Diskussion um Änderung der Startroute Viel Lärm um Fluglärm in Stuhr

Es wurde viel diskutiert, aber ohne Ergebnis: Ohne weitere Informationen wollte der Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt nicht über eine Änderung der Flugroute über Stuhr urteilen.
15.06.2018, 16:40
Lesedauer: 3 Min
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Viel Lärm um Fluglärm in Stuhr
Von Claudia Ihmels

Eins vorweg: Wirklich schlauer ist am Donnerstagabend niemand nach Hause gegangen, nachdem im Stuhrer Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt über eine Änderung der Flugrouten diskutiert worden ist. Zu gegensätzlich waren die Aussagen der beiden Referenten, ob eine länger geflogene Linkskurve möglich ist und wenn ja, welche Entlastung und Belastung das lärmtechnisch für wen bringt.

Auch die Politik sah sich so nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. Deutlich wurde aber, dass das Thema die Menschen in Stuhr bewegt – zahlreiche Bürger waren gekommen, viele klagten über die Lärmbelästigung durch die startenden Flugzeuge. Wie berichtet, wurde in der Fluglärmkommission (FLK) des Bremer Flughafens ein Antrag auf Änderung der Flugroute Richtung Süden, die über Stuhr verläuft, gestellt.

Volker Reinhold, stellvertretender Vorsitzender der FLK und Beisitzer in der Vereinigung zum Schutz Flugverkehrsgeschädigter, stellte zunächst den Antrag und den Ist-Zustand aus seiner Sicht vor. Die Abflugroute über Stuhr sei die wichtigste des Flughafens, so Reinhold. Sein Ziel: Die Kurve soll länger geflogen werden, sodass die Flugzeuge nicht über Alt-Stuhr und Moordeich steigen, sondern über dem Gewerbegebiet Stuhrbaum. Er betonte, dass ihm noch am Mittwoch ein Pilot bestätigt hatte, dass das heute technisch möglich wäre. Reinhold schlug einen zweijährigen Probebetrieb vor.

Verschiedene Varianten untersucht

Anschließend referierte Uwe Hummert, bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) zuständig für die Bereiche Fluglärm und Umwelt. Und er stellte klar: "Auch wir wollen, dass möglichst wenige Menschen von Fluglärm betroffen sind." Er machte aber auch deutlich, dass er den Vorschlag von Reinhold für nicht realisierbar hält. "Wir haben 2015 verschiedene Varianten untersucht", sagte er.

Dabei sei man zu dem Schluss gekommen, dass man auch bei einer späteren Ausleitung der Kurve nicht an den Punkt kommt, der die Route über Stuhrbaum verschieben würde. Eine enger geflogene Kurve hält Hummert ebenfalls nicht für möglich. Schon die jetzige Kurve sei "recht eng". Reaktionen aus dem Zuschauerraum gab es nach den Vorträgen reichlich.

"Ich wohne seit 40 Jahren in Stuhr. Früher sind über Stuhr kaum Maschinen gestartet, die meisten über Brokhuchting", sagte ein Bürger. Er war sich sicher, dass das zugunsten von Bremen über Stuhr verschoben wurde. Eine Zuschauerin aus Groß Mackenstedt sah das ähnlich: "Die Flüge sind mehr geworden." Uwe Hummert entgegnete: "Der Lärm kann nur verteilt werden. Das ist die Gretchenfrage. Huchting hat die Anflüge."

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Ein Mann aus Seckenhausen warf ein, dass der Vorschlag von Volker Reinhold auch eine "Verschlimmbesserung" zur Folge haben könnte. Auch ein Bewohner aus Stuhrbaum meldete sich zu Wort. "In Stuhrbaum gibt es auch 70 Wohnhäuser", sagte er. Frank Schröder (CDU) war das alles noch nicht stichhaltig genug.

"Bevor wir politisch diskutieren können, müssen wir mehr Fakten hören. Das muss eine Grundlage haben", sagte er. Auch Fachleute seien gefragt. Kristine Helmerichs (Grüne) erinnerte sich daran, dass schon 1995 über das Thema diskutiert wurde. "Wir hatten eine haarige Auseinandersetzung mit Huchting", berichtete sie, die Details wisse sie aber nicht mehr.

Deshalb forderte sie, dass die damaligen Ereignisse recherchiert und vorgestellt werden. Außerdem wies sie auf den Lärmaktionsplan der Gemeinde Stuhr hin. "Auch das müssen wir aufbereiten", sagte sie. In Richtung Stuhrbaum betonte sie: "Auch da sind 70 Häuser, die haben auch schon die Belastung durch die Autobahn. Wir verteilen nur Lärm."

Unterstützung bleibt zunächst aus

Rolf Meyer (SPD) teilte Helmerichs Einwände und gab außerdem zu bedenken, dass die Stuhrer nicht nur unter Fluglärm leiden, sondern auch unter Verkehrslärm und Lärm durch Baustellen. "Ich möchte wissen, wie hoch die Belastung für die Bewohner der 70 Häuser ist", fügte er hinzu. Gerd-Wilhelm Bode (Besser) plädierte dafür, den Gesamt-Lärmeinfluss zu betrachten.

"Wer einen Flughafen in der Stadt hat, kommt nicht ohne Lärm aus", sagte er außerdem. Außerdem würde ihn interessieren, wer von den beiden Referenten denn nun recht hat. Jan-Alfred Meyer Diekena (FDP) setzte sich ebenfalls für ein vorsichtiges Vorgehen ein. "Man kann sich nicht hinstellen und sagen, dass wir das Fass jetzt aufmachen. Es könnte auch schlimmer kommen", warnte er.

Die von Volker Reinhold erhoffte Unterstützung der Stuhrer Politik für seinen Antrag blieb daher zumindest zunächst aus. Vom Tisch ist eine Änderung der Flugroute deshalb aber nicht. "Die Beteiligung zeigt, dass es ein bewegendes Thema ist", fasste es Ralph Ahrens (CDU) zusammen.

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