Rolf Stünkel aus Kirchweyhe erklärt in seinem neuen Buch den Weg zum Verkehrspiloten Wie kriegt man 300 Tonnen in die Luft?

Weyhe-Kirchweyhe. Es gibt Arbeitsplätze, bei denen steigt auf den ersten Blick keiner durch: Zahllose Schalter, Knöpfe, Lämpchen und Displays starren einen an, wenn man das Cockpit eines modernen Verkehrsflugzeugs betritt. Doch viele lassen sich davon nicht ins Bockshorn jagen und wollen unbedingt Pilot werden. Aber wie wird man Pilot, welche Eigenschaften muss man haben, und was genau kommt da auf einen zu? Die Fragen beantwortet der Kirchweyher Lufthansa-Kapitän Rolf Stünkel in seinem neuen Buch mit dem Titel 'Inside Cockpit'.
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Wie kriegt man 300 Tonnen in die Luft?
Von Markus Tönnishoff

Weyhe-Kirchweyhe. Es gibt Arbeitsplätze, bei denen steigt auf den ersten Blick keiner durch: Zahllose Schalter, Knöpfe, Lämpchen und Displays starren einen an, wenn man das Cockpit eines modernen Verkehrsflugzeugs betritt. Doch viele lassen sich davon nicht ins Bockshorn jagen und wollen unbedingt Pilot werden. Aber wie wird man Pilot, welche Eigenschaften muss man haben, und was genau kommt da auf einen zu? Die Fragen beantwortet der Kirchweyher Lufthansa-Kapitän Rolf Stünkel in seinem neuen Buch mit dem Titel 'Inside Cockpit'.

Rund 150 Seiten hat Stünkel vollgeschrieben, um den Beruf des Piloten umfassend vorzustellen. Viele Piloten aber auch Flugschüler hat der Autor zu Wort kommen lassen. Und eins stellt er gleich zu Beginn klar: 'Man muss in einem Team arbeiten können und darf kein Einzelkämpfer sein', erklärt Stünkel. Das sei deshalb wichtig, weil Piloten nie mit der gleichen Crew fliegen. 'Aber man muss eben zusammen eine 300 Tonnen schwere Maschine sicher zum Ziel bringen.' Abitur sei zwar nicht zwingend Voraussetzung, um im Cockpit Platz zu nehmen, jedoch würden es fast alle Fluggesellschaften verlangen. Hat man es in der Tasche und will Pilot werden, rät Stünkel dazu, bei der Lufthansa vorzusprechen. 'Man sollte sehen, dass man dort den Test schafft. Er ist zwar schwer, aber wenn der Bewerber ihn besteht und dann bei der Lufthansa anheuert, hat er einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz - und er lernt das Fliegen auf hohem Niveau.'

Jedoch liegen die Hürden nicht ganz niedrig - nur zehn Prozent überspringen sie und schaffen den mehrtägigen Test. Die Bewerber sollten Allgemeinwissen und gute Englischkenntnisse vorweisen, teamfähig, belastbar und ausgeglichen sein. Sie müssen sehr gut sehen (Brille ist kein Hindernis), hören und räumlich denken können. Ausgezeichnete Reflexe und psychomotorische Fähigkeiten sollten ebenfalls vorhanden sein. Die Kandidaten durchlaufen dann Theorie- und Gruppenprüfungen sowie Einzeltests am Computer und im Flugsimulator. Abschließend werfen auch Psychologen und erfahrene Piloten einen Blick auf die Bewerber, um ihrer Persönlichkeit noch besser auf die Spur zu kommen. Einzelkämpfer haben, wie schon erwähnt, keine Chance - zu weiche Charaktere aber auch nicht. Schon für junge Co-Piloten ist eine gewisse Hartnäckigkeit gegenüber dem Kapitän angezeigt, um in Entscheidungssituationen nicht aus purer Schüchternheit Denkfehler des Chefs 'abzunicken'.

