Neuer Nabu-Vorsitzender Übergabe per Frosch

Die Stuhrer Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland hat einen neuen Vorsitzenden. Jörg Böttcher übernimmt das Amt von Klaus Torns. Beide teilen die Leidenschaft für den Umweltschutz.
17.03.2017, 16:49
Lesedauer: 4 Min
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Übergabe per Frosch
Von Eike Wienbarg

Stuhr. Der Schutz der Umwelt und der Natur in der Gemeinde Stuhr ist für Klaus Torns und Jörg Böttcher eine Herzensangelegenheit. „Die Natur hat keine große Lobby“, sagt Torns und begründet damit sein Engagement in der Stuhrer Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Zwei Jahre lang leitete er sogar die Ortsgruppe. Nun übernimmt Jörg Böttcher das Amt.

Dieser schnelle Führungswechsel hat laut Torns und Böttcher keinen konkreten Hintergrund. Torns selbst bezeichnet seine Rolle als erster Vorsitzender als „Übergangszeit“. „Ich wurde vor zwei Jahren überredet“, sagt der 73-Jährige mit einem Augenzwinkern. Schon bei der Wahl sei so gut wie klar gewesen, dass Jörg Böttcher das Amt zu gegebener Zeit übernehmen wolle. „Ich hätte gerne noch ein Jahr gewartet“, gesteht Böttcher. Dann wäre er im Ruhestand und hätte mehr Zeit für das Engagement im Nabu. Die frühere Übernahme sei aber kein Problem für ihn.

Der Übergang an der Spitze des Ortvereins ist in gewisser Hinsicht auch ein Generationswechsel. „Die meisten Aktiven sind Ü70“, berichtet Klaus Torns über die rund 20 aktiven Naturschützer in der Gemeinde. Der Verein insgesamt habe rund 600 Mitglieder. Die meisten seien allerdings passiv dabei. Durch eine große Werbekampagne im vergangenen Jahr habe der Verein etwa 200 neue Mitglieder gewonnen. Lediglich zwei seien aber auch in die alltägliche Arbeit des Vereins eingestiegen, berichten Böttcher und Torns.

Klaus Torns Steckenpferd sind vor allem Nisthilfen für Vögel. Mehr als 300 Nisthilfen habe der Nabu zurzeit in Gemeinde verteilt. Unter seiner Regie wurde unter anderem die Werkstatt des Ortsvereins im Nabu-Keller auf dem Gut Varrel auf Vordermann gebracht, erzählt Torns. „Ich bin gerne praktisch tätig“, sagt er. Auch um die Fledermausbunker hat sich Torns, der seit zehn Jahren beim Nabu ist, gekümmert.

Neben der aktiven Naturschutzarbeit in der Gemeinde wollte Klaus Torns aber auch das aktive Vereinsleben nicht zu kurz kommen lassen. Einmal im Jahr machen sich die Mitglieder auf zu einer Reise. Unter der Führung von Torns ging es zum Beispiel auf die Hallig Hooge. „Das war ein einmaliges Erlebnis“, berichtet auch Jörg Böttcher von der Tour. „Klaus hat das sehr gut gemacht“, lobt er seinen Vorgänger, der dem Nabu auch weiterhin erhalten bleiben will. Nur eben nicht in erster Reihe. So sei er unter anderem auch noch im Brinkumer Mehr-Generationen-Haus in Brinkum sowie im Schwimmverein bei Cordes und Graefe ehrenamtlich engagiert, berichtet Torns.

Einige Dinge in der Vorstandsarbeit hätten ihn schon zum Nachdenken gebracht, sagt Torns dann aber doch. Ärgern wolle er sich aber nicht mehr. „Es geht um die Sache und um den Nabu“, findet Torns. „Das, was wir machen, soll auch Spaß machen“, erklärt auch sein Nachfolger Jörg Böttcher. Viele Mitglieder der ersten Stunde täten sich oft mit Veränderungen schwer, wissen die beiden aus dem Vereinsleben. So sei der Nabu vor allem aus Vogelzähl-Bewegung hervorgegangen. „Ich habe versucht, etwas Neues reinzubringen“, berichtet Klaus Torns mit Blick auf seine weiteren Interessengebiete.

