Norddeutsche Oldtimer-Show Sinnieren übers Polieren

Rund 400 Fahrzeuge, tausende Besucher bei der 28. Norddeutschen Oldtimer-Show in Brinkum. Die Leute hatten heimliche Lieblinge, während der Star des Tages fast ein wenig vernachlässigt wurde.
21.05.2017, 19:40
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Sinnieren übers Polieren
Von Sebastian Kelm

Stuhr-Brinkum. Das Chrom blitzt in der Sonne, der Lack glänzt. Zwei Herren stehen vor einem alten Borgward in Weinrot und fachsimpeln darüber, wie der Wagen bei einer Veranstaltung wie der 28. Norddeutschen Oldtimer-Show am Sonntag im Brinkumer Ortskern optimal zur Geltung kommt. „Es kommt auf das Poliermittel an“, weiß einer der beiden. Auch Tipps zum richtigen Auftragen werden ausgetauscht.

Aber selbst das würde bei einem Magnum 8 aus dem Jahr 1974 kaum einen Unterschied machen. Die Karosse hat ihre besten Tage definitiv hinter sich, das Rot ist ausgeblichen, matt, rissig. Auf dem Datenblatt steht auch geschrieben, warum der Zustand ist wie er ist. „Restauriert: leider noch nie“, ist da zu lesen. Und der Besitzer liefert die Erklärung in Klammern dahinter gleich nach: „Kein Geld“.

Dennoch bleiben die Leute vor dem Auto stehen. Brigitte Wanzek hat fast ein bisschen Mitleid. „Sonst wäre der nicht schlecht“, meint sie. Ihr Interesse hatte er aber vor allem wegen eines Details auf sich gezogen: Das SY-Kennzeichen habe es ihr angetan, erzählt die Leesterin. Da werden bei ihr Erinnerungen wach, als alle Autos in der Gegend diese Buchstaben auf den Nummernschildern hatten. „Heute haben sie alle DH“, sagt sie bedauernd.

Der eigentliche Stargast des Tages wird dagegen fast vernachlässigt. Unter dem schützenden Zeltdach auf dem Parkplatz beim Bremer Tor steht er: der Heckflossen-Mercedes 220 S der Baureihe W 111 aus dem Jahr 1962, einst der Dienstwagen des legendären Bremer Bürgermeisters Wilhelm Kaisen. „Dieses Jahr haben wir endlich geschafft, dass er kommt“, ist Organisator Peter Bruns von der Brinkumer Interessengemeinschaft (BIG) froh, nachdem das Exponat aus dem Focke-Museum schon bei der vorigen Auflage hatte vorfahren sollen, sich dies aber kurzfristig zerschlug.

Bruns' Freude hatte aber auch einen anderen Grund: 400 Old- und Youngtimer hatten ihm zufolge über den Tag verteilt an Bassumer und Syker Straße Halt gemacht – ein Rekord in der Geschichte der Schau. „Wir hatten auch gleich einen super Start: Bei unserer Ausfahrt durch den Naturpark Wildeshauser Geest waren ungefähr 100 dabei“, vermeldet er.

Hat er eigentlich einen Favoriten? „Ja, den hat doch jeder“, antwortet Peter Bruns mit einem verschmitzen Grinsen, „aber den verrate ich nicht.“ Er müsse da neutral bleiben. Ältester Wagen jedenfalls sei ein Citroen aus dem Jahr 1929. Und der stehe – da kann der Organisator seinen Stolz nicht ganz verbergen – rein zufällig vor seinem Autohaus.

So unterschiedlich die Geschmäcker, so verschieden auch die Fahrzeuge. Da tuckert der Diplomat am Kapitän vorbei, unweit der beiden Opel lässt sich ein Volvo 444, im Volksmund meist nur liebevoll „Buckel“ genannt, bereitwillig von Liebhabern die stählernen Kurven streicheln. Und am dunklen, mietbaren Cadillac von DJ Schabba-Heinz prangt eine schwarze Plakette mit der Aufschrift „Feinstaub-Extraklasse 0“.

Der Eigentümer des unrestaurierten Magnum 8 ist dann schon im wahrsten Sinne abgedampft. Vielleicht aus Unbehagen inmitten der ganzen auf Hochglanz polierten Schlitten, vielleicht hatte er nur noch etwas anderes vor. Wobei fairerweise gesagt sein muss, dass auch viele andere PS-Schönheiten schon im Laufe des Nachmittags von dannen gefahren wurden.

„Dieses Jahr haben wir endlich geschafft, dass er kommt.“ Organisator Peter Bruns
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