Weyhes Bürgermeister Frank Lemmermann im Sommerinterview Verschönerung des Ortskerns braucht Zeit

Weyhe. In unserem Sommerinterview nimmt Bürgermeister Frank Lemmermann Stellung zu Themen wie Rettungswache und Lahauser Brücke. Und auch an der Fußballweltmeisterschaft war bei Werder-Fan Lemmermann natürlich kein Vorbeikommen.
07.07.2010, 06:00
Lesedauer: 7 Min
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Von Hauke Gruhn

Weyhe. Rettungswache, Lahauser Brücke oder Andreas Bovenschultes Bremer Karriere - dass es in der Sommerzeit keine diskussionswürdigen Themen gibt, kann man in Weyhe nicht behaupten. In unserem Sommerinterview nimmt Bürgermeister Frank Lemmermann Stellung zu diesen und weiteren Themen, die die Gemeinde nach dem Sommer weiter beschäftigen werden. Und auch an der Fußballweltmeisterschaft war bei Werder-Fan Lemmermann natürlich kein Vorbeikommen.

Herr Lemmermann, normalerweise ist der 'Star' einer Gemeinde der Bürgermeister. In den vergangenen Wochen war Ihr Stellvertreter Andreas Bovenschulte durch seinen Aufstieg zum Bremer SPD-Chef der gefragteste Mann. Im Fußball kommt in solchen Situation manchmal Neid auf. Wie sieht's im Rathaus aus?

Frank Lemmermann:Ich sehe den Bürgermeister einer Gemeinde nicht als 'Star' an. Die Stars sind eigentlich die vielen Kollegen, die es einem Bürgermeister erst möglich machen, für die Gemeinde erfolgreich zu sein. Stars in einer Gemeinde sind auch die vielen ehrenamtlich Tätigen, ohne die viele tolle Angebote gar nicht möglich wären. Im übrigen: Andreas Bovenschulte und ich spielen ja nicht in einer Fußballmannschaft, sondern im Team Rathaus. Ich bin nicht neidisch, ganz im Gegenteil, ich gönne Andreas Bovenschulte den von ihm angestrebten und letztendlich auch erreichten Job. Ich glaube er wird seine Arbeit gut und erfolgreich machen.

Der Weyher CDU-Fraktionschef sieht den Ersten Gemeinderat Bovenschulte schon als kommenden Bremer Senator? Brauchen Sie bald einen neuen Stellvertreter?

Naja, erst einmal ist Andreas Bovenschulte Landesvorsitzender der SPD in Bremen geworden, dazu habe ich ihm gratuliert. Er ist ein relativ junger Mann und hat die Zukunft vor sich. Wer kann heute schon sagen, was in einem Jahr oder später wird? Mit Prognosen ist das immer so eine Sache, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen. Ich hoffe, Andreas Bovenschulte wird Weyhe noch lange erhalten bleiben.

Für Schlagzeilen sorgte Ihr Stuhrer Amtskollege Cord Bockhop, indem er sich als Landratskandidat präsentierte. Was erwarten Sie von einem Landrat Bockhop?

Cord Bockhop ist sicherlich ein guter Kandidat für das Amt des Landrates. Ich habe Cord Bockhop jetzt über drei Jahre als Nachbar-Bürgermeister kennengelernt. Die Zusammenarbeit ist wirklich hervorragend und vertrauensvoll und geprägt von vielen gleichen Zielen und Rahmenbedingungen. Ich wünsche Cord Bockhop Erfolg bei seiner Kandidatur, eventuell wird er ja sogar von der SPD im Landkreis unterstützt. Ich würde diese Unterstützung begrüßen. Wenn er dann Landrat geworden ist, möchte ich auf der schon erwähnten Basis mit ihm weiter zusammenarbeiten.

Die Zusammenarbeit zwischen Stuhr und Weyhe läuft alles in allem fast reibungslos. Wie sehr ist diese Kooperation mit dem Namen Cord Bockhop verbunden?

Die Weiterentwicklung der guten Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden Stuhr und Weyhe hat sicherlich auch mit dem guten Verhältnis zwischen Cord Bockhop und mir zu tun. Jetzt sind wir aber meiner Meinung nach in einer Phase, in der die Zusammenarbeit ein sogenannter Selbstläufer zu werden scheint. Die Räte der Gemeinden arbeiten vertrauensvoll zusammen. Das Arbeitsklima würde ich als sehr sachlich bezeichnen. Das alles ist eine gute Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit, auch wenn eine zentrale Person ersetzt würde.

