Nistkästen-Aktion Sicheres Zuhause für Kohlmeise und Co.

Der Stuhrer Nabu hat kürzlich 13 neue Nistkästen im Biotop Moordeich angebracht. Mit einigen Tricks und Kniffen bieten sie ein sicheres Zuhause für diverse Vogelarten.
19.07.2017, 17:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Ina Ulbricht

Stuhr-Moordeich. Vorsichtig greifen Rita Wolff und Lore Friedrichs vom Stuhrer Nabu nach zwei Nestern, die auf einer Hecke liegen. Die haben sie erst kürzlich aus Nistkästen im Biotop Moordeich geholt. „Das ist aber eine Ausnahme“, betont Rita Wolff. Denn eigentlich brüten die Vögel noch. In diesen beiden Fällen habe sie jedoch beobachtet, dass die Küken das Nest verlassen haben. Und damit sich Flöhe und anderes Ungeziefer nicht unnötig in den Nistkästen vermehren, werden die Nester rechtzeitig entfernt.

13 neue Nistkästen haben die Frauen vom Nabu jetzt im Biotop aufgehängt. Zum Nisten ist das zwar ein wenig zu spät. Aber: „Die Vögel können darin überwintern, und bei einem Eichhörnchen drücken wir auch mal ein Auge zu“, so Wolff. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Vögel, die in den Nistkästen überwintern, dort im Frühjahr auch ihre Jungen zur Welt bringen.

Geld im Dohlennest

Welche Vogelart sich in den Nistkästen häuslich eingerichtet hat, weiß Lore Friedrichs. „Blaumeisen arbeiten gerne mit hellen Federn und weichem Material“, erläutert sie. „Kohlmeisen bevorzugen gröbere Unterlagen wie Heidekraut.“ Die Brut sei erfolgreich gewesen, keine toten Küken liegen im Nest. „Normalerweise werden die Nester erst im September entfernt“, betont Wolff. Sie habe aber beobachtet wie die Vogeleltern täglich bis zu 800 Mal das Nest angeflogen und die Jungtiere schließlich die Kästen verlassen haben. Bevor das Nest entfernt wird, sollte einmal angeklopft werden, rät sie. „Da können mitunter auch ganz andere Tiere drin sein“, weiß sie aus Erfahrung. Aber auch ziemlich ungewöhnliche Dinge haben die beiden Frauen schon in ihren Brutkästen gefunden. „In einem Dohlennest lag mal Geld“, erinnert sich Rita Wolff. „Das war vielleicht für uns“, sagt sie mit einem Lachen.

Insgesamt gibt es im Moordeicher Biotop 21 Nistkästen. Vor eineinhalb Jahren hat der Nabu mit dem Aufhängen angefangen. „Die Wohnungsnot bei den Vögeln ist immer groß“, begründet Wolff diesen Schritt. „Es gibt hier keine alten Bäume mit geeigneten Baumhöhlen.“ Diese werden vor allem von Höhlenbrütern wie etwa Meisen oder Kleibern bevorzugt.

Insgesamt hat der Nabu über 300 Nistkästen in der Gemeinde Stuhr angebracht. „Die müssen jedes Jahr gesäubert werden“, berichtet Lore Friedrichs. Die Kästen bauen und entwickeln die Nabu-Mitglieder selbst in der Varreler Gutsscheune. Dabei tüfteln Klaus Torns, Hans Wielenberg, Almut König und Rita Wolff immer wieder an neuen Ideen. Die neueste: „Eine bessere Öffnung, damit wir die Kästen einfacher reinigen können“, so Wolff.

Kästen wie Bowlingkugeln

Was die unterschiedlichen Vogelarten bei den Kästen bevorzugen, wissen die beiden Frauen ganz genau. „Blaumeisen mögen Kästen mit kleinen Eingängen, die aber trotzdem hell sind“, erläutert Rita Wolff. Deshalb bekommen sie Nistkästen mit drei kleinen Löchern. „Die sehen dann aus wie Bowlingkugeln“, scherzt Wolff. Etwas größere, ovale Eingänge bevorzugen hingegen Grauschnäpper, Rotkehlchen und Bachstelzen.

Zusätzlich legen die Nabu-Mitglieder großen Wert darauf, dass die Kästen sicher für ihre Bewohner sind. Dafür bauen sie im Inneren, hinter dem Eingang, einen Vorsprung ein. Der verhindert, dass Nester und Küken nass werden, dass die Eltern auf Küken springen und macht es Fressfeinden schwieriger, an die Tiere zu gelangen. Aus diesem Grund sind die Kästen auch tiefer als normal. „So bekommen die Vögel die beste Chance, ihren Nachwuchs aufzuziehen“, ist sich Rita Wolff sicher. Gebrütet wird von März bis Anfang Juli. Das meiste ist also schon geschafft.

Aufgehängt werden die Nistkästen in der Regel in einer Höhe von dreieinhalb bis vier Metern. „Einige Vögel nisten aber lieber höher“, so Wolff. So müssen die Kästen für Hohltaube oder Kauz sechs bis acht Meter hoch hängen. „Das sind vorsichtige Tiere“, sagt Wolff, der es ebenso wie ihrer Mitstreiterin ein großes Anliegen ist, möglichst vielen Vögeln ein sicheres Zuhause zu bieten.

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