Weitere Vorstellungen von Mittwoch bis Sonntag Schüler führen "Linie 1" in der Brinkumer KGS auf

Stuhr-Brinkum. 27 Schülerinnen und Schüler der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Brinkum haben am Freitagabend ein 25 Jahre altes "Anti-Musical" aufgeführt. Das Stück "Linie 1" wird in weiteren Vorstellungen vom 25. bis zum 29. September aufgeführt.
23.08.2010, 06:00
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Von Fritz Hopfgarten

Stuhr-Brinkum. 'Ihr wart einfach klasse - herzlichen Dank', wandte sich Michael Triebs, der Leiter der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Brinkum, an das vielköpfige Ensemble, das Freitagabend ein 25 Jahre altes 'Anti-Musical' wieder aufleben ließ. 'Linie 1' nannte es Volker Ludwig, damaliger Leiter des Berliner Grips-Theaters, der zur Rockmusik von Birger Heymann den Text zu diesem skurrilen Bilderbogen vom damals noch eingemauerten Westberlin schrieb.

Die KGS-Musical-AG unter Wilhelm Eugen Mayr bestand gerade fünf Jahre, als sie sich dieses U-Bahn-Stück erschloss. Als dritte westdeutsche Theatergruppe brachte sie es auf die Bühne. 27-mal führten sie es bis 1990 auf - auch mit Gastspielen in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In Ungarn eröffnete sie damals sogar den heute schon 20 Jahre bestehenden Kulturaustausch mit der Pädagogischen Hochschule Györ.

'Am 27. August 2009 entscheidet sich die Musical-AG für Linie 1 als neues Projekt', heißt es im jetzigen Programmheft. Ein Jahr lang haben sich vor allem die 27 Darsteller und Tänzer bis zur Premiere mit dieser Inszenierung neben ihrem Schulunterricht befasst. 'Wilhelm Eugen Mayr schaffte das mit Co-Regisseur Matthias Pantel trotz aller Hürden und Widrigkeiten', bewunderte Rektor Triebs.

Nicht verschwiegen sei es, dass fast alle Schauspieler junge Frauen sind. Nur fünf junge Männer stehen ihnen zur Seite und als 'wichtigste Nebenrolle' der mit Sonderapplaus begrüßte Peter Koschade aus 'optimistischer' Rentner mit Rollator und sechs Euro Tageseinkünften. Auch er gehört zu all? den aufregenden Typen, die Nadine (Ronja Kröger) auf ihren U-Bahn-Fahrten zwischen Bahnhof Zoo und Schlesisches Tor in Kreuzberg erlebt.

Als Landei hatte sie sich auf die Socken gemacht, um dort den Vater ihres noch ungeborenen Kindes aufzutreiben: den Rockstar Johnnieboy (Eike Kaemena). 'Früh am Morgen in der fremden Stadt' beginnt ihre Tour unter und über den Häusern dieser sich so unpersönlich gebenden Metropole, in der sich zunächst nur Obdachlose und Kleinkriminelle um Nadine kümmern. Auf der Fahrt zur Arbeit verstecken sich schier alle Fahrgäste hinter ihrer geliebten Zeitung und sind für niemanden zu sprechen. Oder ein Rentner beschwert sich mit 'überall nix als Kanaken' über Migranten,

die jedoch im Gegensatz zu den Mitfahrern gesittet und bescheiden auftreten. Ein Knüller ist der Auftritt der vier feingemachten Wilmersdorfer Witwen mit Krückstock, die Hitler nachtrauern: 'Bis auf das mit den Juden, das wusste aber eh? keiner!' Mit einem Hakenkreuz-Ringelreihen verabschieden sie sich aus dem Abteil.

Nur wenige Begegnungen Nadines führen zu hilfreichen Gesprächen. Doch schließlich trifft sie ihren Märchenprinzen, geht jedoch an ihm vorbei zum 'Jungen mit Humphrey-Bogart-Hut und Trenchcoat'(Jannis Themm). Er imponiert ihr mehr, hat er doch das ganze Abteil zum Nachdenken gebracht beim Selbstmord von Lumpi (Pia Züdel). Das Stück endet, indem ein weiteres Mädchen (Marlene Rüter) 'früh am Morgen in der fremden Stadt' ebenfalls zu suchen beginnt.

15 Minuten lang brauste stehender Applaus auf, und das Ensemble dankte seinen Managern. Mit 'auch wenn Sie nicht immer nett waren und leise' übergab Pia Züdel ein großes Szenenfoto an Mayr - wohl auch für sein pfiffiges Bühnenbild, das sich in Sekundenschnelle umbauen ließ. Ronja Kröger dankte ebenso der Choreografin und Maskenbildnerin Ina Zurek-Thelen für die vielen wahrhaft mitreißenden Tanzeinlagen. Und Marlene Rüter dankte 'bildhaft' Peter Koschade und ließ ein Happy Birthday anstimmen auf Schauspielerin Caroline Eggert.

Von Mittwoch bis Sonnabend beginnen weitere Aufführungen in der KGS-Mensa um 19.30 Uhr, am kommenden Sonntag dagegen bereits um 17 Uhr. Karten sind erhältlich in der KGS am Brunnenweg und beim WESER-KURIER an der Bassumer Straße.

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