Museumsbahn fährt ab 1. Mai wieder zwischen Bremen und Thedinghausen Pingelheini startet in die Saison

Weyhe-Leeste. Die Museumsbahn Pingelheini geht ab Sonnabend, 1. Mai, wieder auf große Fahrt. Dann verbindet sie entlang der Kleinbahnstrecke Bremen-Thedinghausen allerlei Bahnhöfe, die fast schon ein wenig in Vergessenheit geraten sind.
23.04.2010, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Hauke Gruhn

Weyhe-Leeste. Wer auf modernen Schnickschnack wie Klimaanlage und gepolsterte Sitzbänke verzichten kann, darf sich schon mal auf die neue Pingelheini-Saison freuen. Die Museumsbahn aus Leeste geht ab Sonnabend, 1. Mai, wieder auf große Fahrt. Dann verbindet sie entlang der Kleinbahnstrecke Bremen-Thedinghausen allerlei Bahnhöfe, die fast schon ein wenig in Vergessenheit geraten sind.

Die Waggons sind geputzt und gewartet, die alte Diesellok ist gründlich durchgecheckt und in den Bahnhöfen entlang der Kleinbahnstrecke hängen schon die neuen Fahrpläne aus. Die ehrenamtlichen Aktiven der Museumsbahn haben die vergangenen Tage genutzt, um alles für den Saisonauftakt vorzubereiten. Zum Start am 1. Mai sowie am 13. Mai (Himmelfahrt), 30. Mai, 20. Juni, 18. Juli sowie am 22. August werden wieder zahlreiche Fahrgäste den Charme der 50er Jahre in der historischen Eisenbahn erleben können: rumpelnde Waggons, Holzsitze, die Lok, die an den unbeschrankten Bahnübergängen Autofahrer und Fußgänger per Pfeifsignal warnt - im Bummelzugtempo geht es auf die kurvenreiche Strecke.

Doch auch die Bremen-Thedinghauser Eisenbahn GmbH (BTE), der die Strecke gehört, hat viel getan und die Gleise an vielen Stellen erneuert. Gordon Doyen, Vorstandssprecher beim Pingelheini, ist erleichtert: 'Die Erneuerung von Gleisen und Brücken sichert nicht nur der Strecke, sondern auch uns als Verein, der auf den Gleisen Touristikverkehr anbietet, das Überleben. Wir sind sehr froh, dass die Gemeinden und die BTE in die Strecke investiert haben.' Den Zustand vieler Bahnhöfe bedauert Doyen jedoch: 'Man muss sehen, dass dort zuletzt 1955 planmäßig Personenzüge hielten. Wir würden gerne Bahnsteige bauen, aber das Genehmigungsverfahren ist langwierig und die Bauausführung wäre so aufwändig, dass wir das nicht bezahlen können.'

Per Bahn ins Radlerparadies

Auf dem Abschnitt zwischen Leeste und Bremen-Kirchhuchting wird zudem aller Voraussicht nach spätestens ab 2013 die Straßenbahn-Linie 8 fahren, Gleise und Bahnhöfe werden dann grundlegend ihr Gesicht verändern. Für den Endbahnhof Thedinghausen hat die Samtgemeinde laut Gordon Doyen aber Unterstützung in Aussicht gestellt: Dort werde mittelfristig ein Bahnsteig entstehen, und auch das Umfeld solle verschönert werden.

Die Mitreisenden werden jedoch vor allem einen Blick für die Landschaft haben und die heute seltene Gelegenheit nutzen, sich auf den offenen Bühnen an den Wagenenden den Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen. Die meisten Fahrgäste nutzen den Pingelheini in Fahrtrichtung Thedinghausen. Zwei Fahrten werden angeboten, eine am Morgen und eine am frühen Nachmittag. Vor allem die erste sei ideal für Radwanderer, die dann einen ganzen Tag vor Ort Zeit hätten, die Mittelweser-Region zu erkunden oder per Rad zurückzufahren, so Doyen. Auch der Zug am frühen Nachmittag befördere natürlich Räder, biete sich aber besonders für einen Kurztrip an - etwa zum Kaffeetrinken oder Eisessen in Thedinghausen oder Riede.

'Die Region rund um Thedinghausen gilt zu Recht als Radlerparadies', findet Doyen. 'Die Radwege sind perfekt ausgebaut und ausgeschildert.' Ein besonderes Erlebnis biete die Personen- und Fahrradfähre 'Gentsiet', die unweit Thedinghausens über die Weser übersetze, von wo aus weiter nach Achim geradelt werden könne. Sie verkehrt an allen Tagen, an denen auch der Pingelheini verkehrt und wird genau wie die Museumseisenbahn auch ehrenamtlich betrieben. Die Samtgemeinde Thedinghausen bietet Interessierten zudem Führungen durch den Ort oder durch das Schloss Erbhof in Thedinghausen an.

Zum Saisonstart des Pingelheinis am 1.Mai stellen Enthusiasten auf der Freifläche vor dem Schloss Erbhof ihre Oldtimer aus. Das Oldtimer-Treffen ist laut Pingelheini-Sprecher Gordon Doyen eines der größten in der Region. Die Veranstaltung sei - mit und ohne Fahrrad - per Pingelheini bequem zu erreichen. Wen es eher in die andere Fahrtrichtung nach Bremen-Kirchhuchting zieht, der kann den Pingelheini-Trip zum Beispiel nutzen, um per Rad weiter in die Hansestadt zu fahren.

Alle Züge befördern kostenlos Fahrräder. Ebenso kostenlos fahren eigene Kinder und Enkel bis einschließlich 17 Jahren. Nur Erwachsene müssen somit bezahlen. Die Hin- und Rückfahrt über die gesamte Strecke kostet zehn Euro, die einfache Fahrt sieben Euro. Eine halbe Strecke, zum Beispiel ab/bis Leeste, kostet sieben Euro für die Hin- und Rückfahrt sowie fünf Euro für die einfache Fahrt. Noch günstiger sind Kurzstrecken. Fahrkarten werden erst direkt im Zug während der Fahrt gelöst und müssen nicht im Voraus erworben werden. Es kann jederzeit spontan ohne Voranmeldung eingestiegen werden, allerdings ist es möglich, sich kostenlos im Internet unter www.pingelheini.de für die 10-Uhr-Fahrt nach Thedinghausen Plätze zu reserviereSüßigkeiten sind immer dabei

Im Zug ist immer der Buffetwagen dabei, in dem der Verein kühle Getränke und frischen Kaffee sowie Süßwaren, Kuchen und heiße Bockwurst anbietet. Gratis verteilen die Schaffner während der Fahrt Süßigkeiten an alle Gäste. Fahrpläne gibt es in manchen Geschäften entlang der Strecke, sie hängen an den Bahnhöfen aus und sind zudem in den Rathäusern von Stuhr, Weyhe und Thedinghausen erhältlich. Am Bahnhof Leeste hängt ein Infokasten, den der Verein regelmäßig mit Faltblättern befüllt.

Alle Infos zu den genauen Fahrzeiten, zu Radtouren und zu einem Rundgang durch Thedinghausen sind auch im Internet unter www.pingelheini.de zu finden.

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