Heinz Nobel in Moordeich Seit 50 Jahren Gastronom

Seit 50 Jahren ist Heinz Nobel Gastronom, den Großteil seines Lebens also. Und er kann sich noch an Zeiten erinnern, als das Bier mit der Kutsche angeliefert wurde.
31.08.2016, 00:00
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Seit 50 Jahren Gastronom
Von Eike Wienbarg

Seit 50 Jahren ist Heinz Nobel Gastronom, den Großteil seines Lebens also. Und er kann sich noch an Zeiten erinnern, als das Bier mit der Kutsche angeliefert wurde.

„Es war damals eine ganz andere Zeit und eine ganz andere Welt“, sagt Heinz Nobel der im Jahr 1946 geboren ist. Seit dem Jahr 1869 betreibt die Familie das Gasthaus in Moordeich. Und auch der kleine Heinz kam schon früh in Kontakt mit dem Geschäft seiner Vorfahren. Nach acht Jahren auf der Schulbank in Moordeich ging er bereits mit 14 Jahren in die Lehre. Ein Jahr als Hotelpage und zwei Jahre als Kellner lernte er im Bremer Überseehotel. Später ging Nobel in die Kochlehre im Lloyd Hotel.

Seine erste Arbeitsstelle trat er in Bad Zwischenahn an. „Dann starb mein Vater“, erzählt Heinz Nobel. Von heute auf morgen musste er sich um den elterlichen Betrieb kümmern. Damals waren nur seine Mutter Grete und seine Tante Lisa, die Heinz Nobel als seine „zweite Mutter“ bezeichnet, im Betrieb tätig. „Wir hatten keine Kellner, keinen Koch“, sagt Heinz Nobel. Unterstützung bekam er von seiner Frau Edith, die er im Jahr 1971 geheiratet hat. Auch viele Aushilfskräfte halfen der Familie vor allem bei größeren Veranstaltungen und an den Wochenenden. „Ihnen haben wir viel zu verdanken“, ist Heinz Nobel voll des Lobes für seine Mitarbeiter.

Früher wurde anders gefeiert

Neben der Arbeit im Betrieb ließ es sich Heinz Nobel nicht nehmen, sich weiterzubilden. Er absolvierte den Kurs als Serviermeister, eine praktische und schulische Ausbildung. Später bildete er auch selbst aus. „Das Berufsbild war früher noch anders“, sagt Nobel rückblickend. „Früher wurde das Fleisch noch am Tisch aufgeschnitten und dort wurde auch flambiert“, erinnert er sich. Das sei heutzutage nur noch in der gehobenen Gastronomie üblich, berichtet der Gastwirt aus seinen Erfahrungen.

Aber auch die Feiern seien früher ganz anders gewesen. Die Hochzeiten waren größer, „bis zu 300 Personen“, die Kegelbahn ausgelastet und die örtlichen Vereine hätten mehr gefeiert. „Bei den Feiern gab es oft noch Live-Musik“, sagt Heinz Nobel. Als Junge habe er auch noch die Kegel auf der Bahn aufgestellt. Außerdem befand sich die Gemeindeverwaltung direkt gegenüber des Gasthauses. So war das Trauzimmer der Gemeinde über der Gaststube und auch das Arbeitslosengeld wurde in der Kneipe ausgezahlt, erinnert sich Heinz Nobel. Der Schützenverein habe in der Scheune geschossen, der TV Stuhr auf dem Saal geturnt, weiß er zu berichten. „Wir waren der Mittelpunkt der Alt-Gemeinde“, sagt Heinz Nobel.

Schnaps auch warm getrunken

Mittlerweile habe sich vieles verändert. Sowohl bei den Feiern, als auch am Gasthaus. „1958 wurde die Kühlung eingebaut“, erzählt Heinz Nobel. Vorher kamen die Getränke nach draußen. „Aber damals hat man den Schnaps auch warm getrunken“, sagt er mit einem Schmunzeln. Später sei das Haus mehrfach erweitert und renoviert worden. Gästezimmer kamen dazu. Vor zehn Jahren übernahm dann Heinz Nobels Sohn Klaas die Geschäftsführung. Auch er wird von seiner Frau unterstützt. „Er legt sehr viel Wert auf Bio-Lebensmittel“, sagt Heinz Nobel und freut sich darüber, dass sein Sohn die lange Tradition des Hauses weiterführt. „Wir hoffen, dass die Gäste uns treu bleiben“, sagt Heinz Nobel.

Sogar im Alter von 70 Jahren kann Heinz Nobel selbst sich noch nicht so ganz von dem Geschäft verabschieden. Auch mehr als 50 Jahre nach seinem Einstieg in die Gastronomie steht er immer noch gerne hinter dem Tresen, redet mit den Gästen. „Ich sehe, wenn ein Bier gepanscht ist oder das Essen auf den Tellern kalt ist“, sagt er.

In seiner rar gesäten Freizeit ist Heinz Nobel gern mit seinem Fahrrad in der Region unterwegs. „Es sind ja schon schwierige Arbeitszeiten“, sagt er. Daher danke er vor allem seiner Familie für die viele Unterstützung. Aufhören wolle er allerdings noch nicht.

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