Ausstellung Zufälle über Zufälle

Ihre Werke entstehen zufällig, wenn Indre Busar aus willkürlich aufgetragenen Farbresten eine Form „anspringt“. Zufällig ist aber auch ihre nächste Ausstellung in Sudweyhe zustande gekommen.
14.03.2017, 15:51
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Zufälle über Zufälle
Von Sebastian Kelm

Weyhe-Sudweyhe. Wie der Zufall so spielt: Eine Absage ließ Weyhes Kulturbeauftragte Hedda Stock plötzlich ohne Künstler für die nächste Ausstellung dastehen, zeitgleich saß Indre Busar bei sich in Asendorf und überlegte, wie sie endlich mal wieder ihre Arbeiten der Öffentlichkeit präsentieren könnte. Einen Anruf später hatten beide ihr Problem gelöst. „Und am nächsten Tag saßen wir schon zusammen“, erzählt Hedda Stock zum Zustandekommen der Ausstellung von Indre Busar ab kommenden Sonnabend, 18. März, in der Wassermühle Sudweyhe. Bei jenem Gespräch sei man dann auch auf den Titel gekommen: „Die Echtheit des Zufalls in Farbe“.

Denn zufällig kam Indre Busar nicht nur nach Weyhe, zufällig entstehen auch ihre Gemälde. Sie erklärt: Von den Objekt-Kursen, die sie gibt, hat sie oft Farbe übrig. Die streicht sie willkürlich auf Passepartout-Reste. „Ich suche mir dann einen Hintergrund aus, auf den ich Lust habe“, sagt sie. Den betrachte sie dann so lange, bis sie darin einen Ansatzpunkt erkennt, sie etwas „anspringt“. Das könne mal ein Tier sein, mal ein Mensch oder ein anderes Wesen.

Mit Tusche, bevorzugt chinesischer, oder Acryl ergänzt sie einige Details wie Gesichter, um aus dem wild aufgetragenen Farbklecks eine Form werden zu lassen. Bei „Für ein ganzes Volk“ etwa habe sie nur die Augen des Wolfes hinzugefügt. Auf einem anderen Bild ist ein Frosch herausgearbeitet. „Den hatte erst nur meine Tochter gesehen“, verrät die Künstlerin. Auf „Kuschelkissen“ entdeckt der Betrachter nun einen Otter, der einen Fisch innig von hinten umarmt.

So arbeitet Indre Busar übrigens erst seit 2011. Angefangen mit der Malerei hat sie, nachdem ihr Mann „gegangen“ war, als Trauerbewältigung also. Und die habe schnell gewirkt: „Der Groll stand mir auch einfach nicht.“

Seit 1993 schon fertigt sie wiederum Skulpturen, die sie unter anderem in der Weihnachtszeit auf dem Mittelaltermarkt beim Schlachtezauber in Bremen anbietet. Als Grundlage dient ihr dabei Strandgut, meist gesammelt in ihrer langjährigen Wahlheimat Portugal oder auf Elba. „Mittlerweile bringen mir meine Besucher auch kistenweise davon mit“, erzählt die Künstlerin. Neben 30 Gemälden stellt sie in Sudweyhe in etwa die gleiche Anzahl ihrer Figuren aus.

„Ich will gern überall im Wohnzimmer hängen“, formuliert sie augenzwinkernd ihr großes Ziel. Vor allem ihre Bilder sollen allerdings vergleichsweise günstig zu erstehen sein. „Sie entstehen ja auch ziemlich schnell“, kommentiert sie ihre spontan umgesetzten Eingebungen.

Lange war Indre Busar zudem als Puppenspielerin Olga Owens unterwegs. Als „durchweg kreativer Mensch“ (Hedda Stock über Indre Busar) hat sie auch eine ganz neue Passion: das Schreiben. Derzeit arbeitet sie an ihrer ersten Veröffentlichung „Der dritte Kuss“, ihr zufolge ein Märchen und eine Mischung aus Stück und Buch. Die Illustration stammt – wie sollte es anders sein – von ihr. Im Chor singt sie überdies auch noch.

In der Wassermühle Sudweyhe stellt sie zum vierten Mal als Malerin aus. Über ihre Anfänge sagt sie: „Ich wusste nicht, dass ich malen kann.“ Mittlerweile hat sie – obwohl aus einen ganz anderen künstlerischen Bereich kommend – darin eine Vorliebe gefunden: „Es begeistert mich mehr als das Figuren bauen.“

Rückschläge ändern daran nichts. So hatte sie gedacht, mit einer akrobatischen Kuh etwas nie Dagewesenes geschaffen zu haben. Nur um später festzustellen, dass die Idee mit Yoga praktizierenden Kühen schon jemand vor ihr hatte. „Auch so ein Zufall“, meint sie.

Und mehr noch: Schaut man sich bei Indre Busars Werken um, fällt die Vielzahl an gehörnten Tieren auf. Immer wieder Widder. Nicht zufällig ihr Sternzeichen, oder? Die 45-Jährige muss lachen: „Doch, aber wirklich nur zufällig.“

Die Ausstellung „Die Echtheit des Zufalls in Farbe“ von Indre Busar wird am Sonnabend, 18. März, um 16 Uhr in der Wassermühle Sudweyhe, Im Mühlengrunde 15, eröffnet. Geöffnet ist die immer sonnabends von 15 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr. Zu sehen sind die Werke bis einschließlich Montag, 1. Mai.

„Ich wusste nicht, dass ich malen kann." Indre Busar
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