Sorgenkind Leester Ortskern "Potenziale sind eindeutig positiv"

Der Leester Ortskern ist ein Sorgenkind der Gemeinde Weyhe. Mit einem neuen Bebauungsplan soll das Baurecht erweitert werden. So sollen gute Rahmenbedingungen für Investitionen geschaffen werden.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Annika Lütje

Der Leester Ortskern ist ein Sorgenkind der Gemeinde Weyhe. Aber nun geht es mit seiner Entwicklung voran: Mithilfe eines neuen Bebauungsplans soll das Baurecht erweitert werden. So will die Gemeinde gute Rahmenbedingungen für private Investitionen schaffen und den Ortskern lebendiger gestalten.

Der Leester Ortskern zwischen der Leester Straße, der Schulstraße und der Hauptstraße steht bereits seit Jahren im Fokus der Aufmerksamkeit der Gemeinde. „Wir haben dort einen sehr großen Entwicklungsbedarf“, sagt Weyhes Bürgermeister Andreas Bovenschulte.

Es gab bereits viele Ansätze, um den Ortskern zu beleben, vor zwei Jahren fand eine Bürgerwerkstatt statt, die viele Ergebnisse hervorgebracht hat. „Eines ist dabei besonders deutlich geworden: Der Ortskern soll durch mehr Einzelhandel lebendiger, aber nicht zugebaut werden, und das Wohngebiet an der Schulstraße soll seinen dörflichen Charakter behalten“, berichtet Steffen Nadrowski, Leiter des Fachbereichs Bau, Planung und Umwelt.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Nadrowskis Fachbereich einen Bebauungsplan erstellt, mit dem das Baurecht im „Bauch vom Leeste“ erweitert werden soll. „Der Leester Ortskern ist mit seinen zwei Strukturen wohl einzigartig in der Region“, sagt Nadrowski. Denn entlang der Leester Straße und Hauptstraße befindet sich ein Mischgebiet mit viel Einzelhandel (auf dem Plan in braun erkennbar), an der Schulstraße liegt ein gewachsenes Wohngebiet (rosa Bereich), und dazwischen liegen Grünflächen (grüne Bereiche).

Die Erweiterung des Baurechtes soll es ermöglichen, im Misch- und Wohngebiet die vorhandenen Gebäude zu erweitern und auf bisher ungenutzten Flächen eine Bebauung zuzulassen. Allerdings soll die Bebauung moderat ausfallen, und die Grünflächen wie das Wäldchen hinter dem ehemaligen Reformhaus, die Parkanlage an der Ecke Leester Straße/Hauptstraße sowie die Wiese auf Höhe des Schulparkplatzes (siehe Plan) sollen erhalten bleiben.

Ein durchgängiger Fuß- und Radweg, der neben der Volksbank an der Hauptstraße bereits beginnt und nach dem neuen Plan an dem Weg Zum Köhlerbruch enden soll, soll als „grüne Achse“ einmal quer durch den Ortskern führen und gleichzeitig das Misch- und Wohngebiet trennen.

Im Mischbereich an der Leester Straße darf man laut des neuen Bebauungsplanes zweigeschossig bauen, und ein Grundstück darf zu 60 Prozent bebaut werden. „Wir schreiben aber vor, dass dort im Erdgeschoss Gewerbe stattzufinden hat, um eine Lebendigkeit und Attraktivität des Ortskerns zu sichern“, so Bovenschulte.

Im Wohngebiet soll man ebenfalls zweigeschossig, aber nur unter einer 30-prozentigen Ausnutzung des Grundstückes bauen dürfen. „Das Baurecht für die freien beziehungsweise die noch landwirtschaftlich genutzten Flächen ist auch schon da“, sagt Nadrowski. „Da hängt es jetzt an den privaten Eigentümern, ob sie das nutzen wollen“, ergänzt er. Aber man befinde sich bereits in Gesprächen.

„Wir können eben nur gute Rahmenbedingungen für eine positive Entwicklung schaffen. Wir können aber nicht private Investitionen ersetzen“, sagt Bovenschulte. Eben diese Rahmenbedingungen will die Gemeinde mithilfe des erweiterten Baurechts, aber auch durch Leitprojekte wie eine Erneuerung des Henry-Wetjen-Platzes und des Bereiches am Leester Bahnhof sowie den Anschluss an das Straßenbahnnetz erwirken.

Als nächste Instanz muss der Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt in seiner kommenden Sitzung den Inhalt des neuen Bebauungsplans billigen. Er kommt an diesem Dienstag, 25. November, um 18.30 Uhr im Ratssaal des Weyher Rathauses zusammen. Doch der Plan muss nicht nur von der Politik abgesegnet werden. Rund 65 Behörden und Träger öffentlicher Belange müssen in den Planungsprozess einbezogen werden.

Gleichzeitig soll unter Bürgerbeteiligung ein Umlegungsverfahren eingeläutet werden, um die bestehenden Eigentumsgrenzen an den neuen Bebauungsplan anzupassen und die Rahmenbedingungen zu optimieren. „So ein Prozess ist eben langwierig, aber es handelt sich bei dem Plan ja auch um geltendes Recht“, sagt Nadrowski. Er rechne aber damit, dass „möglicherweise im Sommer 2015 die Zeit für die ersten Bauanträge gekommen ist“. Parallel zu dem Verfahren um den neuen Bebauungsplan bemüht sich die Gemeinde Weyhe weiterhin um die Aufnahme in ein Städtebauförderprogramm. „So ein Programm würde viel mehr als nur den Leester Ortskern umfassen, aber man könnte einen Teil zum Beispiel dafür nutzen, um Brachflächen aufzubereiten“, so Bovenschulte.

Er betont aber, dass diese Bemühungen unabhängig von dem Bebauungsplan laufen. „Wir wollen nicht darauf vertrauen, dass wir irgendwann von irgendjemandem mal Geld bekommen. Dafür bemühen wir uns schon zu lange um Fördermittel“, sagt er und ergänzt: „Die Potenziale sind derzeit eindeutig positiv. Man muss das alles jetzt einfach mal umsetzen.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+