Deutsch-Französisches Jugendwerk

Weibliche Spitze in Stuhr

Martina Heathcote ist neue Vorsitzende des Deutsch-Französischen Jugendwerkes in Stuhr. Sie folgt auf Hermann Rendigs. Neue Geschäftsführerin und Nachfolgerin von Helga Campsheide ist Frauke Wulf.
27.10.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Weibliche Spitze in Stuhr
Von Christoph Starke
Weibliche Spitze in Stuhr

Engagieren sich für die deutsch-französische Freundschaft: Martina Heathcote (links) und Frauke Wulf.

Udo Meissner

Martina Heathcote ist neue Vorsitzende des Deutsch-Französischen Jugendwerkes in Stuhr. Sie folgt auf Hermann Rendigs. Neue Geschäftsführerin und Nachfolgerin von Helga Campsheide ist Frauke Wulf.

Plötzlich erschienen Professor Brinkmann und Oberschwester Hildegard auf der Mattscheibe. Martina Heathcote konnte und wollte ihren Augen nicht trauen: „Die Schwarzwaldklinik“ im französischen Fernsehen. Dabei hatte sich die Familie Heathcote extra dazu entschieden, keine Satellitenschüssel zu kaufen, um deutsche Fernsehsender zu empfangen. Sie wollten französische Nachrichten, Filme und Serien schauen. Eine Anekdote, die Martina Heathcote gerne erzählt, wenn sie auf ihre Zeit in Frankreich angesprochen wird. Die Heathcotes lebten dort berufsbedingt fast sieben Jahre.

Auch sonst ist Martina Heathcote sehr frankophil. Ihre Leidenschaft und ihr Hintergrund prädestinieren sie quasi dafür, den Vorsitz des regionalen Förderkreises des Deutsch-Französischen Jugendwerks zu übernehmen. Was sie auch tat. Vor Kurzem wählte sie die Mitgliederversammlung des Vereins zur neuen Vorsitzenden. Sie tritt damit in die Fußstapfen von Hermann Rendigs. Zeitgleich mit Rendigs hörte Förderkreis-Geschäftsführerin Helga Campsheide auf. Ihre Nachfolgerin ist Frauke Wulf. Damit bleibt das Amt im Stuhrer Rathaus. Denn dort ist Helga Campsheide Fachbereichsleiterin des Bürgerservices und Frauke Wulf Kulturkoordinatorin. Sie und Martina Heathcote sind für zwei Jahre gewählt. Der Förderkreis ist für die Landkreise Diepholz, Oldenburg und die Stadt Delmenhorst zuständig. Das französische Pendant nennt sich Comité de Liaison Maine-Basse-Sax.

„Ich bin so peu à peu reingerutscht“, verwendet Martina Heathcote eine französische Redensart, um zu erzählen, wie sie zu ihrem neuen Ehrenamt gekommen ist. Als sie und ihre Familie nach fast sieben Jahren 2002 in ihre Heimatgemeinde („Ich bin ein Stuhrer Kind“) zurückkehrte, wurde gerade der erste deutsch-französische Partnerschaftsverein gegründet. Dem sei die Brinkumerin dann 2003 beigetreten. Der Verein wiederum ist Mitglied im Förderkreis. Und in ihn wurde Martina Heathcote als Vertreterin des Partnerschaftsvereins entsandt. Wenig später engagierte sie sich bereits im Vorstand des Förderkreises. Seit 2007 ist sie außerdem zuständig für das Tandem-Sprach-Programm (siehe Kasten).

Ihre Leidenschaft für Frankreich geht noch weiter zurück. Als Schülerin hatte sie in den 1980er-Jahren am Austausch teilgenommen. „Damals wusste ich natürlich noch nicht, wie wichtig das ist“, sagt sie. Sie schrieb sich damals regelmäßig mit ihrer Austauschpartnerin, doch dieser Kontakt ruhte dann einige Jahre, bis es die Familie Heathcote nach Toulouse verschlug. In Frankreich kamen auch ihre beiden Kinder zur Welt. Ihr Französisch dürfte mittlerweile perfekt sein, mag man denken, aber die 48-Jährige bleibt bescheiden: „Ich mache auch noch meine Fehler. Und ich lasse mir immer noch gerne helfen. Man lernt ja nie aus.“

