sicherheit wird er geschlossen, aber durch ein Fenster kann man sehen, wie der Laser schreibt.

Dass es einmal solche Technik geben würde, hätte sich der Gründer des traditionsreichen Unternehmens sicher nicht träumen lassen. 1870 gründete Bernhard Sorger die "Bremische Gravieranstalt. Mechanische Werkstatt und Kunstgiesserei". Der Hauptgeschäftszweig bestand in der Anfertigung von Brenn-Stempeln für die bremische Zigarrenindustrie, die im 19. Jahrhundert einen mächtigen Aufschwung nahm. Die Zigarren wurden in Holzkisten verpackt - mit Deckeln, die von der "Bremische Gravieranstalt" mit Brandmarken ausgerüstet waren.

1894 übernahm Friedrich Wrede die Werkstatt und erweiterte das Angebot um die Fertigung von Stempeln und einzelnen Bronzebuchstaben. Die Ausrüstung von Holzverpackungen stand aber weiterhin im Zentrum: Johann Wrede, der 1935 die Firma von seinem Vater übernommen hatte, entwickelte die vollautomatische Brennpresse "BS 20". Sie konnte die bis dahin unerreichte Anzahl von 3000 Deckeln pro Stunde brennen. In der Folge des Zweiten Weltkrieges änderte sich das Konsumverhalten grundlegend: Die Tabakindustrie in Bremen brach fast vollständig zusammen, was auch die Firma erheblich in Mitleidenschaft zog.

1952 gründete Konrad Wrede die Firma unter dem Namen "Konrad Wrede. Gravierbetrieb" neu. Aus einem Hersteller von Brenn-Stempeln zur Markierung von Holzverpackungen wurde das Unternehmen zum Anbieter graviertechnischer Produkte. Seit 1981 firmierte es unter dem Namen Puvogel & Brandt GmbH. 1985 stieß Fritze als Lehrling zu dem Unternehmen. "Damals hieß der Lehrberuf noch Gold- und Schwarzdruckgraveur", erinnert sich Fritze. Im Jahr 2004 übernahm er die Firma, weil der bisherige Geschäftsführer aus Altersgründen ausschied.

Im kommenden Jahr will Fritze seine Mannschaft ein wenig aufstocken und zwei Lehrlinge einstellen. Hohe Anforderungen stellt er dabei nicht an den Nachwuchs. "Es ist egal, welchen Schulabschluss sie haben. Die Lehrlinge können auch ruhig etwas introvertiert sein. Schön wäre es, wenn in Mathe eine Drei im Zeugnis steht und sie eine gewisse Fingerfertigkeit haben." Damit auch in Zukunft Tradition und Moderne unter dem Firmendach fortgeführt werden.

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