Auswirkungen des Sommers Trockenheit macht Gewässern und Bäumen zu schaffen

Stuhr/Weyhe . Rettung in letzter Minute oder bloß ein Schauer auf den heißen Stein? Dass sich am Montag die Himmelspforten wenigstens für ein Stündchen mal ergiebig öffneten, mag viele Gärtner erfreut haben. Denn der heiße und trockene Sommer hat seine Spuren hinterlassen.
28.07.2010, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Hauke Gruhn

Stuhr/Weyhe . Rettung in letzter Minute oder bloß ein Schauer auf den heißen Stein? Dass sich am Montag die Himmelspforten wenigstens für ein Stündchen mal ergiebig öffneten, mag viele Gärtner erfreut haben. Denn der heiße und trockene Sommer hat seine Spuren hinterlassen: Vielerorts sind Rasenflächen verbrannt, öffentliche Plätze sind oft knochentrocken. Viel schlimmer aber sieht es in den Gewässern in Stuhr und Weyhe aus. Der Gänsebach in Weyhe ist zum Rinnsal geworden, er führte in den letzten Wochen an manchen Stellen überhaupt kein Wasser mehr.

Weyhes Gemeindearchivar Wilfried Meyer, der seit vielen Jahren im Naturschutz aktiv ist, sieht sogar die Gefahr, dass das Böttchers Moor demnächst umkippen könnte. 'Dort beträgt der Pegelstand derzeit etwas über 25 Zentimeter', berichtet Meyer. 'Aber fast 20 Zentimeter davon sind Schlamm.' Daher sei es möglich, dass sich Faulgase bilden. 'Die würden dann noch den restlichen Sauerstoff aus dem Böttchers Moor ziehen, dann kippt der See um.' Für die Situation dort macht Meyer einerseits die Hitze und Trockenheit der letzten Wochen und Monate verantwortlich, andererseits aber auch die Harzwasserwerke, die in zunehmendem Maße Grundwasser abpumpen. 'Wasser ist inzwischen ein Riesengeschäft', sagt Meyer. 'Und im Sommer ist es ein Teufelskreis: Die Leute brauchen mehr Wasser, deshalb wird mehr gefördert und die Folgen der Trockenheit werden immer schlimmer.'

Das weisen die Harzwasserwerke zurück. 'Wir entnehmen momentan nicht mehr Wasser als sonst. Und der Verbrauch ist auch nicht deutlich höher, weil ja viele Leute momentan im Urlaub sind', erklärt Maik Uhlen, stellvertretender Abteilungsleiter für Wasserwirtschaft und Gewässerschutz. Dieses Jahr würden wie in den vergangenen auch 16 Millionen Kubikmeter Wasser aus den 19 Brunnen in der Region gefördert. Ein Antrag auf die Möglichkeit der Ausweitung auf 20 Millionen Kubikmeter sei von der unteren Wasserbehörde noch nicht genehmigt worden. 'Da steht der Bewilligungsbescheid noch aus.'

Dass es sich bei diesem Sommer um einen besonders trockenen in der Region handelt, kann Wilfried Meyer anhand seiner Regenmessungen, die er seit Jahren vornimmt, untermauern. 'Im Durchschnitt haben wir rund 67 Liter Niederschlag pro Quadratmeter im Monat, jetzt im Juli waren es bis Montag nur rund 30 Liter.' Dann kamen aber gleich 20 Liter vom Himmel. Wasser, dass die ausgetrocknete Erde gar nicht alles aufnehmen konnte.

Der Juli ist eigentlich noch einer der feuchteren Monate: Im Juli 2005 fielen in Weyhe 132 Liter Niederschlag, 2008 waren es 146 und 2009 wieder 132. '2006 gab es zuletzt einen vergleichbaren Ausreißer mit nur 24 Litern Regen', zitiert Meyer seine Aufzeichnungen. 'Entscheidend sind aber auch die Reserven', betont er. 'Und da gibt es in diesem Jahr nicht viel.' Im Januar fielen 34 und im Februar 41 Liter Niederschlag (vornehmlich Schnee) vom Himmel. Im März sah es mit 78 Litern etwas besser aus, dafür war der April mit 24 Litern wieder viel zu trocken. Fast genau den langjährigen Durchschnittswert, nämlich 68 Liter Niederschlag pro Monat, konnte Meyer im Mai messen. Im Juni fielen nur 33 Liter Regen auf die trockene Weyher Erde.

