Red-Bull-Flugtag Tollkühne Flieger

Mit einem selbstgebauten Fluggerät nehmen fünf Auszubildende der Seckenhauser Firma Cordes und Graefe am Red-Bull-Flugtag in Bremen teil. Ein tollkühnes Projekt.
14.06.2018, 17:58
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Tollkühne Flieger
Von Eike Wienbarg

Stuhr-Seckenhausen/Bremen. Sie sind jung, kreativ und wagemutig. Die Rede ist von fünf Auszubildenden der Firma Cordes und Graefe. Mit einem selbstgebauten Fluggerät nehmen sie am Sonntag, 1. Juli, am Red-Bull-Flugtag, bei dem sich die Teams mit ihren Gefährten möglichst lange in der Luft halten müssen, bevor sie ins Wasser fallen, im Bremer Europahafen teil. Der Clou dabei: Alle verbauten Teile stammen aus dem Sortiment ihres Seckenhauser Ausbildungsbetriebes.

Die Idee, an dem kuriosen Wettbewerb teilzunehmen, entstand in der EDV-Abteilung des Unternehmens, wie Nick Triebe berichtet. Der 19-Jährige macht bei Cordes und Graefe eine Ausbildung zum Informatikkaufmann und schob das Projekt an. In einem Casting versuchten neun der insgesamt 60 Azubis der Firma, einen Platz in dem Team zu ergattern, berichtet Ausbildungsleiter Sebastian Januszewski. Fünf davon bekamen den Zuschlag.

Den Anfang machte Nick Triebe. Er kümmerte sich um die Bewerbung und die dafür erforderlichen Unterlagen. „Dafür haben wir ein 3D-Modell am PC erstellt“, berichtet er. Darauf seien die ungefähren Maße und die Form zu sehen. Mit seinen vier Mitstreitern Milena Kranz, Sarah Bierhorst, Lukas Stelbrink und Hannes Neuhaus, alle Auszubildende zum Groß- und Außenhandelskaufmann, machte er sich an die Konstruktion.

Das Herzstück des potenziellen Fluggeräts besteht aus Styropor. Genauer gesagt aus einem Wannenträger, an dem normalerweise Fliesen angebracht werden, berichten die Azubis. „Der Wannenträger ist sehr leicht“, erklärt Triebe den Hintergedanken. Zuerst hatten die Jung-Konstrukteure an eine echte Badewanne gedacht, den Plan aufgrund des Gewichts allerdings schnell verworfen, gestehen sie schmunzelnd ein. Die Flügel der Konstruktion bestehen dann aus Rohren, als Fahrgestell dient eine Palette, die aus alten Holzstücken zusammengezimmert wurde, im Cockpit steht ein Gartenstuhl.

Bei ihrer Arbeit achten die fünf vor allem auch auf den Umweltgedanken. So werden für das Fluggerät nur Teile verwendet, die im Lager der Firma vorhanden sind. „Es muss Nichts bestellt werden“, berichten die Konstrukteure. Außerdem wurde der Wannenträger zunächst mit Folie umwickelt, damit beim Aufprall auf dem Wasser keine Teile in die Weser gelangen können, verspricht Sebastian Januszewski. Damit die weiße Fläche aber nicht so kahl wirkt, planen die Azubis, den Rohbau noch mit roter und gelber Folie – also in den Firmenfarben von Cordes und Graefe – zu verkleiden, berichtet Sarah Bierhorst. Außerdem denkt sie an ein Kennzeichen mit den Buchstaben HB-GC, wie es die LKW der Firma tragen.

Stichwort Verkleidung: Auch die Pilotin des Fluggeräts kommt beim Wettbewerb nicht ganz unkostümiert daher. Milena Kranz, die sich an das Steuer setzen wird, darf sich mit einem Entenponcho schmücken. Mit ihrer Rolle als tollkühne Pilotin muss sie aber erst noch ein bisschen warm werden. „Das hat sich so ergeben“, berichtet Kranz. „Langsam merke ich, dass es eine große Sache wird“, sagt die Auszubildende mit Blick auf die Fahrt über die Rampe in rund sechs Meter Höhe. „Falls sie Angst hat, springe ich ein“, tritt Ersatzpilot Hannes Neuhaus seiner Kollegin mutig zur Seite.

Die fünf Azubis arbeiten während ihrer regulären Arbeitszeit an dem Projekt, berichtet Januszewski. Für den Ausbildungsleiter ist dies eine „Art Teambildungsmaßnahme“. „Es ist wichtig, zusammen ein Projekt zu erarbeiten – von der Idee bis zum Endprodukt“, findet er. „Das schweißt zusammen“, sagt Januszewski. Seine Auszubildenden sehen aber noch einen zweiten Vorteil: „Man bekommt eine Idee davon, welche Produkte wir auf Lager haben“, sagt Nick Triebe. Das könne bei der täglichen Arbeit nur helfen.

Und mit welchen Hoffnungen gehen die fünf am 1. Juli an den Start? „Einen Testlauf gibt es nicht“, sagt Nick Triebe schmunzelnd. „Wir hoffen auf 25 Meter“, ergänzt sein Kollege Neuhaus. „Wenn wir schnell genug schieben“, sagt Stelbrink. Realistisch seien aber eher fünf bis zehn Meter. „Viele wollen den Absturz der Azubis sehen“, sagt Sebastian Januszewski mit einem Schmunzeln. Er traut seinen Schützlingen gegen die Konkurrenz von 39 Teams aber einiges zu. „Der Rekord bei den Red-Bull-Flugtagen, die bereits in New York, Moskau und London stattfanden, liegt bei mehr als 70 Metern“, spornt er seine Azubis an. So werde eine Abordnung der Firma das Team begleiten und anfeuern. „Es ist für uns außergewöhnlich“, freut er sich.

Der Red-Bull-Flugtag findet am Sonntag, 1. Juli, in der Zeit von 10.30 bis circa 17 Uhr am Europahafen in Bremen statt.

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