Hügelgräber: Infoveranstaltung in Nordwohlde / Anwesende gegen geplanten Sandabbau in Stühren Verein vermutet steinzeitliche Siedlungsanlage

UND CHRISTOPH STARKE
14.09.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sascha Rühl

UND CHRISTOPH STARKE

Bassum. Steckt mehr hinter den Hügelgräbern in Stühren, als die Wissenschaft bisher weiß? Carmen Baehr vom Verein für Landschafts- und Umweltschutz Nordwohlde/Fahrenhorst glaubt, ja. Bei einer Informationsveranstaltung am Mittwoch im Haus der Kirchengemeinde hielt Baehr mit der Bassumer Gästeführerin Susanne Reichelt einen Vortrag über die Geschichte und mögliche Zukunft der Stührener Hügelgräber, die nach der Meinung vieler Anwohner akut vom drohenden Sandabbau durch die Firma M+S bedroht sind.

Die Veranstaltung mit rund 20 Teilnehmern ging mehreren Themen nach, unter anderem Gründen, die Gräber zu erhalten. "Die Gräber sind älter als die Pyramiden von Gizeh. Stellen Sie sich vor, wir würden eine Lücke in den Geschichtsbüchern zwischen Christi Geburt und heute haben, was würde uns entgehen?", fragte Baehr. Die Gräber seien ein archäologischer Schatz, es klaffe eine wahre Lücke von etwa 2000 Jahren, die Gräber könnten der Schlüssel dazu sein. Der Bau von Stonehenge, die Erbauung der großen Pyramiden, die Gründung von Karthago, dies alles sei passiert, während die Hügelgräber benutzt wurden, etwa zwischen 2800 und 700 Jahren vor Christus. "Wir haben kaum Kenntnisse, wie das Leben hier in dieser Zeit war, wir brauchen die Gräber", betonte die Gästeführererin Susanne Reichelt.

Nun gebe es vielleicht einen weiteren Grund, warum der Sandabbau in der Geest rund um das Kulturgut zu verhindern sei. Stutzig machte Carmen Baehr ein Luftfoto von Google Earth, auf dem leichte weiße Ringe über dem Feld in der Nähe des zentral gelegenen Hügelgrabes zu sehen sind. "Im Moment sind die Archäologen aufgrund der Schätze, die man an der Pipeline gefunden hat, beschäftigt. Aber die haben sich das einmal angesehen. Es sehe aus wie eine steinzeitliche Siedlungsanlage", erinnerte sich die Umweltschützerin. Dies könnte ein großes Stück für das archäologische Puzzlespiel der Region sein. Man könne vielleicht herausfinden, wie die Menschen vor 2700 Jahren gewohnt haben. "Ich habe eine Freundin, die hat mich darauf gebracht. Sie studiert Archäologie in Heidelberg. Die hat ihren Professor gefragt, ich habe ihm die Koordinaten geschickt, und er hat das bestätigt. Das war eine Aktion von zwei Minuten", freute sich Carmen Baehr.

Darin sahen die Anwesenden die größte Chance, das Gebiet zu erhalten. Andere Ideen, wie ein Tourismus-Ziel daraus zu entwickeln, stießen eher auf Ablehnung. In einem waren sich die Anwohner jedoch einig: Die Gräber müssen erhalten werden. Die aktuellen Pläne, um das zentrale Grab herumzugraben und eine Art Insel daraus zu machen und gleichzeitig den vermuteten Ringwall eventuell zu zerstören, würden ein wertvolles Kulturgut zu Nichte machen. Bereits im vergangenen Jahrhundert seien einige Versuche, die Stührener Landschaft zu verändern durch massive Gegenwehr der Anwohner und der Politik verhindert worden. "Es kann etwas getan werden. Sobald der Antrag beim zuständigen Amt eingegangen ist, können Bürger Widerspruch einlegen", ließ Carmen Baehr wissen. Fast 400 Unterschriften seien bisher gesammelt worden, um den "Schatz vor der Haustür" zu bewahren.

Durch die neuen Erkenntnisse erhoffen sich die Beteiligten eine Chance gegen den Sandabbau. "Vielleicht gibt es eine Verbindung zum Gesseler Goldschatz, aber das werden wir nur herausfinden, wenn das Gebiet erhalten bleibt", meinten Carmen Baehr und Susanne Reichelt.

Holger Bordeaux vom zuständigen Planungsbüro Jobst Palandt betonte auf Anfrage unserer Zeitung, dass lediglich ein Grab betroffen sei. "Und das bleibt erhalten." Von einer ganzen Siedlungsanlage wisse er nichts. "Ich kenne nur das Grabfeld." Aber es würden im Laufe des Genehmigungsprozesses noch weitere Untersuchungen und Sondierungen folgen. Sollte sich die Vermutung von Carmen Baehr bestätigen, müsse der Landkreis Diepholz als Genehmigungsbehörde und im Nachgang die Firma M+S reagieren.

Heiner Hickmann, Denkmalpfleger des Landkreises, vermutet nicht, dass sich dort eine Siedlungsanlage befand. Denn man wohne nicht da, wo man bestattet. Er schließt aber nicht aus, dass sich unter der Erde weitere Gräber befinden. "Doch das spricht nicht gegen einen Sandabbau."

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