Profilkurs der Lise-Meitner-Schule gewinnt ersten Preis Schülerwettbewerb: Wenn Frauen die Ehre des Mannes sind

Stuhr-Moordeich. Über ein Preisgeld von 1500 Euro freuen sich die Schüler des Profilkurses Gesellschaftswissenschaften/Kunst an der Lise-Meitner-Schule in Moordeich. Sie haben beim Schülerwettbewerb zur politischen Bildung den ersten Platz errungen. Ihr Thema: Zwangsheirat.
25.02.2010, 06:00
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Schülerwettbewerb: Wenn Frauen die Ehre des Mannes sind
Von Markus Tönnishoff

Stuhr-Moordeich. Über ein Preisgeld in Höhe von 1500 Euro freuen sich die Schüler des Profilkurses Gesellschaftswissenschaften/Kunst an der Lise-Meitner-Schule in Moordeich. Sie haben nämlich beim Schülerwettbewerb zur politischen Bildung 2009, initiiert von der Bundeszentrale für politische Bildung, den ersten Platz errungen. Unerfreulich hingegen ist das Thema, mit dem sich die Neuntklässler auseinandersetzten: Zwangsheirat.

Im August des vergangenen Jahres begannen die acht Schülerinnen und zwei Schüler, sich mit dem Thema zu beschäftigen, um an dem Wettbewerb teilnehmen zu können. 'So eine Welt kannten wir nicht', waren sich die Schüler gestern einig. Zunächst näherten sie sich dieser unbekannten Welt durch das Lesen von Büchern und Zeitungsartikeln. Doch auch ein Besuch in einem Mädchenhaus stand auf dem Programm. 'Dort haben wir erfahren, das gerade viele Migrantinnen sich dort melden und Zuflucht suchen', erklärte Schülerin Francesca Sabatini. 'Wir waren auch erschrocken, als wir hörten, das Frauen geschlagen werden und der Mann die Macht über sie hat', so die Schülerin weiter.

'Ehre' ist zentraler Begriff

Im Laufe der weitere Recherche stellten sie fest, dass der Begriff der männlichen 'Ehre' ein zentraler Begriff bei diesem Thema sei. Deshalb sprachen sie mit türkischen und arabischen Mitschülern über den Begriff. 'Ehre und Stolz ist das Wichtigste', lautete eine Antwort. 'Der Junge muss die Schwester beschützen, sonst ist die Ehre des Jungen verletzt', so eine andere Antwort. Und: 'Man verliert sein ,Gesicht?, wenn die Schwester einen Deutschen heiratet.' 'Die Äußerungen über die Ehre mussten anonymisiert werden, das hat uns überrascht', erklärte Lehrerin Barbara Hecker.

Auch mit muslimischen Mädchen wollten die Schüler sprechen. 'Aber da kamen meist gleich die Jungs dazu und haben unsere Fragen beantwortet. Die Mädchen haben dann die Antworten wiederholt', sagte Francesca. Um das Thema zu verbildlichen, hatten die Schüler sich entschlossen, auf einer Wandzeitung eine Fotogeschichte zu erstellen. Sie zeigt, wie ein muslimisches Mädchen zwangsverheiratet werden soll und flüchtet. 'Es war schwer, muslimische Mädchen zu finden, die sich auch fotografieren lassen wollten. Einem Mädchen musste ich mehrmals versprechen, dass die Fotos nicht im Internet landen, sondern nur für die Wandzeitung gedacht sind", erklärte Hecker. Die Schüler haben durch die Arbeit an dem Projekt einiges gelernt. 'Man weiß jetzt zum Beispiel, dass einige Mädchen ein Kopftuch tragen müssen', sagte Schülerin Femke Hollmann. Auch das oft machohafte Auftreten von muslimischen Jungen sei nun besser zu verstehen.

Zum Schluss des Projektes gab es fast noch ein Malheur. Auf den letzten Drücker schaffte es Lehrerin Barbara Hecker, die Projektunterlagen zur Bundeszentrale nach Berlin zu schicken. Jedoch lag ein paar Tage später der Projektbericht wieder auf ihrem Tisch - er war aus dem Paket herausgefallen. Trotzdem zeigte man sich in Berlin nicht kleinlich und ließ die Arbeit der Schüler noch zum Wettbewerb zu.

Insgesamt hatten die Bundeszentrale mit 2250 Einsendungen zu 'kämpfen'. Ein Teil des gewonnenen Preisgeldes wollen die Schüler an ein Mädchenhaus spenden.

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