Von Alwine bis Ziska: Die Delmestadt lässt ihre Töchter am Weltfrauentag wieder ordentlich hochleben Twusterns plietsche Deerns

Dieser Tag gehört nur ihnen – den Twistringer Frauen. Am Weltfrauentag (8. März) wartet wieder ein bunter Veranstaltungsreigen auf Twistringens tolle Töchter. Von kostenlosen Vorträgen über Aktionen von Frauen für Frauen bis zum gemütlichen Cocktail-Abend ist alles dabei.
05.03.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Dieser Tag gehört nur ihnen – den Twistringer Frauen. Am Weltfrauentag (8. März) wartet wieder ein bunter Veranstaltungsreigen auf Twistringens tolle Töchter. Von kostenlosen Vorträgen über Aktionen von Frauen für Frauen bis zum gemütlichen Cocktail-Abend ist alles dabei.

Twistringens Gleichstellungsbeauftragte Heike Harms und das frühere Landfrauen-Dreigestirn Hedwig Harms, Elke Horstmann und Martina Westermann blicken gebannt in das Büchlein „Von Alwine bis Ziska“. Sie haben die Twistringer Frauengeschichten 2007, anlässlich des 60. Geburtstags des Landfrauenvereins, zu Papier gebracht. Flankiert von einer gleichnamigen Ausstellung. Als sie auf das Bild von Fränzi Behrens blicken, erinnert sich das muntere Quartett sofort an die Frau, deren Gesicht mit der Twistringer Strohindustrie wie kein zweites verbunden ist. In ihrer „Garnierstube“ hat Fränzi Behrens damals einen Strohhut nach dem anderen kunstvoll verziert, war später maßgeblich am Aufbau des Twistringer Strohmuseums beteiligt.

Twustern hatte und hat schon plietsche Deerns, finden Heike Harms, Hedwig Harms, Elke Horstmann und Martina Westermann. Um die Töchter der Delmestadt entsprechend zu würdigen, gibt es an diesem Sonnabend, 8. März, in Twistringen wieder zahlreiche Veranstaltungen von Frauen für Frauen. „Katja Schaap hält ab 11 Uhr einen Vortrag im kleinen Sitzungssaal des Twistringer Rathauses“, kündigt Heike Harms ein Referat unter dem Titel „Sind nicht alle Seelen weiblich vor Gott?“ an. Anmeldungen dafür unter der Telefonnummer 0 42 42 / 41 30. Vom „Leben in Balance“ spricht Andrea Linneck dann ab 11.15 Uhr in der Twistringer Stadtbücherei. Unter der Telefonnummer 0 42 43 / 61 14 14 werden die Anmeldungen entgegen genommen.

Als erste Vorsitzende des Pfarrgemeinderates und Vorsitzende eines Ratsausschusses hat Hedwig Harms selbst ein Stück Frauengeschichte in Twistringen geschrieben. „In Sachen Kinderbetreuung sind wir inzwischen gut aufgestellt. Bei den Senioren gibt es allerdings noch weiteren Handlungsbedarf“, wertet Hedwig Harms die Einstellung einer hauptamtlichen Seniorenbeauftragten als ersten Schritt in die richtige Richtung. Gleichstellungsbeauftragte Heike Harms pflichtet ihr bei, macht sich in diesem Zusammenhang für die Schaffung weiterer Tagespflegeplätze für Senioren stark. Viele Frauen müssten den Spagat zwischen eigener Berufstätigkeit und ihren pflegebedürftigen Eltern- und Schwiegereltern bewältigen, weiß auch Ratsfrau Elke Horstmann (CDU) aus vielen Gesprächen.

Das Frauenwahlrecht oder das Gleichberechtigungsgesetz – Frauen hätten inzwischen vieles erreicht, blicken die vier auf die Zeitleisten im Büro der Gleichstellungsbeauftragten. Selbige lassen dort die frauenpolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahrhunderte Revue passieren. „Bis 1973 gab es ja noch den Kuppeleiparagraf. Wenn unverheiratete Paare zusammen übernachtet haben, bekamen ihre Eltern oder Vermieter Ärger“, erinnert sich Heike Harms. Doch das sei inzwischen Schnee von gestern. Heute bewegen die Gleichstellungsbeauftragte ganz andere Themen, beispielsweise die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. „Ich hoffe, dass die gläserne Decke irgendwann ganz wegfällt“, wünscht sich Heike Harms mehr Frauen in Führungspositionen. Obwohl sie die besseren Abschlüsse in der Tasche hätten, würden Frauen die Karriereleiter oftmals nur bis zu einem gewissen Punkt emporklettern. Die hoch dotierten Spitzenpositionen hätten dann meist die Männer inne. „Schade, dass in Twistringen keine Frau für das Bürgermeisteramt kandidiert“, findet das Frauen-Quartett.

Beim weiteren Durchblättern des Büchleins „Von Alwine bis Ziska“ stoßen sie auf viele spannende Frauenporträts. Beispielsweise auf die Lebensgeschichte von Dr. Ingeborg Lampe-Eymann, der ersten Ärztin Twistringens, oder die Vita von Wilma Delekat, Gründungsmitglied des Twistringer Landfrauenvereins. „Ingrid Kramer hat die erste Damenfußballmannschaft des SC Twistringen gegründet und Ute Abeling war die erste Kfz-Meisterin im Stadtgebiet“, weiß Heike Harms. Ute Abeling hat nach eigener Aussage sogar schon mal „einen Igel aus einer Schraubfeder befreit“ und kann „vom Zweirad bis zum Vierzigtonner alles reparieren“. Am Weltfrauentag zeigt sie der Damenwelt, wie frau richtig Reifen wechselt. Und zwar von 12 bis 14 Uhr in ihrer Werkstatt in Heiligenloh. Anmeldungen für den Pannenhelfer-Kurs nimmt sie unter 0 42 46 / 3 74 entgegen.

Barbara Brinkmann serviert am 8. März allen Frühstückerinnen ein kostenloses Glas Sekt in der Scubar, abends liest dort Anett Molyrier ab 18 Uhr aus dem Buch „Powerfrauen küsst man gern“. Bei der anschließenden Ladys Night mit DJ Jan aus Hamburg können die Töchter der Delme-stadt ordentlich Cocktails schlürfen.

Weil die sonnige Jahreszeit schon langsam an die Tür klopft, präsentieren Elisabeth und Manfred Pille bei Mersmann die aktuelle Sonnenbrillenmode (12 bis 14 Uhr). In der Bäckerei Weymann wird in der Zeit von 14 bis 16 Uhr eine Kaffeeschulung angeboten, zeitgleich gibt es in der Stadtbücherei einen Bücherflohmarkt, Kaffee und Kuchen. Ein geheimnisvoller Überraschungsgast wird dort auch erwartet. „Daneben beteiligen sich viele weitere Twistringer Firmen mit besonderen Aktionen am Weltfrauentag“, freut sich Heike Harms über den bunten Veranstaltungsreigen.

Übrigens: Die erste deutsche Filmregisseurin der Nachkriegszeit, May Spils, stammt auch aus Twistringen. Mit Uschi Glas und Werner Enke hat sie damals den Kultstreifen „Zur Sache Schätzchen“ gedreht.

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