Abiturienten der KGS Brinkum sind nach Selbsthypnose-Pilotprojekt geteilter Meinung

Prüfungsangst mit zwei Fingern besiegen

Laut Dr. Holger Ahlsdorff war es ein deutschlandweit einmaliger Versuch, und er hält ihn für geglückt: Über mehrere Wochen hat der Mediziner 13 Abiturienten der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Brinkum Techniken vermittelt, die sie stressfrei durch die Prüfungen bringen sollten. Doch nicht alle waren bei ihrem Fazit überzeugt von der Selbsthypnose und Klopf-Akupressur mit den Fingern. Einige Erfolge wurden offenbar aber erzielt – teilweise sogar außerschulisch.
24.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Prüfungsangst mit zwei Fingern besiegen
Von Sebastian Kelm
Prüfungsangst mit zwei Fingern besiegen

Hat damit sogar ihre Platzangst überwunden: Jessica Buchfeld führt die sogenannte EFT-Methode vor, die zumindest bei ihr den gewünschten Erfolg gebracht haben soll.

Udo Meissner

Laut Dr. Holger Ahlsdorff war es ein deutschlandweit einmaliger Versuch, und er hält ihn für geglückt: Über mehrere Wochen hat der Mediziner 13 Abiturienten der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Brinkum Techniken vermittelt, die sie stressfrei durch die Prüfungen bringen sollten. Doch nicht alle waren bei ihrem Fazit überzeugt von der Selbsthypnose und Klopf-Akupressur mit den Fingern. Einige Erfolge wurden offenbar aber erzielt – teilweise sogar außerschulisch.

Stuhr-Brinkum. Wirklich einig, was sie jetzt von dem Projekt halten sollen, waren sich die jungen Teilnehmer nicht. "Also ich fand es ziemlich schwierig, mich darauf einzulassen, mir fehlt einfach die Ruhe dazu", schilderte Laura Nelde ihre Erfahrungen bei dem Seminar "Mit Selbsthypnose besser durch’s Abi". Dr. Holger Ahlsdorff hatte ihr und zwölf weiteren Schülern des diesjährigen Abschlussjahrgangs der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Brinkum Übungen an die Hand gegeben, um selbstbewusster und angstfreier in die mündlichen und schriftlichen Prüfungen zu gehen.

Eine, die von sich behaupten kann, das Erlernte hätte ihr durchaus genutzt, ist Jessica Buchfeld. Vor allem die sogenannte Emotional Freedom Technique (EFT) habe ihr geholfen, entspannter ans Abitur heranzugehen. "Das ist eine Klopf-Akupressur, bei der zwei Finger auf eine bestimmte Körperstelle gelegt werden, zum Beispiel ins Gesicht. Mit dieser Handlung sollen positive Gefühle verankert und abgerufen werden", erklärte Ahlsdorff. Und wie Jessica Buchfeld zu Protokoll gab, hat das bei ihr auch funktioniert. "In Religion hätte ich sonst mündlich vielleicht nicht so gut abgeschnitten", meinte sie. Ihre Abiturnote in dem Fach kann sich auch durchaus sehen lassen: zehn Punkte, eine Zweiminus also.

Doch nicht nur schulisch habe es ihr etwas gebracht, erzählte die 18-Jährige. "Ich hatte Probleme mit engen Räumen. Wenn ich mich jetzt richtig fokussiere, macht mir auch Fahrstuhlfahren nichts mehr aus."

Nebenerfolge wie diese hatte Ahlsdorff sehr wohl zu erreichen gehofft. "Grundsätzlich ging es ja darum, Ängste zu überwinden", sagte der Facharzt für Allgemeinmedizin aus Heiligenrode. Auch Kopfschmerzen ließen sich so bekämpfen. Weitere Inhalte der sieben Termine, in denen er mit den Schülern gearbeitet hat: Vertrauensaufbau durch Kommunikation und natürlich die klassische Hypnose. Wobei Ahlsdorff klarstellte: "Durch Showhypnose besteht der verbreitete Irrglaube, dass man in Trance komplett das Bewusstsein und die Kontrolle verliert, dass andere dann Macht über einen haben. Dem ist aber nicht so."

Bestätigen kann dies Laura Nolde: "Ich war immer in der Lage, die Augen zu öffnen, wann ich es wollte." Ob man sich dabei komisch vorgekommen ist, sich etwa auf dem Boden des Klassenzimmers liegend hypnotisieren zu lassen? "Peinlich war es nicht, ich habe alles eher als angenehm empfunden", fand Abiturientin Katharina Koch.

Dennoch: Restlos überzeugt schienen die Schüler nicht. Bei einer anonymisierten Befragung im Anschluss an das Seminar und die Abiturprüfungen hatten immerhin acht Teilnehmer angegeben, die Selbsthypnose zur Beruhigung angewendet zu haben. Drei von ihnen kreuzten bei der Frage, ob sie den Kursus für gelungen halten, die höchsten Werte an.

Die Auswertung der Fragebögen ergab auch eine erfolgreiche Entwicklung in Sachen Prüfungsangstbewältigung bei den Abiturienten. "Wir hatten eine Skala von eins bis zehn, von ,Mein Hals schnürt sich beim Gedanken ans Abitur zu’ bis , Ich bin ganz gelassen’. Der Durchschnittswert lag am Anfang bei 4,36. Es war folglich eine Verunsicherung vorhanden", führte Ahlsdorff aus. Nach dem Kursus kam schließlich im Mittel 5,92 heraus.

Für Ahlsdorff ein Beleg, dass doch etwas angekommen sein muss. Kostenlos hatte er dieses nach seinen Angaben in Deutschland einmalige Pilotprojekt an der KGS angeboten. Die begleitende Lehrkraft Ilse Zelle würde sich freuen, wenn es zu einer Neuauflage in Brinkum kommen würde. "Ich wäre dafür, das regelmäßig zu machen", sagte sie. Der Mediziner zeigte sich nicht abgeneigt, einer weiteren Abi-Generation die Vorteile der Selbsthypnose zu eröffnen – auch wenn nicht alle Teilnehmer diese für sich nutzen wollen oder können.

Prüfungsangst mit zwei Fingern besiegen

Abiturienten der KGS Brinkum sind nach Selbsthypnose-Pilotprojekt geteilter Meinung

Zitat:

"In Religion hätte ich sonst mündlich vielleicht nicht so gut abgeschnitten."

Jessica Buchfeld

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