Premiere im Spielraum-Theater

Schweißtreibend für alle Beteiligten

Um Sinnfragen und das Erwachsenwerden geht es im neuen Stück "Für immer und für nichts" der Nachwuchsgruppe des Spielraum-Theaters in Seckenhausen. Aber es ging nicht nur ernst zu.
03.06.2018, 17:20
Lesedauer: 2 Min
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Von Otto Kirmse

Stuhr-Seckenhausen. Der Bühnenraum des kleinen Saales war ganz in Schwarz gehalten, auf der Bühne standen als Ausstattung nur je zwei groß dimensionierte Pulte und Tische. Alle Plätze des Zuschauerraums waren besetzt, als die Schauspieler Szenen aus dem Schulleben einer Abschlussklasse darboten. Im Spielraum-Theater in Seckenhausen gab die Nachwuchsgruppe die Premierenaufführung ihres neuen Stücks „Für immer und für nichts“.

Zunächst gab es in dem völlig im Dunkeln gelassenen Theater eine Toncollage zu hören. Und als dann die Scheinwerfer aufleuchteten, hatten in aller Stille einige der Akteure bereits ihre Plätze auf der Bühne eingenommen. Zunächst schienen sie stumm nur mit sich selbst oder dem unvermeidlichen Handy beschäftigt zu sein. In einer mosaikartigen Folge verschiedener Erzählstränge trugen sie dann immer wechselnd ihre Gedanken und Fragen zum Leben vor.

Da gab es einen Streit über die unrechtmäßige Verwendung eines Fotos durch den Redakteur der Schülerzeitung, als er kurzerhand ungebeten neue Handyfotos machte. Allerdings bestritt er vehement, für die Verwendung des Fotos eines Mädchens in Unterwäsche verantwortlich zu sein. Was darf man im Netz? Und was nicht?

Hier spiegelte sich im intensiven Spiel der Jugendgruppe wieder, was es an Konfliktstoff gerade bei jungen Menschen in unserer Zeit gibt. Gemobbt wurde der frisch zur Fußball-AG hinzugekommene Schüler, als er zu seiner Mannschaft dazu kam. Mobbing, das Thema wurde wiederholt aufgegriffen und überzeugend durchgespielt. Aber auch die Frage, ob man überhaupt als Person anerkannt und gesehen wird. Da gab es immer wieder Getuschel hinter dem Rücken der Mitschüler. Sie waren mit durchaus ernsten Sorgen befasst, zum Beispiel mit der Fürsorge für eine Schwester, die offenbar eine Zeit lang psychisch erkrankt war. Wie sollte man sich zur Frage der Abtreibung verhalten, denn man sollte dazu ein Referat halten. Die Jungen machten es sich da leicht und ließen die Mädchen mit patzigen Worten allein.

Aber nicht nur ernste Worte waren zu hören, mitunter gab es witzige Dialoge, und die Zuhörer durften dann auch gerne lachen. Überhaupt gelang es der Theatertruppe sehr gut, ihre Zuschauer in den Bann zu ziehen, konzentriert folgten sie über eineinhalb Stunden dem Spiel der jungen Leute. Heftige Emotionen gab es bei dem Thema Liebe und dem Betrogenwerden, da wurden die Stimmen schon recht laut.

Wer bin ich? In Varianten wurde diese Frage wiederholt aufgenommen, ebenso die Frage, ob man ganz allein sei. Oder: Wie findet man den Sinn in seinem Leben? In nachdenklichem Monolog vorgetragen. Es war dann aber doch eher eine hoffnungsvolle Erkenntnis, als im Schlussmonolog vorgetragen wurde, dass man wohl erst vieles durchleiden muss, bis man schließlich groß geworden ist.

Anhaltenden Applaus gab es für die jungen Schauspieler, die eine enorme Textsicherheit besaßen und in ihrem Spiel sehr überzeugend waren. Dazu mag beigetragen haben, dass die Ensemblemitglieder in der Vorbereitung improvisieren konnten und eigene Ideen dann in das Stück übernommen wurden, wie die Autorin Jessica de Vries erläuterte. Sie bekam einen großen Dank für ihre Spielleitung, mit der es ihr gelungen war, alles zu einem überzeugenden Ganzen zu vereinen.

Es bleibt zu hoffen, dass dem kleinen Spielraum-Theater in Seckenhausen noch viel Unterstützung zukommen wird. Es sollte übrigens unbedingt eine Lüftungsanlage bekommen, denn alle waren schweißgebadet am Ende, Akteure wie Zuschauer. Weitere Infos – auch zu den weiteren Terminen – online auf www.spielraum-stuhr.net.

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