„Anders, aber auch ganz logisch“, sei Frauke Wulf zu ihrem neuen Amt gekommen. „Ich bin im Rathaus unter anderem für die Städtepartnerschaften zuständig und betreue die anderen Partnerschaftsvereine“, erzählt sie. Außerdem hatte der Förderkreis das Stuhrer Rathaus als offizielle Adresse. Frauke Wulf: „Das sollte auch so bleiben.“ Das ist seit jeher der Fall, bedingt durch die Tatsache, dass auch Frauke Wulfs Vorgängerin Helga Campsheide im Verwaltungsgebäude der Gemeinde arbeitet. Hermann Rendigs habe die Bremerin als neue Geschäftsführerin ins Spiel gebracht, erzählt die 33-Jährige, die seit 2011 im Stuhrer Rathaus arbeitet.

Und ein gewisses Faible für das Nachbarland hat sie auch. „Ich habe Französisch in der Schule gehabt und bin auch gerne in Frankreich“, lässt sie wissen. Ihre sprachlichen Fähigkeiten würde sie gerne noch verbessern, hält aber fest: „Ich kann den meisten Gesprächen folgen.“ Es sei auch gar nicht so wichtig, die Sprache perfekt zu können, spricht Martina Heathcote aus Erfahrung. „Sobald die Franzosen merken, dass man mit Herzblut dabei ist, schließen sie einen sofort ins Herz.“

Auch mit Martina Heathcote und Frauke Wulf will der Förderkreis Partnerschaften fördern und pflegen oder auch mal als Mediator einspringen, „wenn es mal kriselt in einer Beziehung“, wie Martina Heathcote es ausdrückt. Viel Engagement und Zeit beansprucht das Tandem-Programm, frühzeitig müsse sich um Kandidaten und Unterkünfte gekümmert werden. „Nach dem Tandem ist vor dem Tandem“, fasst es Martina Heathcote zusammen. „Das ist der Schwerpunkt des Förderkreises“, ergänzt Frauke Wulf. Eine Internetseite des Förderkreises befinde sich zudem in Arbeit. Mit Fotos und Filmen soll diese bestückt werden. Auch ein Verzeichnis mit allen Schulpartnerschaften ist denkbar.

Und ganz akut sucht der Förderkreis noch einen deutschen Teilnehmer für das Brigitte-Sauzay-Austauschprogramm (siehe Kasten). Ein Jugendlicher aus Frankreich stehe bereits in den Startlöchern, wie Martina Heathcote verrät. „Soline ist 15, er kommt aus Saint-Étienne.“ Er habe bereits am Tandem-Projekt teilgenommen.

Und der nächste Besuch steht auch vor der Tür: Für Ende dieses Monats hat sich eine kleine Delegation aus dem Partner-Förderkreis Comité de Liaison Maine-Basse-Sax angesagt. Vielleicht schaut man ja zusammen „Die Schwarzwaldklinik“ – die Serie ist vor Kurzem 30 Jahre alt geworden.

Brigitte-Sauzay-Programm

Das Brigitte-Sauzay-Programm richtet sich an Acht- bis Elftklässler. „Die Teilnehmer verbringen drei Monate am Stück, mindestens 84 Tage, im jeweils anderen Land“, heißt es von Seiten des Deutsch-französischen Jugendwerks. „Während seines Aufenthaltes lebt der Schüler in der Familie seines Austauschpartners und besucht mit ihm gemeinsam mindestens sechs Wochen lang die französische Schule.“ Es gibt auch Fördermöglichkeiten. Interessierte können sich bei per E-Mail: martina@heathcote-mail.de an Martina Heathcote wenden.

Binationale Tandemkurse

In den binationalen Tandemkursen sollen Franzosen und Deutsche miteinander und voneinander zu lernen. „Jeden Tag finden etwa fünf Stunden Sprachunterricht im deutsch-französischen Tandem statt“, führt das Deutsch-Französische Jugendwerk aus. „Ergänzt werden die Kurse durch ein Freizeitprogramm aus sportlichen, spielerischen, kreativen oder touristischen Aktivitäten.“ Diese Sprachkurse finden in der Regel in den Sommerferien statt – ein Teil in Frankreich und ein Teil in Deutschland.

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