30 Jahre nach Gladbecker Geiseldrama

Regierungschefs besuchen Grab von Silke Bischoff

Zwei Regierungschefs und eine Ministerin haben am Donnerstag in Stuhr-Heiligenrode das Grab von Silke Bischoff besucht, einem der Opfer des Gladbecker Geiseldramas vom August 1988.
16.08.2018, 17:33
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Regierungschefs besuchen Grab von Silke Bischoff

Legten am Grab von Silke Bischoff Kränze nieder: Bremens Regierungschef Carsten Sieling (l.), Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und Niedersachsens Europaministerin Birgit Honé.

Michael Braunschädel

Drei Jahrzehnte nach dem Gladbecker Geiseldrama mit drei Todesopfern haben die Regierungen von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen mit Kranzniederlegungen an das Verbrechen erinnert.

"Es ist die oberste Pflicht des Staates, seine Bürger zu schützen. Dies ist ihm in Gladbeck und in den dramatischen Stunden danach nicht gelungen. Ursache dafür war eine Aneinanderreihung von Fehleinschätzungen", sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Donnerstag im niedersächsischen Stuhr-Heiligenrode.

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Dort legte er gemeinsam mit Bremens Regierungschef Carsten Sieling (SPD) und Niedersachsens Europaministerin Birgit Honé (SPD) Kränze am Grab von Silke Bischoff nieder. Die 18-Jährige war damals von einem der Geiselnehmer erschossen worden. Ebenso der 15-jährige Italiener Emanuele de Georgi. Der Bremer Polizist Ingo Hagen kam bei dem Einsatz bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

"Die 54 Stunden des Geiseldramas von Gladbeck stehen wie kein anderes Ereignis der Geschichte der Bundesrepublik für Grenzüberschreitungen durch Medien gepaart mit Fehlern von Menschen und staatlichen Behörden beim Umgang mit einem Verbrechen", sagte Laschet weiter, der sich bei den Opfern und Angehörigen entschuldigte. Silke Bischoff habe vor 30 Jahren unschuldig ihr Leben verloren.

30. Jahrestag Gladbecker Geiseldrama

Bei der Gedenkfeier am Grab von Silke Bischoff wurden Kränze der Landesregierungen von Niedersachsen, Nordrhein Westfalen und Bremen (von links) niedergelegt.

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Bei der Kranzniederlegung war am Donnerstag eine Pfarrerin und auch die Mutter von Silke Bischoff anwesend. "Dieser Tag ist für mich und die Angehörigen von großer Bedeutung und hilft dabei, den Schmerz besser überwinden zu können", sagte sie. Auf dem Grabstein stehen neben dem Name von Silke Bischoff und den Geburts- und Sterbedaten nur drei Worte: "Unser Liebstes" und "Warum". "Auf diese Frage kann niemand eine Antwort geben", sagte Laschet. "Geblieben sind Schmerz, Erschütterung und tiefe Trauer."

Am 16. August 1988 hatten Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner in Gladbeck (Nordrhein-Westfalen) eine Bankfiliale überfallen und Geiseln genommen. Anschließend flohen sie quer durch Deutschland - live verfolgt von Fernsehen und Radio. In Bremen kaperten sie am 17. August 1988 einen Linienbus mit 32 Passagieren im Stadtteil Huckelriede.

Zwei der Businsassen wurden von den Geiselnehmern getötet. Der 15-jährige de Georgi wurde von Degoswki im Bus erschossen, Bischoff später von Rösner bei einer Polizeiaktion auf der Autobahn 3 bei Bad Honnef am 18. August. Dort wurde die Geiselnahme beendet.

Pastorin Tabea Rösler (2.v. links), hier neben der Mutter von Silke Bischoff, Karin R. (l.), sprach bei der Kranzniederlegung den Segen.

Pastorin Tabea Rösler (2.v. links), hier neben der Mutter von Silke Bischoff, Karin R. (l.), sprach bei der Kranzniederlegung den Segen.

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

In Bremen-Huckelriede soll noch in diesem Jahr ein Erinnerungsort in der Nähe des Busbahnhofs entstehen. "Wir können das Geschehene nicht ungeschehen machen, aber wir können die Erinnerung daran wachhalten", betonte Sieling. In Bremen hatten es in den vergangenen Wochen in kleinster Runde Gespräche mit einigen Angehörigen der Opfer gegeben. Dabei habe sich gezeigt, wie präsent das schreckliche Ereignis und das Trauma auch heute noch sei, hieß es.

Niedersachsens Europaministerin Honé richtete an die vielen heute im Beruf stehenden Journalistinnen und Journalisten, die 1988 noch nicht geboren oder noch Kinder waren, eine "herzliche Bitte": "Wenn Sie heute über das Gedenken in Heiligenrode berichten, nehmen Sie sich die Zeit und denken Sie auch für sich kurz darüber nach, welche große Verantwortung mit ihrem Beruf verbunden ist."

In Süditalien wird am Freitag auf dem Friedhof der Stadt Surbo ein Kranz für Emanuele de Georgi niedergelegt. Bremens Bürgermeister Sieling bat die deutsche Botschaft in Italien um Mithilfe und schickte ein Kondolenzschreiben an die Familie. (dpa)

Weitere Informationen über das Geiseldrama vor 30 Jahren lesen Sie in unserem Dossier.

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