Nomen est Omen? Samtpfote Jule lebt bei Familie Schmidt in Leeste / Vor lauter Angst rennt sie oft davon Schmidts Katze geht wirklich ganz schön ab

Weyhe-Leeste. 'Das geht ab wie Schmidts Katze!' Wenn etwas besonders schnell ist, wird diese Redewendung gerne mal herangezogen. Doch ist der Stubentiger der Familie Schmidt tatsächlich so eine flotte Pfote? Wir haben uns das mal vor Ort in Leeste angeschaut. Resultat: Es ist wirklich was dran am geflügelten Wort. Kaum eine Katze rennt so schnell die Treppe rauf wie Jule, wenn sich Fremde nähern.
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Von Hauke Gruhn

Weyhe-Leeste. 'Das geht ab wie Schmidts Katze!' Wenn etwas besonders schnell ist, wird diese Redewendung gerne mal herangezogen. Doch ist der Stubentiger der Familie Schmidt tatsächlich so eine flotte Pfote? Wir haben uns das mal vor Ort in Leeste angeschaut. Resultat: Es ist wirklich was dran am geflügelten Wort. Kaum eine Katze rennt so schnell die Treppe rauf wie Jule, wenn sich Fremde nähern.

Der Reporter wird mit Argusaugen beobachtet. 'Jetzt bloß keine falsche Bewegung', scheint Schmidts Katze signalisieren zu wollen. Nicht, dass sie zum Angriff ansetzen würde - im Gegenteil. Bei der erstbesten Gelegenheit nimmt Jule Reißaus. 'So war sie seit Anfang an', erzählt Susanne Schmidt. 'Wenn Fremde da sind, verzieht sie sich lieber.' Jule lebt seit vier Jahren bei Familie Schmidt. 'Sie stammt vom Hof meiner Schwägerin', erzählt Susanne Schmidt. 'Die hat öfters kleine Kätzchen.'

Warum Jule so scheu ist, darüber rätselt die Familie immer noch. Manchmal lasse sie sich schon streicheln, erzählt Sohnemann Nils. Ein Stubentiger im herkömmlichen Sinn sei sie aber nicht. 'Sie ist eine Freigängerin, und manchmal bringt sie auch Vögel und Mäuse mit', berichtet der 15-Jährige. Das sei dann aber gut gemeint: 'Sie sieht das wohl als Geschenke für uns an.' Nils Schmidt ist mit Katzen aufgewachsen. Bevor Jule in das Haus an der Straße Schiffstelle Einzug hielt, war es das Revier von Kater Momo. 'Der war ganz anders', erzählt Nils. 'Der hat mich auch dann nicht gekratzt, wenn ich ihn mal geärgert habe.' Im gesegneten Alter von 13 Jahren trat Momo seine Reise in den Katzenhimmel an. Und dann kam Jule.

Mit den Eigenheiten von Schmidts neuer Katze haben sich die Familienmitglieder längst abgefunden, eintauschen würden sie sie trotz allem nicht wollen. Zu Mutter Susanne hat Jule den engsten Draht - kein Wunder, sie gibt immer das Futter. Dann vergisst sie auch mal ihre Schreckhaftigkeit. 'Am meisten Angst hat sie vor dem Müllwagen', berichtet sie. 'Da baut sie dann immer die Blende in der Küche ab und versteckt sich.' Natürlich könnten Schmidts die Verblendung fest anschrauben. 'Aber das lassen wir lieber, sie soll ihre Zufluchtsmöglichkeit behalten', sagt Susanne Schmidt. Ganz schlimm für sie auch: der Staubsauger. Ist er da, ist sie weg. Das ist mal sicher.

Jule scheint irgendwie ruhelos zu sein. 'Mal eben auf dem Sofa sitzen und sich ausgiebig kraulen lassen - das ist nicht drin', weiß Susanne Schmidt. Und Sohn Nils hat beobachtet: 'Nachts rennt sie manchmal durchs Haus und kämpft mit den Schuhen.' Immerhin macht sie dabei nichts kaputt. 'Sie kratzt auch nur am Kratzbaum', erzählt der 15-Jährige. 'Runtergeworfen hat sie auch noch nichts.' Bei aller Panik scheint Schmidt Katze also durchaus eine vorsichtige Samtpfote zu sein.

Bei ihren Streifzügen in der Nachbarschaft geht sie Hündin Sally lieber aus dem Weg. Und auch die Straße ist für sie tabu, wie eine unsichtbare Grenze, obwohl auf der anderen Seite weite Felder mit potenzieller Beute locken. Vor Autos hat sie fast genauso viel Angst wie vor dem Müllwagen. 'Andere Katzen mag sie wohl auch nicht', schätzt Nils. Jule sei die klassische Einzelgängerin. Den Versuch, eine zweite Katze hinzuzunehmen, wollen die Schmidts deshalb lieber nicht wagen. Eine Katze mit Marotten reicht aber auch. Beispiel Leckerlis: 'Da ist sie typisch Mädchen', findet Nils. 'Es muss genau die richtige Sorte sein, sonst zickt sie rum.'

Die Schlafgewohnheiten von Schmidts Katze sind auch gewöhnungsbedürftig. Ein festes Körbchen ist ihr anscheinend zu spießig. Sie schläft, wo sie will. 'Liebend gerne auch auf frisch gewaschener weißer Wäsche', weiß Susanne Schmidt. 'Die kann dann gleich noch mal in die Maschine.' Einmal wollte sich Jule sogar mit in die Schule schmuggeln. Zumindest nächtigte sie im Schulranzen von Nils.

Dass die bekannte Redewendung auf Schmidts Katze zutrifft, ist unübersehbar. Aber woher stammt sie überhaupt? Da gibt es ein paar Varianten, die sich aber alle sehr ähneln. Und sie haben alle mit dem Beruf des Schmieds zu tun, wovon sich bekanntlich der Familienname Schmidt ableitet. Variante 1: Jeder Schmied hielt sich früher eine Katze, um der Ratten und Mäuse Herr zu werden. Schlug er jedoch mit dem Hammer auf das Werkstück und den Amboss, so erschrak die Katze und suchte schnell das Weite. Variante 2: Der Schmied schlug auch mal daneben und erwischte dabei den Schwanz der Katze. Dass diese dann die Flucht ergriff - verständlich.

Vielleicht haben sich diese traumatischen Erlebnisse ja auch im kollektiven Katzengedächtnis eingenistet. Bei Jule würde das einiges erklären...

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