Besuch in Weyhes Partnergemeinde Coulaines Weinprobe in 40 Metern Tiefe

Weyhe. Müsste man die Aufnahme der Weyher Delegation in der Partnergemeinde Coulaines in Frankreich mit nur einem Wort umschreiben, so müsste das lauten: Herzlichkeit - in Großbuchstaben.
18.05.2010, 08:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss

Weyhe. Müsste man die Aufnahme der Weyher Delegation in der Partnergemeinde Coulaines in Frankreich mit nur einem Wort umschreiben, so müsste das lauten: Herzlichkeit - in Großbuchstaben. In der vergangenen Woche legten knapp 40 Einwohner aus Weyhe und umzu den langen Weg ins französische Departement Sarthe zurück, um zum 39. Mal die Freunde dort zu besuchen. Gestern kehrten sie in aller Frühe wieder heim.

Zu den Erwachsenen aus Weyhe, Syke und Stuhr hatten sich vier Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren dazugesellt. Ihnen war klar, dass sie in den französischen Gastfamilien auf Gleichaltrige treffen würden - und daher mit Sicherheit keine Langeweile aufkommen würde. Schon beim Empfang im Rathaus erlebten die deutschen Gäste dann die erste Überraschung. Aus der lettischen Partnerstadt Madona - Partner sowohl für Weyhe als auch für Coulaines - war eine siebenköpfige Gruppe mit dem Gemeindedirektor Aris Vilskersts angereist. So gab es eine herzliche Begrüßung, dazu natürlich die übliche Stärkung mit Wein, Wasser und Speisen.

Für Christophe Rouillon, den Bürgermeister von Coulaines, war das eine kleine Nachfeier des Europatages, den die Franzosen in diesem Jahr nicht so groß begangen hatten. Für den Rest des Mittwochs und Himmelfahrt standen dann individuelle Ausflüge mit den Gastgebern an. Erst am Freitag gab es wieder ein gemeinsames Programm mit der Gruppe - dieses Mal in Blois. Ein fantastisches Schloss mit einer reichhaltigen Geschichte steht dort an der Loire. Viele Könige hatten sich über die Jahrhunderte dort einquartiert. Die Residenz der ehemaligen Herrscher mit ihren vier Flügeln und den Baustilen aus der Gotik, der Renaissance und der Klassizistik bot den Gästen alles, was ein historisches Bauwerk so aufweisen kann. Also nicht nur dicke Mauern und interessante Dekorationen, sondern auch Einblicke in die ungewöhnliche Lebensweise der alten Blaublüter. Da kam bei Olaf und Tobias Mamat ein ganz leichtes Schmunzeln auf, als sie erfuhren, dass wichtige politische Besprechungen auch schon mal in den prächtigen Himmelbetten abgehalten wurden.

Ein Rap auf die Freundschaft

Mit einem Picknick auf der grünen Wiese stärkten sich die Gäste, um am Nachmittag noch einen Besuch im sogenannten Haus der Magie in Blois zu erleben. Dort gibt es nicht nur Einsichten in das rätselhafte Wirken verschiedener Zauber, sondern auch einen spannenden Abriss über Leben und Arbeit des berühmten Magiers Robert Houdin, gebürtig aus Blois. Wer erwartet hatte, dass sich damit das Programm des Tages schon erledigt hatte, wurde eines Besseren belehrt. Durch die Weinberge von Sarthe und Touraine ging es zum Weinkeller De La Grande Brosse. Bis zu 40 Meter unter die Erde stiegen die Deutschen mit ihren französischen Freunden, um in den Gewölben ein mehrgängiges Menü und die dazu passenden Weine zu verkosten. Schon im zehnten Jahrhundert hatte man aus den Tiefen dort einen besonders trockenen Kalkstein abgebaut, der als Fundament für Schlösser und Kirchen diente. Natürlich konnte so ein vergnüglicher Abend nicht ohne die diversen Trinklieder begangen werden - und zum Glück hatte Norbert Boyer aus Weyhe immer seine Ukulele dabei, sodass trotz gelegentlicher gesanglicher Unsicherheiten alles bestens gelang.

Traditionell wird bei den Besuchen, ob nun in Coulaines oder in Weyhe, für den Abschiedsabend immer ein ganz besonderes Spektakel einstudiert, das die Gäste den Gastgebern präsentieren. Dieses Mal hatte sich Ilsemarie Bennemann einen Rap ausgedacht. Nicht nur mit einem Durchzählen auf Deutsch und Französisch durch die vielen Jahre des Austausches überraschten die Gäste. Zuvor steigerten sie die Spannung, indem sie mit kleinen Sketchen ganz unterschiedliche Szenen darstellten. Alte Herren, schicke Frauen, junge Leute auf Skateboards und Einrädern - und dann in den raptypischen Klamotten und natürlich mit dem Thema 'Vive l?amitié' - es lebe die Freundschaft.

Außerdem genossen Gäste und Gastgeber in dem ländlichen Restaurant eine Unmenge an Köstlichkeiten und sie erstanden Lose einer Tombola, deren Erlös in ein Kinderhilfsprojekt in Madona fließt. Immerhin 450 Euro wurden so am dem Abend eingenommen. Auch als Gastgeschenk hatten sich die Weyher etwas Außergewöhnliches ausgedacht. Sie brachten einen Ginkgobaum mit, daran Bänder in den Farben der Nationalflaggen und mit den Namen der Besucher, dazu passend das Goethe-Gedicht 'Ginkgo Biloba' und einen schweren Granit, versehen mit einer Metallplakette und der Aufschrift 'Weyhe-Coulaines 1972-2010'.

Natürlich hatte die Vorsitzende der deutschen IG Weyhe-Coulaines, Cornelia Mamat, auch die Blumen für die französischen Organisatoren Nicole Ducros, Brigitte Houlbert, Mariline Mereau und Jean-Pierre Perrault nicht vergessen. Nach so viel gemeinsamem Spaß und unterhaltsamen Unternehmungen fiel der Abschied am Sonntag schwer - aber immerhin gibt es ja den Ausblick auf ein Wiedersehen und die Feier zum 40-jährigen Bestehen des Kontaktes im nächsten Jahr in Weyhe.

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