Geplante Ansiedlung von Wasserbüffeln Sportfischerverein übt Kritik

Weyhe-Leeste. Das Gedankenspiel des Naturschutzbundes (Nabu) Weyhe, Wasserbüffel auf den Ausgleichflächen der Nabu-Stiftung Naturerbe Landkreis Diepholz und der Gemeinde Weyhe in der Leester Marsch weiden zu lassen, hat hohe Wellen geschlagen. Zumindest beim Vorsitzenden des Sportfischervereins.
06.02.2010, 04:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Gaby Wolf

Weyhe-Leeste. Das Gedankenspiel des Naturschutzbundes (Nabu) Weyhe, Wasserbüffel auf den Ausgleichflächen der Nabu-Stiftung Naturerbe Landkreis Diepholz und der Gemeinde Weyhe in der Leester Marsch weiden zu lassen, hat hohe Wellen geschlagen. Zumindest beim Vorsitzenden des Sportfischervereins Bremen-Stuhr, Rolf Libertin. Seine Sorge: Die Ansiedelung einer fremden Tierart wie des Wasserbüffels aus Asien könnte negative Auswirkungen auf die hiesige Natur haben und heimische Arten verdrängen.

An Beispielen in der Region mangele es nicht, schreibt Libertin und führt Ochsenfrosch, Kamberkrebs, Waschbär, Wollhandkrabbe und Marderhund auf. Der ausgesetzte Ochsenfrosch, so hat Libertin recherchiert, stelle allein durch seine schiere Größe und die Tatsache, dass er alles frisst, was er überwältigen könne, eine ernste Bedrohung als Beutemacher und Nahrungskonkurrent für die einheimischen Molche und Lurche sowie Fischarten und ihre Brut. Der Kamberkrebs, ein amerikanischer Flusskrebs, sei Überträger der Krebspest, gegen die er selbst immun sei, so Libertin.

Der in Deutschland ausgewilderte Waschbär rotte heimische Vogelpopulationen und andere Kleinlebewesen aus, weil er keine natürlichen Feinde habe. Die Wollhandkrabbe sei zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt worden und habe sich in der Fauna mancher Flüsse trotz Bekämpfung durch den Menschen als Fremdart (Neozoon) fest etabliert und einheimische Arten verdrängt. Seit 1960 sei auch der Marderhund nach und nach Richtung Westen vorgedrungen. Seine Ausbreitung werde ebenfalls kritisch gesehen. Befürchtet werde, dass er auf Wiesen, in Küstenschutzgebieten und in Höhlen brütende Vogelarten verdrängen könne.

In seinem Schreiben äußert Libertin daher 'blankes Entsetzen' über die Wasserbüffel-Anregung. Statt sich für die Wiederansiedlung und den Erhalt heimischer Tierarten einzusetzen, wolle der Nabu wohl einen Zoo mit exotischen Tieren schaffen. 'Dann aber bitte nicht auf öffentlichem Gebiet, das der Erhaltung der Natur dient und ein Ausgleich für verbaute Flächen der Gemeinde ist.' Als Vorsitzender des Angelvereins in Stuhr mit 500 Mitgliedern und als Leiter des Sachgebiets Fisch-, Gewässer- und Naturschutz im Landesfischereiverband Bremen - 'einem anerkannten Naturschutzverband'- sorgt sich Libertin auch um die Vereinsgewässer direkt an der Gemeindegrenze zu Weyhe. Der Verein wäre damit von einer Ansiedlung betroffen.

Den Weyher Nabu-Vorsitzenden Manfred Böcker überrascht die heftige Reaktion. 'Wir wollen ja gerade etwas für die Natur tun.' Und das könne der Wasserbüffel im Bereich der Flachgewässer. 'Da haben wir das Problem, dass diese schnell austrocknen und verlanden.' Der Wasserbüffel dagegen brauche das Wasser zum Abkühlen, also grabe er es sich wieder frei.

Dass sich der Wasserbüffel irgendwann überall tummelt und dadurch das Ökosystem verfälscht, schließt Böcker aus. 'Wir würden die Tiere ja nicht in die freie Natur entlassen, sie blieben in menschlicher Obhut', beruhigt er. Das sei mit den herangezogenen Verdrängungsbeispielen also nicht vergleichbar. Der Waschbär etwa sei als Jagdtier in die freie Natur ausgesetzt, die Wollhandkrabbe ebenso unkontrolliert mit dem Ballastwasser der Schiffe in die Weser eingeschleppt worden. Klar könne man sich trotzdem am Wasserbüffel stoßen. 'Dann muss man aber auch jedes Galloway-Rind oder die Highland Cattles verurteilen.' Allerdings belegten Knochenfunde, dass der Wasserbüffel in Europa schon mal heimisch gewesen sei.

'Da vergleicht Herr Libertin Äpfel mit Birnen', findet auch der Umweltbeauftragte der Gemeinde, Ulf Panten. Es müsse aber ja auch nicht der Asiatische Wasserbüffel sein. Inzwischen gebe es Kreuzungen, die eher an den europäischen Lebensraum angepasst seien. Für die Hege seien Landwirte denkbar, die wiederum Nutzen aus den Tieren ziehen könnten - Stichwort: Fleisch oder Milch für Mozzarella. Es seien auch keine Riesenherden zu befürchten. Der Ökologe René Krawczynski von der Universität Cottbus habe bei seinem Vortrag am Donnerstagabend in der Weyher Nabu-Station die Obergrenze bei einem Tier pro Hektar gezogen.

Worin Panten Libertin allerdings recht gibt: Generell sei das Problem der Verdrängung vor der eigenen Haustür angekommen. So tummelten sich in manchen der Nabu-Biotope inzwischen auch Buntbarsche - wohl ausgesetzt von Leuten, denen der eigene Teich zu voll geworden sei. Aus dem Teich im Böttchers Moor sei schon mal ein Sonnenbarsch gezogen worden. 'Die sind schon sehr gefräßig und könnten den Laichbestand der Amphibien reduzieren.'

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