Energiewende-Projekt TenneT soll Stromleitung von Conneforde nach Sottrum verstärken

Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT hat den gesetzlichen Auftrag erhalten, die 102 Kilometer lange Höchstspannungsleitung von Conneforde nach Sottrum zu verstärken. Auch zwei Umspannwerke sollen gebaut werden.
15.03.2022, 13:59
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TenneT soll Stromleitung von Conneforde nach Sottrum verstärken
Von Lars Köppler

Mit dem Ziel, größere Mengen Offshore-Windstrom auch in den Großraum Bremen zu transportieren und somit die Energiewende in der Region mit Hochdruck voranzutreiben, will der deutsch-niederländische Übertragungsnetzbetreiber TenneT die 102 Kilometer lange Höchstspannungsleitung von Conneforde (Landkreis Ammerland) nach Sottrum verstärken und damit einen gesetzlichen Auftrag erfüllen. Nach Angaben von Stefano Panebianco vom Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg (ArL) soll bei diesem Projekt die bestehende 220-kV-Stromleitung auf der Trasse zwischen Elsfleth (Landkreis Wesermarsch) und Sottrum durch eine neue und leistungsstärkere 380-kV-Stromleitung ersetzt werden. Zudem beabsichtige TenneT den Neubau von zwei Umspannwerken – eines im Bereich der Samtgemeinde Sottrum und ein weiteres nahe der A27-Anschlussstelle Bremen-Industriehäfen.

Für den etwa 70 Kilometer langen Leitungsabschnitt von der Schaltanlage Elsfleth/West bis zur Samtgemeinde Sottrum plant das ArL Lüneburg derweil die Abwicklung eines Raumordnungsverfahrens. Mittlerweile hat TenneT offiziell die "raumordnerische Abstimmung" für dieses Energiewende-Projekt aufgenommen. Als Grundlage für dieses Projekt gilt derweil das Bundesbedarfsplangesetz, welches regelt, wo in Deutschland neue Stromleitungen errichtet werden müssen, um dem wachsenden Bedarf an Kapazitäten für den Stromtransport gerecht zu werden. "Dieses Gesetz hat den Bedarf für den Neubau einer 380-kV-Leitung von Conneforde über die Schaltanlage Elsfleth/West und den Abzweig Blockland bis zur Samtgemeinde Sottrum bestätigt", erklärt Panebianco.

Auftakt-Besprechungen haben begonnen

Gemeinsam mit dem Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg ging es jüngst per Videokonferenz mit Vertretern der vom Leitungsvorhaben berührten Landkreise, Kommunen, Fachbehörden und Naturschutzverbände in die Auftakt-Besprechungen und somit in die Detailplanungen. "TenneT stimmte sich dabei mit den Landesämtern und den Trägern öffentlicher Belange ab, ob überhaupt der Bedarf für ein Raumordnungsverfahren besteht. Auch zeitliche und verwaltungstechnische Abläufe des Verfahrens standen auf der Tagesordnung", berichtet Panebianco, der beim ArL Lüneburg für die Durchführung des Raumordnungsverfahrens zuständig ist.

Das Unternehmen möchte die neue Leitung derweil in unmittelbarer Parallellage zur derzeitigen Leitung errichten. In einigen Bereichen jedoch habe der Übertragungsnetzbetreiber neue Trassenalternativen zur Prüfung vorgeschlagen, um – wenn es die räumliche Situation zulässt – insbesondere den Abstand zu Wohngebäuden zu vergrößern. „Die von TenneT entwickelten Standort- und Trassenalternativen werden im Raumordnungsverfahren näher untersucht und auf ihre Eignung geprüft werden“, schildert Panebianco das weitere Vorgehen. Insbesondere dort, wo Mindestabstände zu Wohngebäuden unterschritten werden, habe TenneT – unter anderem südöstlich von Neuenkirchen und südwestlich von Osterholz-Scharmbeck – neue Trassenalternativen zur Prüfung vorgeschlagen. 

Vier Suchräume im Visier

Für das geplante neue Umspannwerk in der Samtgemeinde Sottrum habe das Unternehmen derweil insgesamt vier Suchräume in den Blick genommen, die laut Panebianco in den kommenden Monaten näher untersucht werden sollen. Teil der Untersuchungen für das Vorhaben sollen auch Kartierungen zu Brut- und Gastvögeln sein. Die von TenneT letztlich eingereichten Unterlagen sollen später die Grundlage bilden, um im Raumordnungsverfahren "die verträglichste Trassenvariante für die Region und die Umwelt herauszuarbeiten", so Panebianco. Der Start des Raumordnungsverfahrens ist für 2023 vorgesehen.

Doch TenneT möchte schon vorher in den Dialog mit den Menschen in der Region gehen, um Hinweise zu den anstehenden Planungen entgegenzunehmen, zu prüfen und – wenn möglich – zu berücksichtigen. Hierfür sind Informationsveranstaltungen in der Region für den kommenden Sommer geplant. Dokumente zu diesem Energiewende-Projekt hat das Amt für regionale Landesentwicklung zudem im Internet unter www.arl-lg.niedersachsen.de/rov-coso veröffentlicht.

Zur Sache

Mehrere Verfahrensschritte

Die Genehmigung von Infrastrukturprojekten dieser Größenordnung erfolgt in der Regel in mehreren Schritten. In einem vorbereitenden Verfahren prüft das Raumordnungsverfahren, ob und wo die neue Stromleitung beziehungsweise die neuen Umspannwerke raum- und umweltverträglich errichtet werden können. An das Raumordnungsverfahren schließen sich später die Genehmigungsverfahren an, meist in Form von Planfeststellungsverfahren. Das Raumordnungsverfahren sieht – ebenso wie das spätere Planfeststellungsverfahren – eine Beteiligung der Öffentlichkeit vor. Dafür muss TenneT zunächst die nötigen Verfahrensunterlagen erarbeiten. Sobald diese vollständig vorliegen, leitet das ArL Lüneburg das Beteiligungsverfahren ein. Dies ist derzeit für das Jahr 2023 vorgesehen. Die Verfahrensunterlagen werden dann im Internet bereitgestellt und für die Dauer eines Monats beim ArL Lüneburg und beim ArL Weser-Ems öffentlich ausgelegt.

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