Weltfrauentag in Stuhr Weyhe Weibliche Führungskräfte und Durchsetzungsvermögen

Stuhr·Weyhe. Zum Weltfrauentag berichten Frauen aus Stuhr und Weyhe, wie sie es geschafft haben, sich in der Männerwelt durchzusetzen.
08.03.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Markus Tönnishoff und Hauke Gruhn

Stuhr·Weyhe. Frauen bekommen noch immer für gleiche Arbeit weniger Geld als Männer. Frauen schaffen es seltener, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Daran wird zum heutigen Weltfrauentag vielerorts erinnert. Wir haben mit Frauen aus Stuhr und Weyhe gesprochen, die es geschafft haben, sich in der Männerwelt durchzusetzen. Ob als Chefin, als Chorleiterin oder als Trainerin.

Bärbel Schmid wagte 2006 den Sprung in die Selbstständigkeit. Sie gründete eine Unternehmensberatungsfirma, nachdem sie zuvor lange Zeit als Leiterin im Rechnungswesen bei verschiedenen Unternehmen tätig war. In ihrer Branche gibt es nur wenige Frauen in Führungspositionen. 'Woran das liegt? Ich weiß es nicht genau', sagt Schmid, die sich seit einiger Zeit mit anderen Unternehmerinnen im Weyher Netzwerk 'Fairnet' zusammengeschlossen hat. 'Mein Job hat viel mit Zahlen zu tun, vielleicht schreckt das viele Frauen ab', ergänzt sie. Aus ihrer Sicht scheitern viele Frauen beruflich an mangelndem Selbstbewusstsein: 'Viele Frauen sind besser ausgebildet als ihre männlichen Kollegen, aber sie müssen auch dazu stehen, was sie können', findet die Unternehmerin.

Gegen Schubladendenken

Frauen seien nicht die schlechteren Verhandlungspartner, generell könnten sie im Job - wie Männer - sachlich und konsequent agieren, sagt Schmid. Der Trend gehe allerdings schon in die Richtung, dass immer mehr Frauen ihre Karriere planten und in die erste Reihe drängen, so ihre Beobachtung. Das weit verbreitete Schubladendenken lehnt die Weyherin ab: 'Es gibt doch sowohl Frauen mit sogenannten männlichen Eigenschaften als auch Männer mit sogenannten weiblichen Eigenschaften. Nur wird bei Frauen, die sich durchsetzen können, gleich gesagt: Guck mal, die hat ja Haare auf den Zähnen.' Dass es den Weltfrauentag gibt, findet Bärbel Schmidt richtig. 'Es ist schon wichtig, auf Benachteiligungen aufmerksam zu machen.'

In einer Männerwelt behaupten muss sich auch Anita Balode-Butt. Sie leitet seit fünf Jahren den Männerchor Eintracht Weyhe. Der Name sagt es schon, Frauen sind dort außer ihr keine anzutreffen. Für Balode-Butt halb so schlimm: 'Es ist für mich sogar ein Vorteil, als Frau den Chor zu leiten', sagt sie. 'Alle verhalten sich mir gegenüber sehr respektvoll. Das macht mir eine Menge Spaß. Bei einem männlichen Chorleiter gäbe es vielleicht sogar mehr Unordnung.' Die Weyherin stammt ursprünglich aus Lettland, daher kann sie die Rolle der Frau in Deutschland und in ihrer Heimat gut vergleichen. 'Hier haben es Frauen leichter', findet Balode-Butt. 'In Lettland müssen wir zum Beispiel viel härter arbeiten.' Dafür schaffen es in ihrer Heimat Frauen auch oft in Führungspositionen, erzählt sie. Das heutige Datum hat für Anita Balode-Butt schon eine besondere Bedeutung: 'Der Weltfrauentag ist mir wichtig. In Lettland wird er am 8. März immer groß gefeiert. Und Frauen bekommen dort auch immer viele Blumen geschenkt...'

Ilona Flügel aus Stuhr hat sich vor zehn Jahren selbstständig gemacht und ihr Logistikunternehmen Lopastuhr gegründet. Ihr Erfolgsrezept: 'Es ist wichtig, dass man als Frau die Sprache der Männer spricht. Frauen können oft nicht klar ja oder nein sagen.' Das jedoch sei in der Geschäftswelt nun einmal wichtig. 'Wenn ich von einer Bank einen Kredit in Höhe von 100000 Euro haben will, muss ich auch ein klares Konzept vorlegen können.'

Keine Akzeptanzprobleme hat Britta Weiner. Sie trainiert die Herren-Volleyballmannschaft des SC Weyhe. Unter jungen Männern kann es verbal durchaus derb zugehen, da fallen schon mal Kraftausdrücke. 'Aber das bleibt unter den Sportlern', berichtet Weiner. Sie müsse auch selten laut werden. Viele Trainerinnen gibt es im Volleyball-Bereich nicht. 'Das ist schon sehr zeitintensiv, vielleicht liegt es daran', vermutet die Weyherin. Den Weltfrauentag hatte sie nicht auf ihrem Terminkalender vorgemerkt. 'Mir ist das nicht so wichtig', sagt sie. Viel wichtiger: Diese Woche könnte sie mit ihren Männern den Aufstieg in die Verbandsliga klarmachen.

Für Stuhrs Gleichstellungsbeauftragte Annegret Merke ist der Frauentag immer noch ein wichtiges Signal. 'Der Tag ist wichtig, weil viele Forderungen der Frauen, zum Beispiel die nach gleichem Lohn, immer noch nicht erfüllt sind. Auch werde Frauen der Zugang zu manchen Firmen verwehrt. 'Ich weiß von einer Bremer Steuerberatungskanzlei, die keine Frauen einstellt. Angeblich wollen die Kunden männliche Steuerberater. Es reiche für Frauen oft nicht, einfach besser zu sein.

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