Prozess um getöteten Vierjährigen

Tante gab Hinweis auf den Klinikaufenthalt

Mit der Zeugenaussage einer Polizistin ist am Mittwoch der Prozess gegen eine 41-Jährige fortgesetzt worden, die ihren vierjährigen Sohn im vergangenen November in die Wümme geworfen haben soll.
05.05.2021, 18:32
Lesedauer: 2 Min
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Von Angelika Siepmann
Tante gab Hinweis auf den Klinikaufenthalt

Vor dem Landgericht Verden ist am Mittwoch der Prozess gegen eine 41-Jährige fortgesetzt worden, die ihren vierjährigen Sohn in Rotenburg die Wümme geworfen haben soll. Die Frau ist wegen Totschlags angeklagt.

Björn Hake

Verden/Rotenburg. Im Landgerichtsprozess gegen die 41-Jährige, die ihren vierjährigen Sohn am 5. November vergangenen Jahres in Rotenburg in die Wümme geworfen haben soll, hat am Mittwoch in Verden eine Polizeibeamtin geschildert, wie die Frau an jenem Tag gegen 22 Uhr angetroffen worden war. Sie sei schwankend gegangen, habe sich auch zusammengekrümmt, keine Jacke und nur einen Schuh angehabt und sich „in einem offensichtlich hilflosen Zustand“ befunden, erinnerte sich die Zeugin. Anlass, in der Rotenburger Innenstadt auf die Suche zu gehen, sei eine „Meldung vom Bahnhof“ gewesen, „eine Frau habe versucht, sich vor einen Zug zu werfen“.

Im weiteren Verlauf ihrer Vernehmung berichtete die Beamtin, wie sie und eine Kollegin bald darauf gekommen seien, dass eine direkte Verbindung zu einer ebenfalls schon vorliegenden Vermisstenmeldung aus der Kinderklinik bestehen müsse. Dies sollte sich dann auf dramatische Weise bestätigten. Die wegen Totschlags angeklagte Frau hat in der Vorwoche, wie berichtet, über ihre Verteidigerin ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Als Motiv für ihre Tat war in der ausführlichen Einlassung die Angst angeführt worden, das Jugendamt könne ihr den Jungen wegnehmen. An den entscheidenden Moment auf der Amtsbrücke will sie sich allerdings nicht erinnern können.

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Für den dritten Prozesstag waren noch drei weitere Zeuginnen geladen. Die Schwurgerichtskammer beendete den Termin jedoch vorzeitig mit Verweis auf die aktuelle Saalsituation. War bislang in der vergleichsweise riesigen Stadthalle verhandelt worden, die seit Corona als Ausweichquartier dient, so musste diesmal mit einem Landgerichtssaal im Justizzentrum vorlieb genommen werden, nicht dem größten. Man sitze „heute ein wenig beengt“, sagte Vorsitzender Richter Volker Stronczyk und begründete damit auch gegenüber den schon wartenden Zeuginnen, warum sie unverrichteter Aussage wieder gehen und erst bei der Fortsetzung (Donnerstag, 20. Mai) an der Reihe sein würden.

Dann soll auch die zweite Polizistin gehört werden, die seinerzeit mit der bereits befragten Beamtin im Bereich einer Bushaltestelle an der Aalter Allee auf die Angeklagte gestoßen war. Die Kommunikation mit der Frau, von der man mutmaßte, sie könnte betrunken sein oder Schmerzen haben, sei schwierig gewesen, erklärte die erste Zeugin. Man habe aber herausgehört, dass sie unbedingt „nach Hause“ wolle und sie daher im Streifenwagen zu der Adresse gebracht, zu der die Frau sie per Handzeichen gelotst habe. Ihre Personalien seien bis dato noch nicht bekannt gewesen.

Eine angebliche Tante (eine Nenn-Tante, wie sich herausstellen sollte) habe die Wohnungstür geöffnet, die Angeklagte sei sofort ins Badezimmer gegangen und habe die Tür hinter sich zugemacht. Über die sogenannte Tante habe man erfahren, dass die Frau eigentlich mit ihrem Sohn im Krankenhaus sein sollte. Da hätten „die Alarmglocken“ geklingelt, so die Beamtin, denn auf der Wache sei ja vorher schon besagte Vermisstenmeldung eingegangen. Auf die von der Tante übersetzt Frage „Wo ist das Kind?“ habe die Frau geantwortet, sie habe es „ins Wasser geworfen“, es sei tot. Da sei für sie endgültig klar gewesen, wer die Frau sei, dass Gefahr im Verzug und schnelles Handeln angesagt seien.

„Gefahrenabwehr hatte oberste Priorität“, betonte die Beamtin, als es während ihrer Vernehmung mehrfach darum ging, ob die Frau an dem Abend als Beschuldigte belehrt worden sei. Dies war nicht der Fall. Der Richter Stronczyk stellte – nicht nur einmal – klar, dass die beiden Beamtinnen „aus Sicht der Kammer alles richtig gemacht“ hätten. Er wiederholte dies ausdrücklich, nachdem die Verteidigerin der Angeklagten einer Verwertung der Aussagen der Zeugin widersprochen hatte – soweit diese sich auf damalige Angaben ihrer Mandantin bezogen.

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