Sind diese Hürden genommen, steht der weiteren Ausbildung nichts mehr im Wege. Sie umfasst rund 26 Monate, in denen sich der angehende Pilot etwa 1000 Stunden mit Theorie beschäftigen muss und rund 300 Stunden mit unterschiedlichen Ausbildungsflugzeugen unterwegs ist. Begonnen wird mit kleinen einmotorigen Maschinen. Während der Ausbildung hat der Bewerber immer wieder Tests und Prüfungen zu bestehen. Irgendwann geht es dann eine Stufe weiter und der Flugschüler sitzt zum ersten Mal im Cockpit eines leichten Jets. Weite Teile der Ausbildung finden zudem im Simulator statt - unter anderem auch, um die sogenannte Musterberechtigung für einen bestimmten Verkehrsflugzeugtyp zu bekommen. Mit der Piloten-Lizenz verhält es sich nämlich nicht so wie mit dem Führerschein fürs Auto. Während ein Autofahrer innerhalb einer gewissen Gewichtsklasse jedes Auto fahren darf, muss der Pilot für jeden Maschinentyp die entsprechende Musterberechtigung in der Tasche haben. Um auch einmal mit anderem

Wetter klarzukommen, findet ein Teil der Ausbildung im Ausland statt. Deshalb hat die Lufthansa eine Zweigstelle bei Phoenix im US-Bundesstaat Arizona.

Nach bestandener Ausbildung und mehrmonatiger Zeit als Co-Pilot unter Aufsicht erfolgt meist die Festanstellung bei einer Fluggesellschaft. Trotz geringer Berufserfahrung wird dem Co-Piloten nicht nur die Rolle als Kapitänsstellvertreter, sondern auch eine rund 70 Tonnen schwere Maschine anvertraut - und das, obwohl der frisch gebackene Co-Pilot oft erst 22 Jahre alt ist. 'Wenn man den Test bei der Lufthansa nicht besteht, ist das kein Beinbruch', sagt Stünkel. Auch andere Fluggesellschaften und Schulen bieten die Piloten-Ausbildung an. 'Als Deutscher sollte man aber versuchen, die Ausbildung in Deutschland zu machen, das ist einfacher.'

Weiter stellt der Autor die verschiedenen 'Berufsfelder' vor - er widmet sich der Tätigkeit eines Piloten beim Lang- und Kurzstreckenflug und lässt auch den Frachtfliegern die nötige Aufmerksamkeit zukommen. In dem Kapitel 'Frauen im Cockpit' lässt er Pilotinnen zu Wort kommen und zeichnet ihren Karriereweg nach.

Auch Technik-Freaks kommen auf ihre Kosten. Stünkel erklärt einfach und ohne mit Fachbegriffen um sich zu werfen die Regeln des Instrumentenflugs, gibt einen Einblick in die Funktionsweise des Radars, stellt den Flugdatenschreiber vor und zeigt, wie Zusammenstoß-Warngeräte funktionieren. Da Menschen bekanntlich 'Augentiere' sind, hat es der Autor nicht versäumt, sein Buch mit sehenswerten Luft- und Wolkenaufnahmen, die er größtenteils selber gemacht hat, zu garnieren.

Stünkel weiß, wovon er schreibt. 1989 ging er bei der Lufthansa an Bord, nachdem er als Starfighter- und Tornadopilot bei einem deutschen Marinefluggeschwader tätig war. Heute fliegt er mit einem Airbus A 340 um die Welt. 'Ich habe meine Berufswahl nie bereut. Man schaut sich die Welt auf Kosten des Arbeitgebers an', sagt der 56-Jährige. Hinzu komme, dass sich Piloten ständig mit der neuesten Technik vertraut machen müssten. Allerdings, auch das sollten angehende Piloten wissen, müsse man alle sechs Monate die Lizenz erneuern. Zurzeit hätten junge Menschen, die Pilot werden wollen, jedoch gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. 'Piloten werden wieder gesucht.' Die Luftfahrt sei weiterhin eine Wachstumsbranche. Das Buch 'Inside Cockpit', ist bereits das zweite Buch, das Stünkel vorlegt. In seinem ersten Buch 'Inside Airport' beschäftigte er sich mit den Vorgängen auf den Flughäfen. Ein drittes Buch hat er bereits in der Planung: In 'Inside Tower' will er sich der Fliegerei aus der Sicht

der Fluglotsen nähern.

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