Neue Route vorgeschlagen Wohin mit den Flugzeugen über Stuhr?

Mit dem Fluglärm müssen viel Einwohner von Alt-Stuhr und Moordeich täglich leben. Im Stuhrer Ausschuss für Gemeindeentwicklung soll nun eine mögliche Veränderung der Flugroute diskutiert werden.
11.06.2018, 18:54
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Wohin mit den Flugzeugen über Stuhr?
Von Eike Wienbarg

Wenn auf dem Bremer Flughafen die Flugzeuge mit Zielen im Süden auf der Startbahn in Richtung Westen abheben, dann merken es viele Einwohner in Moordeich und Alt-Stuhr oft genau. Der Lärm kurz nach dem Start der Maschinen ist nur schwer zu überhören. Damit möglichst wenig Menschen dieser Störung ausgesetzt sind, fordert der stellvertretende Vorsitzende der Fluglärmkommission (FLK) des Bremer Flughafens und Beisitzer in der Vereinigung zum Schutz Flugverkehrsgeschädigter Volker Reinhold eine Optimierung der Startroute. Am Donnerstag, 14. Juni, stellt er seine Pläne im Stuhrer Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt vor.

Reinhold hält dabei die Reduzierung der Lärmbelästigung für die Anwohner der betroffenen Ortsteile für relativ einfach umsetzbar. Zurzeit leiten die Flugzeuge, wenn sie nach Westen starten, kurz nach dem Start eine Linkskurve ein, um auf die Flugrouten in Richtung Süden zu kommen, erklärt Reinhold. Gerade in dieser Startphase verursachen sie den meisten Lärm, erläutert er weiter. Der größte Lärm entstehe in einem Korridor von 450 Metern neben der Flugroute. Laut Angaben von Reinhold leiden daher vor allem Anwohner in Alt-Stuhr und Moordeich unter der Lärmbelastung.

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Bereits im Jahr 2014 brachte er das Thema in die FLK ein und bat die Deutsche Flugsicherung (DFS), die Route zu überprüfen. Daraufhin präsentierte die DFS alternative Routen, die laut Uwe Hummert, bei der DFS zuständig für die Bereiche Fluglärm und Umwelt, zu „keiner signifikanten Entlastung“ der Anwohnen führen würden. So sahen die DFS und die FLK keinen Grund zur Änderung. Reinhold hingegen sagt, dass die DFS die Flugroute „stillschweigend“ geändert habe und „zögerlich“ agierte. Daher erneuerte er seine Forderung im Jahr 2016, was zum jetzigen Antrag führte.

Darin fordert Reinhold, dass die Flugzeuge eine längere Kurve nach dem Start fliegen sollen. Das hätte laut ihm zur Folge, dass sich die Route des Fluges verschiebt. Laut seinen Aussagen wären dann weniger Menschen vom Lärm und den Emissionen betroffen. So könnten durch die neue Route 50 Prozent des Lärms ins Gewerbegebiet Stuhrbaum geleitet werden, so Reinhold. „Es sind weniger Menschen im Bereich der hohen Lärmwerte betroffen“, sagt Volker Reinhold über die neue Route. Gleichzeitig würden die hohen Emissionen, die beim Start eines Flugzeugs entstehen, durch den Westwind eher Richtung Stuhrbaum als nach Alt-Stuhr getragen, so Reinhold. Außerdem gebe es durch die neue Route weniger Kurvenflüge über die Gemeinde Stuhr, was auch die Arbeitsbelastungen der Piloten verringern würde, ist Reinhold überzeugt.

Für Uwe Hummert und die DFS hingegen sind die von Reinhold angestrebten Veränderungen so gut wie unmöglich. Rein „technisch“ könnten die großen Flugzeuge die Kurve gar nicht so eng fliegen, dass sie vermehrt über Stuhrbaum hinweg fliegen, so Hummert. Allenfalls kleine Sportflieger könnten eine engere Linie fliegen. Auch die aktuelle Ideallinie für größere Flugzeuge könne von den meisten Piloten nicht eingehalten werden, sagt er weiter. Die meisten Flieger „überschießen“ die Linie in Richtung Moordeich.

„Es geht darum, dass wir den vermeidbaren Lärm und die vermeidbaren Emissionen vermeiden“, fasst der Moordeicher Volker Reinhold sein Anliegen zusammen. „Ich weiß nicht, warum sich die DFS so zögerlich verhält“, so Reinhold weiter. Die DFS, die von der Bremer Fluglärmkommission beraten wird, habe bisher keinen Handlungsbedarf gesehen, antwortet Hummert. „Wir sind permanent im Dialog“, sagt er und weiter: „Wir werden den Lärm nicht verringern können, sondern nur verlagern.“ Volker Reinhold hofft nun auf die Unterstützung der Gemeinde Stuhr und der Stuhrer Politik für sein Vorhaben.

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Im Stuhrer Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt am Donnerstag, 14. Juni, ab 18 Uhr in Raum 145/146 im Stuhrer Rathaus an der Blockener Straße 6 soll das Thema diskutiert werden. Sowohl Volker Reinhold als auch Uwe Hummert werden vor Ort sein. Die Sitzung ist öffentlich.

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