Bäckereien führen eigene Becher ein

Weg mit dem Einweg-Kaffeebecher

Unmengen an "Coffee To Go"-Pappbechern landen jeden Tag auf dem Müll. Ab dem 1. März führen daher zwei hiesige Bäckereien eigene Mehrweg-Becher ein. Doch nicht nur die Umwelt soll davon profitieren.
27.02.2018, 17:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Lieselotte Scheewe
Weg mit dem Einweg-Kaffeebecher

Gefäß gefällig? Carsten Wittek, Geschäftsführer der Bäckerei Hansemann (links), und Markus Meyer von der Bäckerei Brüne-Meyer bieten ab dem 1. März eigens bedruckte Mehrwegbecher an, in den sich ihre Kunden künftig den "Coffee To Go" füllen lassen können.

Sebi Berens

Unmengen an Pappbechern landen jeden Tag auf dem Müll. Der „Coffee To Go“ ist praktisch und passt in den Alltag vieler Menschen. „Schnell noch ´nen Kaffee holen“ vor der Arbeit, nach der Arbeit, in der Mittagspause. Vereinzelt lassen sich Kunden ihren Kaffee oder Tee in ihren eigenen Thermo- oder Plastikbecher füllen. Das soll sich bei den Bäckereien Brüne-Meyer und Hansemann in Stuhr und Weyhe nun ändern – beziehungsweise deutlich mehr werden. Ab dem 1. März führen die beiden Bäckereien einen eigenen Mehrwegbecher ein, um die Müllberge einzudämmen. Und auch die Kaffee-Käufer sollen davon profitieren.

„Es ist eine extrem hohe Verschwendung“, sagt Carsten Wittek, Geschäftsführer der Bäckerei Hansemann. Aus seiner Erfahrung weiß er, dass sehr viele seiner Kunden ihren Kaffee mitnehmen. Manche kämen sogar täglich, und jedes Mal wandere der Kaffeebecher in den Müll. „Das muss nicht sein. Als Bäcker haben wir die Chance, da beizukommen“, sagt er. Gemeinsam mit Markus Meyer von der Bäckerei Brüne-Meyer hat er deshalb beschlossen, eigene Mehrwegbecher einzuführen.

320.000 Becher in der Stunde

Laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) werden in Deutschland stündlich sage und schreibe rund 320.000 „Coffee To Go“-Becher verbraucht. 70 Prozent der Verbraucher greifen demnach besonders häufig oder gelegentlich zu Einwegbechern. Ein durchschnittlicher Einwegbecher besteht, so schreibt es die DUH, in der Regel zu fünf Prozent aus dem Kunststoff Polyethylen – dazu kommt noch der Plastikdeckel und gelegentlich Rührstäbchen, Papiermanschetten oder Tragehilfen aus Pappe. Das Problem bei den Materialien erklärt die DUH wie folgt: „Einwegbecher bestehen überwiegend aus Papierfasern, für deren Herstellung in aller Regel Neumaterial eingesetzt wird. Es werden praktisch keine Recyclingpapierfasern genutzt, sodass für die Herstellung der Pappbecher neue Bäume gefällt werden müssen. Weil die Einwegbecher nicht nur aus Pappe, sondern anteilig auch aus Kunststoff bestehen, wird auch Rohöl zur Becherproduktion benötigt."

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Das Bäckereihandwerk beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit der Problematik. Der Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks setzt sich für die Einführung von Mehrwegbechern ein, indem er einen eignen Innungsbäcker-Mehrwegbecher anbietet, den jede Bäckerei mit individuellem Logo ausstatten und vertreiben kann.

30 Prozent mehr Inhalt

Die Bäckereien Brüne-Meyer und Hansemann haben, angestoßen durch die zentralen Aktionen und Forderungen der Verbände, ihren Becher selbst ausgewählt. Bei Hansemann wird ab März ein schlichter schwarzer Kunststoffbecher mit Schraubverschluss und dezentem Logo der Bäckerei über die Ladentheke gehen. Bei Brüne-Meyer wird den schwarzen Becher das gelbe Bäckereilogo zieren. Bei Hansemann kostet der Becher 5,95 Euro. Die erste Füllung ist dabei kostenlos. Und: Weil der Becher größer ist als die anderen Becher, erhält der Kunde bei jeder neuen Füllung 30 Prozent mehr Inhalt – bei gleichem Preis für ein Heißgetränk. Gereinigt werden sollte der Becher von den Kunden selbst. In Ausnahmefällen spült aber auch die Bäckerei einen nicht allzu verschmutzen Becher aus, heißt es. „Wir achten sehr auf die Hygiene und haben alle Mitarbeiter geschult, wie sie mit den Mehrwegbechern umgehen“, sagt Wittek. Bedenken habe er aber keine, schließlich funktioniere das System auch schon mit den von Kunden mitgebrachten Mehrwegbechern.

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„Es wird vielleicht eine Weile dauern, und wir müssen den Kunden vielleicht auch ein bisschen erziehen, aber wir hoffen, dass es angenommen wird“, sagt Wittek. Die Abschaffung der Plastiktüten in seinen Geschäften zeige ihm, dass eine Umstellung problemlos funktionieren kann. Vor einem halben Jahr hatte er beschlossen, in den Filialen keine Plastiktüten mehr zu verwenden. Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt bringen seine Kunden ihre Tüten mit oder nehmen Papiertüten. „Man sieht: es geht. Es geht eigentlich so einfach“, sagt er. Den Schritt zu den Mehrwegbechern gehen Carsten Wittek und Markus Meyer aus Überzeugung: „Wir haben die Chance. Und wenn man was tun kann für die Umwelt, dann müssen wir alles geben. Dann kriegt man es auch hin“, sagt Wittek.

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