Verlängerung der Linie 8 zieht sich hin Straßenbahn 8 bekommt tüchtig Verspätung

Stuhr. Die erste Straßenbahn wird vermutlich später als geplant durch Stuhr und Weyhe rollen. 'Wir versuchen an 2012 dran zu bleiben, es könnte aber auch in 2013 rutschen', sagt Stuhrs Bürgermeister Cord Bockhop.
29.01.2010, 17:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Claudia Gilbers

Stuhr. Die erste Straßenbahn wird vermutlich später als geplant durch Stuhr und Weyhe rollen. 'Wir versuchen an 2012 dran zu bleiben, es könnte aber auch in 2013 rutschen', sagt Stuhrs Bürgermeister Cord Bockhop. In Bremen ist sogar von Ende 2013 die Rede. Ursprünglich sollte die Linie 8 schon 2011 bis nach Leeste fahren, später war dann bereits von 2012 die Rede.

Für die Verlängerung der Straßenbahnlinie 8 vom Roland-Center in Huchting über Moordeich, Alt-Stuhr und Brinkum bis nach Leeste läuft derzeit das Planfeststellungsverfahren. Um die Strecke vom jetzigen Endpunkt der Linie 8 am Roland-Center an die bestehende Trasse der Bremen-Thedinghauser-Eisenbahn (BTE) anzubinden, muss auf Bremer Gebiet noch eine neue Verbindung gebaut werden. 'Wir rechnen mit der Fertigstellung für Ende 2013', sagt Ludger Schleper von der obersten Landesstraßenbaubehörde im Land Bremen. Damit sei die komplette Strecke bis Leeste gemeint.

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens konnten auch die Bürger in Stuhr und Weyhe bis Mitte September 2009 in den Rathäusern die umfangreichen Entwürfe einsehen. In Stuhr gab es dazu sogar eine Infoveranstaltung, bei sich rund 100 Bürger, meist Anwohner, über die Planungen und ihre Rechte erkundigten. 'Für den normalen Bürger ist es ja auch eine Zumutung, sich durch die fünf Ordner durchzuarbeiten', sagt Ursula Konieczny von der Stadtplanung der Stuhrer Verwaltung und Expertin in Sachen Straßenbahn zu den umfangreichen Planungsunterlagen.

Zahlreiche Einwände

Bis Ende September hatten die Bürger dann Zeit, ihre Einwände einzureichen - und das haben sie zahlreich getan. Konieczny berichtet von rund 100 Einwänden von Privatleuten allein aus Stuhr, dazu kommen Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange. Im Weyher Rathaus hat Justiziarin Kadriye Pile 36 Einwände von privater Seite gezählt, wobei einige davon von mehreren Bürgern unterzeichnet wurden. Träger öffentlicher Belange haben sich in Weyhe ebenfalls zu Wort gemeldet.

'Die Einwände werden nun geprüft', erläutert Konieczny das weitere Vorgehen. Aufgrund der Vielzahl der Einwände rechnet sie damit, dass die Bearbeitung 'noch ein paar Monate dauert'. Immer wieder komme es deshalb zu kleinen Detailänderungen, bestätigt auch Bürgermeister Bockhop. Dadurch, dass aber alles mit mehreren Beteiligten - Bremen, Stuhr, Weyhe und dem Träger des Vorhabens, der BTE - abgestimmt werden müsse, dauere das immer. Auch in Weyhe wird fleißig gearbeitet. Nach Auskunft von Pile schaue man, wie man gemeinsam mit den weiteren Beteiligten die Probleme lösen kann.

Zuständig für das Planfeststellungsverfahren ist aber letztendlich die entsprechende Abteilung in der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hannover. 'Frühstens im Sommer wird es dann vermutlich Erörterungstermine geben', sagt Konieczny. Wurden alle Fragen zur Zufriedenheit erörtert, folgt der Planfeststellungsbeschluss - also die Genehmigung des Vorhabens. Damit rechnet man in Weyhe etwa für Ende 2010. 'Dann muss der Beschluss rechtskräftig werden. Wir gehen aber davon aus, dass es vorher eine Klage gibt', so Konieczny.

Das bestätigt Monika Kannowski, Vorsitzende des Vereins Aktiv, der sich gegen die Verlängerung der Linie 8 ausspricht. 'Wir hoffen immer noch, dass es nicht dazu kommt, aber als letzte Konsequenz wird es so sein', kündigt sie an. Der Verein kritisiert vor allem den seiner Meinung nach mangelnden Lärmschutz entlang der Trasse auf Stuhrer und Weyher Gebiet. Weder Lärmschutzwände noch Rasengleise zum Schutz der vielen unmittelbar betroffenen Anlieger seien vorgesehen. Stattdessen sei geplant, 'das vorhandene, zum Teil fast 100 Jahre alte Gleismaterial, weitestgehend weiterzuverwenden'. Um das Projekt weiterhin förderfähig zu halten, werde in Stuhr und Weyhe 'eine Billigtrasse ohne ausreichenden Lärmschutz' gebaut.

Laut Konieczny könne man bei einer Klage nicht genau sagen, wie lange das Verfahren dauert und sich damit auch das gesamt Projekt hinzieht. 'Besser wird es, wenn wir Rechtskraft haben', sagt sie. Ein Jahr würden dann noch etwa die Ausschreibungen und sonstige Vorbereitungen dauern, ein weiteres Jahr würde etwa der Bau in Anspruch nehmen. Ob und in welcher Höhe durch die Verzögerung Mehrkosten auf die Gemeinde Stuhr zukommen, kann Bockhop noch nicht sagen.

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