Der Ortsteil Leeste bleibt ein Sorgenkind. Die Leester Straße ist saniert - viele Geschäfte stehen leer. Die Gemeinde hat einen Schmuckplatz am Henry-Wetjen-Platz gebaut - und niemand setzt sich hin.

Der Henry-Wetjen-Platz wurde mit der Bevölkerung geplant und jetzt von der Gemeinde umgesetzt. Er ist nicht nur der Eingang zur Leester Straße, sondern lädt auch zum Verweilen ein. 'Niemand setzt sich hin' lasse ich so nicht stehen. Die Ersten haben schon da gesessen, als die Absperrgitter noch gestanden haben. Auch jetzt sehe ich, wenn ich vorbei fahre, oft Menschen sitzen. Bisher war unser Wetter aber auch nicht so, dass man sich auf eine Bank setzt und die Seele baumeln lässt. Bei dem sommerlichen Wetter wird sich das bestimmt nachhaltig ändern. Zur Leester Straße: Sie haben sicher Recht, es stehen Geschäfte leer. Im Rathaus planen wir Maßnahmen, um den Ortsteil und die Leester Straße attraktiv zu machen. Wir beabsichtigen, übrigens erstmals in der Geschichte der Gemeinde, Städtebauförderungsmittel für die Gestaltung des Ortskerns Leeste einzuwerben. Wir werden das Grundproblem, die relativ geringe Breite der Leester Straße, nicht ändern können. Eine Umgehungsstraße scheint mir aber keine Alternative zu sein. Wir werden uns in Abstimmung mit den Anliegern bemühen, den Ortskern Leeste zu verschönern. Das braucht Zeit, die werden wir uns nehmen, getreu dem Motto: Qualität vor Schnelligkeit.

Das Thema Rettungswache Leeste erhitzte zuletzt die Gemüter. Fühlen Sie sich inzwischen vom Landkreis ausreichend eingebunden in der Thematik?

Das Thema Rettungswache ist ein sehr wichtiges. Insofern war es wichtig, alle Informationen zu bekommen und sie allen Ratsmitgliedern zur Verfügung zu stellen. Ich gehe davon aus, dass jetzt alle Informationen bekannt sind. Wir werden uns in aller Sachlichkeit mit dem Thema auseinandersetzen und dann unsere Meinung, also die der Gemeinde Weyhe, bekannt geben. Wir bezahlen die Rettungswache nicht, auch nicht einen eventuellen Neubau. Die Stellen, die das Geld geben, werden sicher ein erhebliches Wort mitreden wollen. Vielleicht kann man mit guten Argumenten dazu beitragen, eine sinnvolle Entscheidung, die den Bürgern dient, zu finden. In Leeste wird ein Facharzt-Zentrum geplant. Ob und gegebenenfalls inwieweit dadurch Synergieeffekte erzielt werden können, werden die Fachleute sicherlich besser beurteilen können als ich. Wichtig ist, dass die Menschen im Mittelpunkt der Entscheidung stehen und nicht am Rande.

Die Weyher Politik hat kürzlich für die weitere Zusammenarbeit mit dem Kommunalverbund gestimmt. Wo hakt es und wo sehen Sie die Chancen?

Ich bin ein Verfechter der interkommunalen Zusammenarbeit. Mit Stuhr arbeiten wir schon auf dieser Basis zusammen. Wir leben in der Region Bremen. Bremen ist zugleich auch unser Oberzentrum. Da gibt es natürlich erhebliche Berührungspunkte. An dieser Stelle möchte ich die wirklich gute Zusammenarbeit mit Bremen hervorheben. Im Projekt Straßenbahn bis Weyhe-Leeste - und dann die Fortführung bis Kirch- und Sudweyhe - arbeiten wir mit Bremen und Stuhr gut zusammen. Der Lückenschluss zwischen Dreye und Arsten ist ein weiteres tolles Projekt. Bremen hat bewiesen, dass es guten Kontakt mit den Umlandgemeinden wünscht. Dass da hin und wieder mal eine 'Unwucht' spürbar ist, liegt wohl auch in der Natur der Sache. Was mir wichtig ist: Der Wille zur Verständigung ist vorhanden. Ich habe mir kürzlich vom Gemeinderat den Auftrag erneuern lassen, zielorientiert im Kommunalverbund weiterzuarbeiten. Ich halte ihn für unverzichtbar, wenn wir die interkommunale Zusammenarbeit ernsthaft voranbringen wollen. Wir müssen Vertrauen aufbringen, wir müssen unsere Ziele aufeinander abstimmen und sie zum größtmöglichen Nutzen für alle Beteiligten umzusetzen. Das geht, zumindest zurzeit noch, nicht ohne Moderation. Diese Moderation wird vom Kommunalverbund sehr gut geleistet. Eine Aufgabe des Kommunalverbundes ist die Stärkung der Region. Nur wenn wir in einer starken Region leben, werden wir auch in Europa wahrgenommen. Deshalb ist meiner Meinung nach eine weitere Stärkung des Kommunalverbundes wünschenswert. Wenn die Bürger wüssten, wie viele Entscheidungen in Europa direkten Einfluss auf uns alle haben, würden sie sich sicherlich mehr an den Europawahlen beteiligen