Dazu zählen vor allem die Aufklärung über die Ausbreitung des giftigen Jakobskreuzkrautes und die Einrichtung von Blühstreifen an Wegerändern und den damit verbundenen Schutz von Insekten. „80 Prozent der Insekten sind nicht mehr da“, berichtet Klaus Torns. Als Hauptproblem hat er die „aufgeräumten Gärten“ identifiziert. Um Insekten wieder mehr Lebensraum zu bieten, organisierte Torns im vergangenen Jahr gemeinsam mit seiner Frau die Ausgabe von Samen für Wildblumen. „Wenn jeder nur einen Quadratmeter davon in seinem Garten hätte, würde es schon reichen“, appelliert Torns an Gartenbesitzer. Rund 50 Samenpackungen haben er und seine Mitstreiter während der Aktion ausgegeben.

Für Jörg Böttcher sind dies alles Punkte, bei denen er auch ansetzen möchte. Böttcher ist bereits seit rund 20 Jahren Nabu-Mitglied. „Ich möchte die Natur und die Umwelt in Stuhr verbessern“, gibt er sein Ziel aus und fügt hinzu: „Vor allem qualitativ.“ Dabei möchte er vor allem auch auf den Dialog mit den Bürgern setzen, berichtet Böttcher, der beruflich in Raumfahrtbereich in Bremen tätig ist und lange in Südamerika gearbeitet hat.

Neben dem Erhalt von Lebensräumen hat Böttcher noch ein weiteres Interessengebiet: Und zwar den Wolf. So ist der 58-Jährige offizieller Wolfsbotschafter des Nabu und setzt sich für eine positivere Besetzung des Tiers im öffentlichen Diskurs ein. „In Deutschland ist der Wolf kulturell negativ belegt“, sagt Klaus Torns. Das sei in anderen Ländern wie zum Beispiel Italien ganz anders, weiß er.

Der neue Vorsitzende Jörg Böttcher möchte vor allem auch den guten Kontakt zur Gemeindeverwaltung, der lokalen Politik und zum Umweltbeauftragten Marc Plitzko aufrecht erhalten. Als Vertreter des Nabu sitzt Böttcher bereits im Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt. Kritisch sieht er zum Beispiel den Bau der B6 neu. „Das sind alles Flächen, die jetzt betoniert werden“, sagt er. Um möglichst viele Lebensräume in der Gemeinde zu erhalten, habe der Stuhrer Nabu in den vergangenen Jahren Areale erworben und kümmere sich nun um diese. „Wir würden auch weitere Flächen erwerben, wenn es möglich ist“, sagt Böttcher.

Als Herausforderung sieht er vor allem die Fortführung der unterschiedlichen Arbeitsgruppen des Stuhrer Nabu an. „Es geht darum, die Arbeit kontinuierlich weiterzuführen und neue Mitarbeiter zu gewinnen“, sagt Böttcher. Unterstützt wird er dabei von seinen beiden Vertretern Peter König und Mechthild Sperling sowie der Schriftführerin Vera Poetzsch und Kassenwart Uwe Weitemeier. „Ich bin vorsichtig optimistisch“, berichtet der neue Vorsitzende, der von Klaus Torns zur symbolischen Übergabe des Vorsitzes auch einen kleinen Holzfrosch erhielt. Diesen hatte der ehemalige Nabu-Vorsitzende Horst Ewald genutzt, um sich bei den Sitzungen des Ortsvereins Gehör zu verschaffen. Jetzt wird er vom Vorsitzenden zum Vorsitzenden weitergegeben.

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