Joachim Pett baute auch Greenpeace-Schiffe um Skurrilitäten in der Oldtimer-Werkstatt

Stuhr-Seckenhausen. Alte Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Lötlampen und historische Literatur über Autos und Oldtimer ohne Ende. Joachim Pett betreibt in Seckenhausen seit 1993 eine Oldtimer-Werkstatt, in der man auf so manche Skurrilität stoßt.
02.06.2010, 06:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Skurrilitäten in der Oldtimer-Werkstatt
Von Markus Tönnishoff

Stuhr-Seckenhausen. Alte Dinge landen bei vielen im Papierkorb oder auf dem Schrott - nicht so bei Joachim Pett. Betritt man sein Büro an der Hauptstraße in Seckenhausen, fühlt man sich schnell in die Vergangenheit zurückversetzt: Alte Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Lötlampen und historische Literatur über Autos und Oldtimer ohne Ende. Kein Wunder, denn seit 1993 betreibt der 61-Jährige dort eine Oldtimer-Werkstatt und stößt auf so manche Skurrilität.

Der älteste Wagen, den Pett in seiner Werkstatt zu Gast hatte, war ein Citroën aus dem Jahr 1922, bei dem die Pedale eine eher ungewöhnliche Platzierung hatten. 'Das Gaspedal war in der Mitte, die Bremse rechts und das Kupplungspedal da, wo es auch hingehört, nämlich links', erinnert sich Pett. So eine Anordnung ist natürlich etwas gewöhnungsbedürftig. 'Wenn man unkonzentriert fuhr, trat man statt aufs Gas auf die Bremse oder umgekehrt.' Nun, das ist Schnee von gestern, denn mittlerweile haben die Ingenieure bei Citroën die Pedale so angeordnet, wie es auch bei anderen Autos Sitte ist.

Seit 1997 baut Pett in die Oldies auch geregelte Katalysatoren ein. Für viele Oldtimer-Besitzer lohnte sich das, denn sie mussten wegen des fehlenden Katalysators den höchsten Steuersatz bezahlen. Bis 2001 lief das Geschäft mit dem Einbau ganz gut, danach flaute es ab. Doch seit es in einigen Städten Umweltzonen gibt, die nur von Autos mit einer grünen Plakette befahren werden dürfen, finden wieder mehr Oldtimer den Weg in Petts Werkstatt.

Seine Leidenschaft für die rollenden Zeitzeugen entdeckte der Ingenieur in den 60er Jahren. 1966 kaufte er sich eine Opel-Olympia-Limousine - aber ohne Dach. 'Ich wollte ihn als Cabrio haben, um im Sommer mit offenem Verdeck fahren zu können.' Mit der Zeit kamen viele Oldtimer dazu, sodass Pett im Jahr 1977 an der Georg-Wulf-Straße in Bremen ein Automuseum eröffnete, das später nach Asendorf umzog. Da ist es heute noch. 'Je älter ein Auto ist, desto mehr handwerkliche Arbeit steckt drin', beschreibt Pett den Grund für seine Faszination.

Doch wie ist die Versorgung mit Ersatzteilen? Da kann Pett größtenteils Entwarnung geben. Zwar sei es schwierig, für Autos, die vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden, Teile zu bekommen, aber: 'Je älter der Wagen ist, desto einfacher ist es, ein Teil nachzubauen. Teilweise kann ich sie auch selber nachbauen.' Bei Autos aus den 60er und 70er Jahren gebe es im Großen und Ganzen auch keine Probleme. Lediglich Opel und Ford täten sich etwas schwer mit dem Teilebau für ältere Wagen, bei Mercedes, BMW, Porsche und VW gebe es aber weniger Probleme. 'Manchmal muss man halt Kontakt zu einem Fachhändler aufnehmen.' Besonders gut sei die Versorgung bei den britischen Herstellern MG, Triumph und Jaguar. Allerdings sei die Qualität der Teile nicht immer astrein, da sie in Asien gefertigt werden.

Dass sich Petts Leben mal um Maschinen und Mechanik drehen würde, war schon in den 60er Jahren klar, als er sich in der Bremer Uni für das Fach Schiffsbetriebstechnik einschrieb. Von 1975 bis 1983 war er dann als Leitender Ingenieur auf den Weltmeeren unterwegs, bevor sein Leben eine überraschende Wendung nahm.

1984 dümpelte nämlich auf der Weser ein Feuerlöschboot der Stadt Bremen herum. Die Bremer wollten es loswerden, Greenpeace wollte es haben. Pett bekam einen Anruf von einem Freund, der bei der Umweltschutzorganisation tätig war. Ob er sich nicht mal den Motor anschauen könne, der mache so komische Geräusche. Gesagt, getan. Also machte sich Pett mit dem Schiff auf nach Hamburg, wo Greenpeace seinen Sitz hatte und wo das Boot zu einem Forschungsschiff umgebaut werden sollte. Da er sich mit Schiffen ja auskannte, leitete er den Umbau des Schiffes, das später unter dem Namen 'Beluga' bekannt werden sollte. 'Wir hatten sogar einen Gaschromatographen an Bord. Den hatten Schiffe der Behörden nicht, weil er zu teuer war.'

Mittlerweile war Pett zum Leiter der Schiffsabteilung bei Greenpeace geworden und er zeichnete 1989 als Projektleiter für den Umbau der Rainbow Warrior 2 verantwortlich: Aus dem Dampfschiff wurde ein Motorsegler. Im Jahr 1991 kam es bei der Organisation zu erheblichen Spendeneinbrüchen, sodass etliche Büros geschlossen werden mussten - darunter auch das in Hamburg, wo Pett seinen Stuhl stehen hatte. 'Ich sollte dann nach Amsterdam, aber dazu hatte ich keine Lust. Ich hatte ja auch schon meine Oldtimer und habe mich dann darauf konzentriert.' Also schraubt Pett in seiner kleinen Werkstatt an Motoren oder restauriert ganze Autos, sodass sie wieder wie neu aussehen.

Faszination Nähmaschine

Neben zahlreichen Ersatzteilen, Steckern und sonstigen Utensilien hat Pett zudem noch alte Telefone, Schreibmaschinen und eben Nähmaschinen in seinen Regalen stehen. 'Meine Tante war selbstständige Schneiderin. Schon als Junge war ich von den Nähmaschinen fasziniert', erinnert sich Pett. Viele Zweiradhersteller hatten früher auch Nähmaschinen im Programm - zum Beispiel Victoria, Torpedo und Zündapp. 'Auch Opel hat zu Beginn Fahrräder und Nähmaschinen gebaut', weiß Pett. 'Die Produktion von Fahrrädern und Nähmaschinen ist sehr ähnlich.'

Auch eine Messerschmitt-Nähmaschine findet sich in Petts Repertoire. Willy Messerschmitt hatte im Krieg eine Flugzeugfirma, die die deutsche Luftwaffe belieferte. Deshalb belegten ihn die Alliierten nach dem Krieg mit Berufsverbot. Also fing er an, alles mögliche zu bauen - neben Häusern, Bügeleisen und Kabinenrollern eben auch Nähmaschinen.

Das kommende Wochenende (5. und 6. Juni) will Pett wieder mit vielen anderen Oldtimer-Fans verbringen - bereits zum 30. Mal hat er ein Oldtimer-Treffen in Asendorf (beim Automuseum an der B6) organisiert. Auch ein Markt für Ersatzteile gehört selbstverständlich dazu. Wer mit einem Oldtimer anrollt, braucht keinen Eintritt zu zahlen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+