Plattdeutscher Lesewettbewerb in Tarmstedt

Von Oma Pütt bis zur pädagoogischen Opgaav

Sich bei einem plattdeutschen Lesewettbewerb vor der Videokamera einer Jury zu präsentieren, erfordert nicht nur Mut und gute Sprachkenntnisse, sondern auch Geschick.
13.05.2021, 12:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christina Klinghagen
Von Oma Pütt bis zur pädagoogischen Opgaav

Schüler und Jurymitglieder saßen beim plattdeutschen Lesewettbewerb der KGS Tarmstedt vorm Computer. 

Christina Klinghagen

Tarmstedt. Geübt im Umgang mit dem Computer sind sie allemal. Aber sich bei einem plattdeutschen Lesewettbewerb vor der Videokamera einer Jury zu präsentieren, erfordert nicht nur Mut und gute Sprachkenntnisse, sondern auch Geschick, die jeweilige Geschichte für den Zuhörer gekonnt in Szene zu setzen. Und genau dieses bewiesen die acht Schülerinnen und Schüler der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Tarmstedt kürzlich mit ihren kreativen Lesebeiträgen. 

„Was ich sehr schön finde, ihr könnt heute alle ohne Mundschutz lesen“, ermunterte die Lehrerin Heike Hiestermann gleich zu Beginn die Teilnehmerrunde. Nach einer kurzen Begrüßung gaben die Plattdeutsch-Beauftragen Katja Langwich und Heike Hiestermann das Startsignal für den Lesewettbewerb, der erstmalig übers Internet durchgeführt wurde. Zeitgleich hatte sich die Jury, bestehend aus Katja Langwich, Anne Holsten und dem CDU-Kreisvorsitzenden Marco Moormann, in einen zweiten Konferenzraum begeben, von wo aus die einzelnen Vorträge nach bestimmten Kriterien beurteilt wurden. So wurden Lesetechnik, Betonung und Aussprache nach einem Punktesystem bewertet.

Los ging es mit den Kandidaten aus dem fünften Jahrgang, die nacheinander im Chatroom ihre Geschichten zu Gehör brachten. Als eingespieltes Leserinnenteam erwiesen sich Marie Scheidl und Hanna Schuh, die „Greetje is mien Fründin“ zum Besten gaben. Das entging auch Heike Hiestermann nicht. „Ich habe das Gefühl, ihr habt die Geschichte fast auswendig vorgetragen“, gab sie zu verstehen. Hiernach war Jesse Röhrs an der Reihe, der mit „Dat Kaugummi to´n Grugen“ begeisterte. Jannik Hastedt konzentrierte sich dann auf „De Jung un de Zegen“. Mit Lob sparte Hiestermann an diesem Tag nicht, denn alle gaben ihr Bestes und verblüfften mit ihren Plattdeutschkenntnissen auch die Jury. Anerkennung und Unterstützung fanden die Teilnehmer auch untereinander. Bei jeder Lesung kommentierten die Schüler im Chat die jeweilige Leistung mit „cool gelesen“, tolle Geschichte“ und weiteren anspornenden Bemerkungen. Darüber hinaus war zum Ende hin immer das Wort „Applaus“ zu lesen, der ja leider im virtuellen Raum nicht möglich war.

Nach einer kleinen Beratungspause seitens der Jury ging es weiter mit den Lesern der siebten und achten Jahrgänge. Während Luis Köster „De pädagoogsche Opgaav“ vorstellte, las Henrik Seeger die Geschichte „Stadtkinner und Landkinner“. Hiernach erfuhren die Zuhörer von Fynn Wandrey, wie es bei „De Grill un de Miegpatz“ zugeht. Dann setzte sich Torben Seeger mit der Aufforderung „Ik les Oma Pütt un nu hört god to“ vor die Webcam und präsentierte „Oma Pütt“. Eine Geschichte, die sein Opa selbst geschrieben hat.

Etwas mehr als eine Stunde hat der Wettbewerb gedauert, der allen Beteiligten große Freude bescherte. „Es waren tolle Beiträge, die ebenso klasse gelesen wurden. Es ist schön zu sehen, wie sich das entwickelt hat“, begeisterte sich Hiestermann. Wie sie schilderte, hätten die Vorbereitungen für den Wettbewerb erst nach den Osterferien begonnen. „Die Schüler haben sich zuhause und in Videokonferenzen mit ihren Geschichten hingesetzt und sich gegenseitig Tipps gegeben.“ Alles habe bestens geklappt, und auch die Technik habe mitgespielt. „Der Spaßfaktor war immer da, und die Scheu vor der Kamera zu lesen hat sich gelegt“, so Hiestermann, die ergänzte, dass das Verhalten vor der Kamera kein Prüfkriterium gewesen sei. Ebenso voller Lob über den gelungenen Lesewettbewerb im Internet zeigte sich Marco Moormann. „Ich habe mich gefreut, als Jurymitglied dabei zu sein. Das war wirklich toll“, berichtete er und hob dabei hervor, wie schön und wichtig es doch sei, in dörflicher Region die plattdeutsche Sprache zu bewahren. 

Zu guter Letzt verkündete Katja Langwich die Auswertung der Jury. „Ihr habt es alle toll gemacht. Schade, dass ihr den Applaus nicht hören konntet“, betonte sie, bevor sie ihr Wort an die einzelnen Teilnehmer richtete. „Ann und Marie sind quasi in einer Extraklasse gestartet, weil sie zu zweit gelesen haben. Euer Beitrag kommt auf jeden Fall in die nächste Runde“, versicherte Langwich, wodurch die beiden Mädchen ebenso wie Jannik Hastedt auf den ersten Platz kamen. Jesse Röhrs belegte den zweiten Platz. Bei den Jahrgängen sieben und acht wurde es dann besonders spannend. „Da war es für die Jury noch schwieriger“, erklärte Langwich, die bekannt gab, dass Fynn Wandrey den dritten Platz erhielt und der zweite Platz gleich zweimal belegt wurde, nämlich von Henrik und Torben Seeger. Luis Köster durfte sich über den ersten Platz freuen.

Wie Langwich den glücklichen Teilnehmern verriet, erhält demnächst jeder von ihnen ein T-Shirt, das mit „Moin“ und auf der Rückseite mit „KGS Tarms“ bedruckt ist.

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