Prozess in Verden 19-Jährige in der Weser versenkt: Angeklagte zu Haftstrafen verurteilt

Die Frau wurde, an eine Betonplatte gefesselt, im Fluss versenkt. Was genau vor ihrem Tod geschah, wissen wohl nur die Angeklagten, die nun zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.
21.10.2021, 06:17
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Von dpa

Im Mordprozess um den Tod einer in der Weser versenkten 19-Jährigen hat das Landgericht Verden die drei Angeklagten am Donnerstag zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein Tötungsdelikt konnte die Kammer den zwei Männern und der Frau nicht nachweisen. Sicher ist demnach, dass die 19-Jährige auf dem Grundstück des 41-jährigen Angeklagten starb. Die genauen Umstände, wie die Frau ums Leben kam, konnte der Prozess nicht klären. Sicher ist jedoch, dass der nackte Leichnam auf einer Betonplatte festgebunden und im Kreis Nienburg über ein Brückengeländer in den Fluss geworfen wurde.

Nach dem Urteil muss der 41-Jährige acht Jahre ins Gefängnis – wegen schwerer Zwangsprostitution, Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung, versuchter sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen. Der 54-jährige Angeklagte wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt – wegen Beihilfe zur Zwangsprostitution, Beihilfe zur Vergewaltigung, Beihilfe zur versuchten Vergewaltigung, Beihilfe zur versuchten sexuellen Nötigung und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen.

Die 40-jährige Angeklagte muss dem Urteil zufolge zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Die Kammer sah Beihilfe zur Zwangsprostitution, Beihilfe zur Vergewaltigung, Beihilfe zur versuchten Vergewaltigung, Beihilfe zur versuchten sexuellen Nötigung, gefährliche Körperverletzung durch Unterlassen und unerlaubte Abgabe von Betäubungsmitteln als bewiesen an. Die Anklage hatte den drei Deutschen Mord vorgeworfen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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Todesursache konnte nicht eindeutig bestimmt werden

Ein Binnenschiffer hatte die Leiche knapp drei Wochen nach der Tat gefunden. Die Frau war unbekleidet, an einer Betonplatte festgebunden, im Fluss versenkt worden. Da die Leiche lange im Wasser lag und bestimmte Standards bei der Obduktion nicht eingehalten wurden, konnte die Todesursache nicht eindeutig bestimmt werden.

Fest steht aus Sicht der Staatsanwaltschaft, dass die Angeklagten grausam und menschenverachtend handelten. Demnach hätte die 19-Jährige, die an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt war, dringend medizinische Hilfe gebraucht. Doch der 41-Jährige habe die junge Frau „gekauft“ und versucht, sie als Prostituierte zu vermarkten - gemeinsam mit seinem damals besten Freund und seiner früheren Partnerin.

Staatsanwaltschaft: 19-Jährige wurde lebend versenkt

Als sich der Gesundheitszustand der 19-Jährigen rapide verschlechterte, wurde sie in eine Garage gebracht. Was dort geschah, ist unklar, denn die Angeklagten schwiegen. Sicher ist, dass die 19-Jährige schließlich mit einem Kabel auf die Betonplatte gefesselt und an der Weserschleuse in Balge im niedersächsischen Kreis Nienburg in den Fluss geworfen wurde.

Laut Staatsanwaltschaft ist naheliegend, dass die 19-Jährige lebend versenkt wurde. Möglich ist demnach aber auch, dass sie in der Garage getötet wurde, oder dass sie dort in hilflosem Zustand alleingelassen wurde und starb. Denkbar auch, dass die junge Frau bewusstlos war und die Angeklagten dachten, sie sei tot, als sie sie in die Weser warfen.

In ihrem Plädoyer forderte die Staatsanwaltschaft für die drei Angeklagten lebenslange Haft wegen versuchten Mordes durch Unterlassen und wegen Menschenhandels. Die Nebenklage schloss sich dem an. Die Verteidigung hält indes deutlich niedrigere Strafen für angemessen.

Die Anwältin des 41-Jährigen beantragte eine Freiheitsstrafe unter fünf Jahren wegen Menschenhandels und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen. Der Anwalt des 54-Jährigen forderte für seinen Mandanten eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Menschenhandel und wegen gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen. Die Anwältin der 40-Jährigen beantragte eine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen und wegen unterlassener Hilfeleistung.

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