Die Künstlerin Jutta Poppe lebt seit August vergangenen Jahres in Borwede und arbeitet dort an ihrer Lebenskunst

Zwischen Umbruch und Sehnsucht

Für Jutta Poppe aus Borwede ist Kunst "ein Spiegel der Seele". Wer mit diesem Wissen die Werke der 47-Jährigen Malerin betrachtet, dürfte darin vielmehr sehen als leuchtende Farben und abstrakte Formen. Umbruch und Sehnsucht scheinen die zentralen Elemente im künstlerischen Schaffen von Jutta Poppe zu sein. Denn eine Umbruchsituation im Leben der Künstlerin war nicht nur der Startschuss ihres kreativen Hobbys, sondern scheint auch rund 15 Jahre später wieder eine zentrale Rolle in ihren Bildern zu spielen.
31.01.2013, 05:00
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Von Merle Heusmann
Zwischen Umbruch und Sehnsucht

Was die Künstlerin Jutta Poppe aus Borwede beim Anblick dieses Werkes empfindet, weiß die Kreative wohl nur selbst.

Udo Meissner

Für Jutta Poppe aus Borwede ist Kunst "ein Spiegel der Seele". Wer mit diesem Wissen die Werke der 47-Jährigen Malerin betrachtet, dürfte darin vielmehr sehen als leuchtende Farben und abstrakte Formen. Umbruch und Sehnsucht scheinen die zentralen Elemente im künstlerischen Schaffen von Jutta Poppe zu sein. Denn eine Umbruchsituation im Leben der Künstlerin war nicht nur der Startschuss ihres kreativen Hobbys, sondern scheint auch rund 15 Jahre später wieder eine zentrale Rolle in ihren Bildern zu spielen.

Twistringen. Eine leuchtend violette Wand und ein nicht minder strahlendes violettes Bild – bereits ein einfacher Blick in die Wohnstube der Künstlerin Jutta Poppe aus Borwede verrät: Hier wird mit kräftigen Farben hantiert. Doch ganz willkürlich hat Jutta Poppe sich nicht für das Violett an ihrer Wohnzimmerwand entschieden. "Lila ist die Farbe der Transformation zur Heilung", sagt die Künstlerin, die lange Zeit für diese Heilung kämpfen musste. Denn viele Jahre hatte der Krebs den Körper der 47-Jährigen heimgesucht, erzählt sie. Erst seit Mitte vergangenen Jahres ist Jutta Poppe gesund und damit " so richtig im Leben angekommen", wie sie selbst sagt. Lebensfreude ist seitdem ihr Lebensmotto. Lebenskunst der Titel ihres kreativen Werkes.

Seit August vergangenen Jahres wohnt Jutta Poppe nun im beschaulichen Borwede. Ganz neu ist ihr die Region nicht, kommt sie doch ursprünglich aus der Colnrader Ecke. Doch so richtig hat sich Jutta Poppe, die lange in Bremen und Berlin lebte, noch nicht wieder an das Landleben gewöhnt. "In Berlin fühle ich mich zuhause", sagt sie. Trotzdem will sie die gute Landluft in den nächsten Monaten noch ein bisschen weiter auskosten. Aber nicht allein. An zwei Tagen in der Woche kommen kleine Künstler aus der Umgebung in das Atelier der Künstlerin. Zurzeit arbeitet sie mit den Sechs- bis Zehnjährigen an einem Stuhlprojekt. Viele weitere Aktionen befänden sich noch in der Planung, lässt sie wissen.

Sie selbst male nicht jeden Tag, sagt die gelernte Bürokauffrau. "Ich merke, wenn etwas hinaus muss." Wenn es wieder Zeit für ein bisschen kreatives Werkeln sei, verspüre sie stets ein Kitzeln in den Fingern, erzählt Jutta Poppe lachend. Kein Wunder, trägt sie die Acryl- oder Ölfarbe doch auch mit eben diesen auf. Nach Pinseln suchen Gäste im Atelier der Künstlerin nämlich vergebens. "Figürliche Kunst macht mir keine Freude", sagt Jutta Poppe. Sie setzt auf satte, kräftige Farben und klare Strukturen. Und das seit Beginn ihrer Leidenschaft vor rund 15 Jahren. Damals sei eine Umbruchsituation Grund für den Beginn ihres künstlerischen Schaffens gewesen. "Da war die Kunst so etwas wie ein Zuhause", erinnert sich Jutta Poppe.

Seit 2003 stellt die Künstlerin ihre Werke auch aus. Verschiedene Hotels hätten ihre Bilder in den Übergängen präsentieren wollen, sagt die 47-Jährige. Die erste Frau, der sie ihre Bilder in einem Hotel gezeigt hätte, habe gesagt: "Die Bilder haben Kraft, Farbe und Mut." Damit habe die Dame goldrichtig gelegen, so Jutta Poppe. Und die Aussage gilt wohl auch heute noch. Die Kunst spielte für die Künstlerin auch während der schlimmen Krankheit eine wichtige Rolle. "Ich habe auf meinen Bildern meditiert und dabei erfahren, wie ich mich im Leben zu bewegen habe", sagt sie.

Doch die Krankheit hat die Arbeiten der Künstlerin auch verändert. "Seit ich gesund bin, male ich lieber auf der Leinwand und tobe mich mehr aus", hat Poppe erkannt. "Der Krebs war eigentlich meine Heilung und meine Chance, Lebensfreude sprudeln zu lassen", sagt sie. "Viele sagen, bei meinen Bildern hätten sie das Gefühl, sie seien lebendig. Ich brauche diesen Lebensfluss in der Kunst", so die Künstlerin, die ihre Werke selbst als einen Spiegel der Seele versteht. So sieht sie beispielsweise in einem aktuellen Bild den Ort Borwede und die damit verbundene neue Umbruchphase. Durch die Krankheit habe sie sich erkannt, sagt Jutta Poppe. Durch die Kunst sei sie feinfühliger geworden.

Aus Dankbarkeit für ihre Heilung unterstützt Jutta Poppe die José-Carreras-Leukämie-Stiftung. Zugunsten dieser wohltätigen Organisation stellt sie zehn ihrer Werke nun im Twistringer Rathaus aus. Die Ausstellung wird am 2. März beim Twistringer Frauenkulturfrühstück eröffnet. Bis zum 31. März werden die Bilder dort zu sehen sein.

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