VW-Skandal

Abstriche beim Diesel

Egal ob Dieselskandal oder der Aufstieg von Elektroautos: Die Automobilindustrie hat sich verändert in den letzten Jahren. Und mit ihr die Ansprüche der Verbraucher.
19.10.2017, 11:29
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Von Julien Sauer
Abstriche beim Diesel

Nach dem Skandal registrieren Autohäuser eine gesunkene Nachfrage beim Diesel.

Björn Hake

Landkreis Verden. Der Dieselmotor hatte schon mal einen besseren Ruf. Obwohl er effizienter ist als sein Konkurrent der Verbrennungsmotor und sogar weniger Kohlendioxid ausstößt. Doch erhöhte Abgaswerte bei einigen Modellen, ein hoher Stickoxidausstoß und die lautstarken Proteste nach den Schummelsoftware-Skandalen haben die Popularität des Dieselmotors in den Keller gehen lassen. Es steht sogar ein Verbot in einigen Innenstädten zur Debatte.

Die Zulassungszahlen für Dieselmodelle haben bundesweit abgenommen. Die Autoverkäufer in der Region bewerten die Situation unterschiedlich, wie sie auf Nachfrage unserer Zeitung preisgeben.

„Das Interesse für Diesel ist natürlich nicht mehr so groß wie vorher“, bestätigt Karsten Schwarze aus der Verkaufsabteilung des Autohauses Hakelberg in Verden. „Es ist auch schwierig, einen gebrauchten Diesel an den Mann zu bringen.“ Und das mögliche Verbot für Innenstädte? „Das ist natürlich etwas, was die Leute rebellisch macht – dass sie nicht wissen, was da kommt.“ Im Gegenzug habe man bei Hakelberg dafür ein paar mehr Hybridwagen an den Mann bringen können. Nur die Elektroautos seien noch nicht wirklich in der Beliebtheit gestiegen.

Die Auswirkungen der Dieselaffäre sind auch Carsten Behrens vom Autohaus Behrens aus Achim natürlich nicht verborgen geblieben. „Die Nachfrage nach Benzinern ist gestiegen, die nach Dieseln zurückgegangen“, sagt Behrens. Allerdings nicht so stark, wie man vielleicht befürchtet hätte. „Das könnte auch daran liegen, dass Benziner im Preis allgemein ziemlich angezogen haben.“ Elektroautos und Hybridwagen seien aber schon verstärkt nachgefragt worden. Allerdings sei es dann oft so, dass das Vorhaben vom Kunden dann doch nicht ganz so schnell in die Tat umgesetzt wurde. „Interessant ist auch die Idee des Erdgas-Fahrzeugs, das noch nicht die nötige Beachtung bekommt.“ Mit regenerativem Strom ließen sich so Autos quasi ohne Umweltbelastung kreieren. „Und wir müssen klimaneutrale Energie erreichen, da kann es keine zwei Meinungen geben“, sagt er.

Auch beim Autohaus Kühn aus Verden sind die alternativen Antriebe noch nicht so richtig auf dem Vormarsch. „Das ist schwer“, sagt Geschäftsführer Frank Kühn, „Hybride haben wir gar nicht, Elektroautos ein paar. Die Nachfrage ist nur minimal bisher.“ Mit dem Echo des Dieselgate-Vorfalls habe man dagegen keine wirklichen Probleme bekommen, vor allem weil der Hersteller der hauseigenen Autos, der PSA Konzern aus Frankreich, für Transparenz stehe und Abgaswerte und Testergebnisse stets öffentlich mache. „Außerdem sind unsere Diesel schon seit 2015 alle Euronorm sechs Modelle“, so Kühn.

Die neuen Dieselmodelle der Euronorm sechs müssen keine Fahrverbote in Innenstädten befürchten. Was aber machen die Besitzer von älteren Autos, denen zumindest teilweise droht, aus dem Verkehr gezogen zu werden? André Ehlers weiß Bescheid, was die Rechtslage betrifft. „Da muss man auf jeden Fall gut informiert sein, welche Rechte und Ansprüche man hat“, sagt der Rechtsanwalt aus Bremen. Die Sachlage sei kompliziert, weil der Kunde unterscheiden müsse. „Er hat einmal einen Gewährleistungsanspruch an seinen Autohändler, und an Volkswagen selbst“, erklärt Ehlers. Diese Ansprüche würden allerdings verjähren. „Volkswagen hat bereits gesagt, dass es von ihrer Seite einen Verjährungsverzicht geben wird. Was aber, wenn der Händler nicht mitmacht?“ Immerhin, so Ehlers, würden die Gerichte immer öfter dem Verbraucher recht geben und einen Mangel erkennen. Die seiner Meinung nach entscheidende Frage bezieht sich aber auf das Update. Wenn es so einfach wäre, die Software zu optimieren mit dem Update, warum hat VW es dann nicht vorher getan? „Ich vermute mal, weil das mit anderen Nachteilen verbunden ist, die man jetzt vielleicht teilweise noch gar nicht so erkennt.“

Wer sich zu seinen Verbraucherrechten informieren möchte, der hat am Sonnabend, 9. November, dazu Gelegenheit, wenn André Ehlers einen Vortrag zum Thema Dieselaffäre hält. Um 18 Uhr erzählt er im Niedersachsenhof in Verden, wie der Stand der Rechtsprechung ist und welche Möglichkeiten Käufer haben. Anmeldungen werden unter 04 21 / 2 58 40 70 entgegengenommen.

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