Schließung der Postfiliale in Stuhr

Post ohne Bank

Die Postbank sprach von einer Verlagerung. Doch nur das Postgeschäft der Brinkumer Filiale ist am Donnerstag in den nahegelegenen Inkoop-Markt gezogen. Bei Bankkunden stößt das auf Unverständnis.
15.03.2018, 18:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Penth
Post ohne Bank

Freut sich über die neue Poststation in der Inkoop-Niederlassung an der Jupiterstraße in Stuhr-Brinkum: Marktleiter Dennis Gottwald. Hier mit Mitarbeiterin Marita Ungemach.

Janina Rahn

Stuhr-Brinkum. Mit etwas Abstand mustert eine ältere Frau die neue Poststation in der Inkoop-Filiale an der Jupiterstraße. Alles wirkt neu, hell und modern. Seit sie um 8 Uhr am Donnerstag aufgemacht hat, ist die Annahme- und Ausgabestelle für Pakete gut besucht. Als Kundin der Postbank ärgert sich die Stuhrerin jedoch. "Jetzt kann ich in der Nähe kein Geld mehr abheben."

Eine Verlagerung ihres Dienstleistungsangebotes hatte es die Postbank genannt, als sie bekannt gab, dass sie die bisherige Filiale an der Melcherstätte 8 schließen werde. Doch als dort am Donnerstagvormittag ein für alle Mal die Lichter ausgingen, erlosch für die Bankkunden auch die Möglichkeit, Bankgeschäfte vor Ort zu erledigen. Die sind am neuen Standort in der Inkoop-Filiale nämlich nicht mehr möglich.

Ein Plakat mit den Daten zur Schließung prangt an der Tür der Niederlassung an der Melcherstätte. Es informiert den Kunden, wo er die gewohnten Leistungen in vollem Umfang fortan findet. Nämlich in der Filiale Alter Dorfweg im Roland-Center in Bremen-Huchting. In der Hansestadt befinde sich auch der nächstgelegene Geldautomat der Cash Group aus unter anderem Deutsche Bank, Commerzbank und eben der Postbank. An Bargeld kommen die Postbank-Kunden in Stuhr dennoch. "Die nächste Möglichkeit zur kostenlosen Bargeldversorgung finden Kunden an der Shell-Tankstelle an der Bremer Straße 105", heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens.

Nahezu verwaist wirkt die alte Zweigstelle der Post kurz vor der Schließung. Vereinzelt sind Kunden zu sehen, die mit ihren Päckchen im Arm schnell in das Gebäude huschen. Ein Mitarbeiter sitzt hinter der Glasscheibe des Kundenbereichs, die Plätze neben ihm sind leer. Genau wie die einst mit Umschlägen und Faltkartons belegten Regalreihen vor ihm. Wenige Blöcke Kopierpapier liegen noch auf einer Holzpalette. Alles weist auf Abbruchstimmung hin.

Kurz vor der Schließung kommt ein Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, mit einem Stapel Briefe in der Hand aus dem Gebäude. Der ältere Mann, der nach eigenen Angaben seit rund 50 Jahren Postbankkunde ist, sieht der Schließung an der Melcherstätte gelassen entgegen. "Das ist ja der Zug der Zeit", sagt er im Hinblick auf die Filialpolitik des Unternehmens.

Ganz anders reagiert ein Kunde, der später die Post aufsucht. "Krank" sei die Schließung in seinen Augen. "Da kann man nur fassungslos daneben stehen", wettert er. Er selbst mache keine Bankgeschäfte bei der Post, habe jedoch ein Postfach in dem Gebäude. Die Fächer sollen, so habe es die Deutsche Post ihm mitgeteilt, an der Straße Melcherstätte nach wie vor zur Verfügung stehen. Der 65-Jährige, der in Stuhr ein Unternehmen führt, muss für seine Erledigungen aber nun mehr Zeit einplanen. "Ich komme hierher, um meine Post abzuholen, und muss dann zu Inkoop weiter, um Briefmarken zu kaufen", schildert der Mann, der nun kopfschüttelnd vor der Zweigstelle der Post steht. Besonders ärgerlich sei der Verlust der Anlaufstelle für ältere Menschen, die nur eingeschränkt mobil seien, findet der Kunde.

Dass die Bankfiliale nicht gemeinsam mit der Poststation umgezogen ist, findet Inkoop-Marktleiter Dennis Gottwald bedauerlich. Die Hoffnung hat er dennoch nicht aufgegeben. "Wir stehen in Verhandlung und versuchen das. Noch ist es uns nicht gelungen, die Postbank herzuholen", sagt er. Der Marktleiter ist froh darüber, dass seine Kunden neben dem Einkauf nun auch ihre Erledigungen bei der Post in dem Lebensmittelgeschäft machen können. "Für sie ist es toll, mehr unter einem Dach zu haben."

Verschiedene Standorte waren laut Gottwald im Gespräch, nachdem die Schließung der Postfiliale Ende 2017 bekannt wurde. Wie er betont, finden Kunden eine komplette Poststation mit allen gewohnten Dienstleistungen im Inkoop-Markt vor. Bloß ohne Postbank. Dafür bietet Gottwald seinen Kunden seit Kurzem an, Bargeld ohne Mindestwert an der Kasse abheben zu können. Davor lag der bei 20 Euro. Doch wenn sie Bargeld einzahlen oder Beträge überweisen wollen, müssen sich die Kunden der Postbank ab sofort wohl andernorts umsehen.

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