Nach tödlicher Prügelattacke Weyhe stimmt sich auf Demonstrationen ein

Weyhe. Wieder nimmt die Partei die Rechte am Sonnabend den gewaltsamen Tod von Daniel Siefert zum Anlass für eine Demonstration, wieder wollen Politik und Bevölkerung in Weyhe darauf mit einer eigenen Aktion antworten.
08.05.2013, 05:00
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Weyhe stimmt sich auf Demonstrationen ein
Von Sebastian Kelm

Weyhe. Wieder nimmt die Partei die Rechte am Sonnabend den gewaltsamen Tod von Daniel Siefert zum Anlass für eine Demonstration, wieder wollen Politik und Bevölkerung in Weyhe darauf mit einer eigenen Aktion antworten. Die Parteien im Gemeinderat appellieren zum dritten Mal an die Menschen, zahlreich auf die Straße zu gehen und Neonazis so keinen Platz zu bieten. Die rühren derweil schon jetzt die Werbetrommel für ihre Forderung nach einer Umbenennung des Bahnhofsplatzes.

Selten bestand unter den Mitgliedern des Weyher Gemeinderates so viel Einigkeit: Wenn schon die für den kommenden Sonnabend, 11. Mai, angemeldete Versammlung der Partei Die Rechte um Initiator Christian Worch nicht verboten werden konnte, soll den Rechtsextremen aber gezeigt werden, dass sie in der Wesergemeinde nicht erwünscht sind. Und das zum wiederholten Mal. Dass man allen Bestrebungen, den gewaltsamen Tod von Daniel Siefert für politische Zwecke zu benutzen, entschieden die Stirn bieten wird, machten Vertreter aller Fraktionen sowie der Parteilose Rudolf Dyk gestern bei einer Pressekonferenz im Rathaus deutlich.

Die mit der Demonstration von Die Rechte verbundene Forderung: Der Rathausplatz, also den Ort der Tat vom 10. März, soll in Daniel-Siefert-Platz umbenannt werden. Dies entspreche aber nicht dem Willen seiner Mutter, wie Bürgermeister Frank Lemmermann betonte. "Sie möchte, dass ihr Sohn endlich zur Ruhe kommt", sagte der Verwaltungschef.

Angekündigt hat Die Rechte ab 12 Uhr einen Demonstrationszug, der laut Lemmermann recht kurz sein soll. "Es ist klar, dass sie auf den Bahnhofsplatz wollen", erklärte er. Dieser ist aber besetzt – durch eine Kundgebung der Weyher Parteien sowie das dorthin verlegte Europa-Fest (wir berichteten). Ein Bescheid mit Auflagen für seine Versammlung sei Dienstag an Christian Worch geschickt worden. Nun warte man auf Reaktionen, so Lemmermann.

Doch nicht nur in der Gemeinde Weyhe schwört man sich auf das Wochenende ein, sondern auch bei der Polizeiinspektion Diepholz. Die Herangehensweise bleibt dort indes die gleiche wie bei den vorangegangenen Mahnwachen und dem Neonazi-Aufmarsch vom 23. März, wie Polizeisprecher Andrik Hackmann verriet. "Wir halten an unserem Konzept fest", sagte er. Ein Großaufgebot werde auch diesmal die Sicherheit der friedlichen Kundgebungsteilnehmer gewährleisten, Bereitschafts- und Bundespolizei sowie Hundeführer würden wieder als Verstärkung hinzugezogen. Die personelle Präsenz soll auf jeden Fall ausreichend sein. "Zumal uns keine Erkenntnisse vorliegen, dass wir mit einer ums Vielfache gestiegenen Zahl an Demonstranten zu rechnen haben – weder aus dem rechtsextremen noch aus dem linksextremen Lager", so Hackmann.

Er gehe davon aus, dass die Kundgebung der Partei die Rechte kaum mehr als zwei oder drei Stunden dauern wird. Offiziell wurde die Demonstration zwar bis 19 Uhr angemeldet, erzählte Bettina Preißner, Fachbereichsleiterin für Ordnung und Soziales im Rathaus. Es sei aber offensichtlich, dass die Rechtsextremen nicht vorhätten, die ganze Zeit zu bleiben. "Und wenn sie endgültig wieder abgezogen sind, ist die Sache für uns erst mal erledigt", sagte der Polizeisprecher. Besucher des zeitgleich stattfindenden Europa-Festes müssten aber keine Angst haben, dass ihnen etwas passieren könnte, so Hackmann.

Vorwürfe gegen die Polizei erhebt derweil Christian Worch in einem Flugblatt. Unzählige davon wurden in den vergangenen Tagen in Weyhe verteilt. Der Urheber, der darauf als Sprachrohr einer Bürgerinitiative gegen das politisch korrekte Wegschauen auftritt, behauptet in dem Schreiben, etlichen Menschen seien nicht zur Demo im März durchgelassen worden. Sollte dies wieder geschehen, wolle man "intervenieren". Hingewiesen wird zudem auf eine Online-Petition für die Umbenennung des Bahnhofsplatzes. Sollte deren Ergebnis von der Gemeinde nicht anerkannt werden, droht Worch mit einem Bürgerbegehren und einem Bürgerentscheid.

Ebenfalls in zahlreichen Weyher Briefkästen landete jüngst ein Hochglanz-Flyer von Rigolf Hennig, NPD-Mann und früheres Mitglied im Stadtrat und Kreistag in Verden. Darauf ist auch folgendes zu lesen: "Lassen Sie sich von Gutmenschen sowie ihren Erfüllungsgehilfen in Politik und Medien nicht vorschreiben, was sie wissen dürfen und wie sie es zu bewerten haben."

Frank Lemmermann war sich allerdings sicher, dass solche Aussagen in seiner Gemeinde auf keinen fruchtbaren Boden fallen würden. Auf das Gegenteil hofft er wiederum für ein Flugblatt, dass die Ratsparteien in Umlauf bringen wollen. Die zentrale Botschaft lautet: "Wir wollen keine Nazis in Weyhe". Und noch ein weiteres Schriftstück soll verteilt werden: Eine Information für die Anwohner der geplanten Route, über die die Neonazis durch die Gemeinde geleitet werden sollen. "Das erfolgt aber kurzfristig, und weitere Einzelheiten möchte ich noch nicht preisgeben", gab sich Lemmermann geheimnisvoll.

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