Der Gänsebach, der sich nordöstlich vom Mühlenkampgelände in Leeste mit dem Hombach zum Leester Mühlenbach vereinigt, sei schon seit Tagen größtenteils ausgetrocknet, berichtet Wilfried Meyer - 'zu etwa 90 Prozent', schätzt er. In den verbleibenden Tümpeln hätten die wenigen Fische so gut wie keine Überlebenschance mehr: 'Da werden sie sofort von den Vögeln rausgeholt.' Der Hombach führe hingegen noch etwas mehr Wasser.

Nicht nur die Tier-, sondern auch die Pflanzenwelt leidet unter Trockenheit und Hitze. 'Ich habe beobachtet, dass teilweise Birken schon jetzt das Laub abwerfen, um überhaupt überleben zu können', berichtet Meyer. Manfred Böcker vom Nabu Weyhe weiß Ähnliches zu berichten: 'Vor allem große Bäume leiden zurzeit. Die jungen können sich noch mit verstärktem Wurzelwachstum helfen.' Buchen seien besonders gezeichnet von der Witterung, aber auch Kiefern. 'Die stehen vor allem in Jeebel, dort ist auch die Waldbrandgefahr am größten', erzählt Böcker. Trostlos sehe es derzeit in den Bauernwäldern in Weyhe aus. 'Das sind kleine Wälder, die früher von den Bauern extra angelegt wurden, um im Herbst die Schweine dort hineinzujagen.'

'Stillgewässer gehen in die Knie'

Bei den Gewässern in der Gemeinde Weyhe ist Böcker ebenso wie Meyer beunruhigt: 'Die ganzen Stillgewässer gehen langsam in die Knie.' Bei Amphibienbiotopen sei dies nicht ganz so schlimm. 'Die können ruhig mal austrocknen.' Aber für Fischbiotope sei die Lage wirklich ernst, so Böcker. Auch die künstlichen Biotope am Weidufer seien bei anhaltender Hitze und Trockenheit in Gefahr. 'Und am Böttchers Moor haben wir inzwischen Mühe, mit dem Schlauchboot am Steg anzulegen.' Eine künstliche Auffüllung sieht Ulf Panten von der Gemeinde Weyhe kritisch. 'Das Wasser müssten die Harzwasserwerke ja anderswo wieder fördern, und damit würde sich das Problem nur verlagern. Aber um eine Entschlammung kommen wir beim Böttchers Moor wohl nicht herum.' Horst Ewald vom Nabu in Stuhr neigt nach eigenen Angaben zwar nicht zu dramatischen Darstellungen. Aber auch er ist beunruhigt: 'Abgesehen von Montag ist das bisschen, was da zurzeit an Regen runterkommt, viel viel zu wenig.' An braune Rasenflächen

habe er sich längst gewöhnt, sagt Ewald. 'Das ist auch nicht so schlimm. Rasen erholt sich wieder.' Besorgniserregend sei für ihn vor kurzem allerdings der Anblick von Blaubeeren im Wald gewesen. 'Die waren alle zu klein und vertrocknet.' Auch die Stuhrer Naturschützer haben in diesem Sommer schon einige ihrer Teiche austrocknen sehen. Nur der Hauptteich habe noch Wasser. 'Klar hoffen wir auf mehr Regen', sagt Horst Ewald. 'Aber einen Einsatz der Feuerwehr, um die Teiche künstlich aufzufüllen, sehen wir noch nicht unbedingt als notwendig an.'

Zumindest nicht, wenn die Natur ein Einsehen hat, wie am Montag. Über diese Erfrischung freute sich auch Hauke Peters vom Baubetriebshof in Brinkum. 'Wir haben schon extra umgebaute Güllewagen mit Wasser losgeschickt, um die Bäume zu versorgen', erzählt er. 'Aber wir haben inzwischen auch ernste Schäden beim Altbestand an Bäumen, da kommen wir nicht hinterher.' Etwa 20 Kubikmeter Wasser - das entspricht rund 70 Badewannen - vergießt der Baubetriebshof momentan am Tag. Und doch reicht das bei Weitem nicht aus. Immerhin: Heute soll es wieder ein bisschen regnen.

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