Zum Jahresende scheidet die Kulturbeauftragte Angelika Wieduwilt aus dem Amt. Wird es einen Nachfolger geben - und wenn ja, wann wird dieser feststehen?

Es ist wirklich schade, dass Angelika Wieduwilt in Rente gehen will. Sie hat eine hervorragende Arbeit geleistet. Natürlich wird es einen Nachfolger geben. Ich habe den Fachbereich Bildung und Freizeit gebeten, mir ein Anforderungsprofil und eine Stellenbeschreibung zu erstellen. Wenn alles abgestimmt ist, werden wir wohl die Stelle ausschreiben und dann hoffentlich kurzfristig zu einer Nachbesetzung kommen. Ich möchte aber auch betonen, dass wir auf dem Gebiet Kultur auch mit anderen Organisationen zusammenarbeiten möchten. Ich denke da etwa an die Volkshochschule. Ein erstes Gespräch hat stattgefunden. Auch die VHS kann sich eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet durchaus vorstellen.

Die Gemeinde hat die Zusammenarbeit mit dem Umweltzentrum Stuhr auf Eis gelegt. Was war eigentlich der Anlass dafür?

Es ist richtig, die Gemeinde Weyhe arbeitet nicht mehr mit dem Umweltzentrum Stuhr zusammen. Wir haben ein eigenes Projekt auf die Beine gestellt: Klimaschutz Weyhe Plus. Ich bin der Meinung, dass wir damit den Bürgern einen guten Dienst zur Verfügung stellen. Da ist eine Zusammenarbeit mit dem Umweltzentrum Stuhr entbehrlich. Das ist gut so. Über den Anlass für die Beendigung der Zusammenarbeit möchte ich mich an dieser Stelle nicht äußern. Ich bitte um Verständnis. Es gibt allerdings gute Gründe für eine Beendigung, sonst hätte ich das nicht so entschieden.

Die Lahauser Brücke soll jetzt bis mindestens 2012 gesperrt bleiben. Hat eine Gemeinde wie Weyhe keine Chance, sich gegen die Bahn durchzusetzen?

Die Bahn hat wohl viele Baustellen zu berücksichtigen. Vielleicht ist aus der Sicht der Bahn die Lahauser Brücke nicht so wichtig wie für uns. Es ist zwar noch nicht endgültig entschieden, ob wir die für den Brückenbau notwendigen Sperrpausen, in denen keine Züge die Baustelle passieren, genehmigt bekommen werden, aber ein späterer Zeitpunkt als der bisher geplante für das Jahr 2011 zeichnet sich ab, leider. Ich wünsche mir, dass die Bahn hin und wieder ein wenig mehr Kooperationsbereitschaft an den Tag legen würde, aber das Leben ist leider kein Wunschkonzert.

Wer wird Weltmeister - und in welche Richtung verlässt Mesut Özil Werder?

Gegen England und Argentinien wurde schneller, erfolgsorientierter Fußball gespielt. Das war gut anzusehen. Mit Spanien haben wir jetzt den nächsten schweren Gegner vor der Brust. Wenn die deutsche Mannschaft wieder eine gute bis sehr gute Leistung bringen kann, ist alles möglich. Ich hoffe natürlich, dass Deutschland bis in das Endspiel kommt und das dann auch gewinnt. Mesut Özil bleibt Werder Bremen hoffentlich noch lange erhalten. Wenn er gut drauf ist, kann er allein ein Spiel entscheiden. Wenn er geht, möge er sich bitte einen wirklich guten Verein aussuchen und nicht 'aus sportlichen Gründen' nach Schalke gehen, wie etwa Fabian Ernst.

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