Affenpocken Patient aus dem Landkreis Verden hat sich in Deutschland angesteckt

Es sei zu erwarten gewesen, dass auch ein Fall mit Affenpocken in naher Zukunft hier gemeldet werde, sagt Jutta Dreyer, Amtsärztin des Landkreises Verden. Beunruhigt es sie deshalb nicht.
08.08.2022, 17:07
Lesedauer: 4 Min
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Von Felix Gutschmidt

Erinnerungen, Eindrücke, Souvenirs: Es gibt viele Mitbringsel von Reisen. Dazu gehören allerdings auch Krankheiten. Das belegt der erste nachgewiesene Fall von Affenpocken im Landkreis Verden. Nach Angaben des Gesundheitsamts infizierte sich der betroffene Mann aus dem Nordkreis unterwegs. Allerdings war er nicht in Afrika, wo das Virus vor allem verbreitet ist, sondern in Deutschland. Das teilt ein Sprecher des Landkreises Verden auf Nachfrage des WESER-KURIER mit.

Damit passt der Fall zu den Erkrankungen, die Gesundheitsbehörden bundesweit seit einigen Wochen mit Argusaugen verfolgen. Denn das besondere an den seit Mai auch in Deutschland aufgetretenen Infektionen sei, dass die Betroffenen zuvor nicht – wie sonst bei Erkrankungsfällen in der Vergangenheit – in afrikanische Länder gereist waren, in denen das Virus endemisch ist, berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI).

Erkrankte erholen sich meist vollständig

Zwar hat es einzelne Meldungen von Affenpocken außerhalb Afrikas in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Das RKI nennt unter Berufung auf die Weltgesundheitsorganisation Fälle aus Großbritannien (2022 und 2018), Singapur (2019) und Israel (2018). Der erste Nachweis auf einem anderen Kontinent gelang 2003 in den USA. Doch der Ursprung dieser Infektionen war stets ein Aufenthalt in einem west- oder zentralafrikanischen Land. Dort ist die Gefahr einer Ansteckung besonders groß. In Nigeria, Kamerun, der Demokratischen Republik Kongo oder der Republik Kongo gibt es seit 1970 immer wieder Fälle, bei denen das eigentlich vor allem bei Nagetieren vorkommende Virus bei Menschen nachgewiesen wurde.

Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland durch Affenpocken schätzt das RKI nach derzeitigen Erkenntnissen als gering ein. Die Krankheit verlaufe in der Regel deutlich milder als bei den seit 1980 ausgerotteten Menschenpocken. Die meisten Menschen erholten sich innerhalb von mehreren Wochen vollständig.

Verdener Amtsärztin nicht beunruhigt

Angesichts der Fallzahlen in Deutschland – mit Stand vom 5. August hat das RKI bundesweit mehr als 2800 Fälle von Affenpocken-Infektionen erfasst – ist Jutta Dreyer, Amtsärztin des Landkreises Verden, nicht überrascht, dass das Virus nun auch den Weg in die Region gefunden hat. Es sei zu erwarten gewesen, dass auch ein Fall mit Affenpocken in naher Zukunft hier gemeldet werde, sagt Dreyer. "Die Meldung beunruhigt das Gesundheitsamt nicht, da es eine gut nachvollziehbare Infektionskette gibt und die Anzahl der potenziellen Kontaktpersonen sehr gering ist." Das Gesundheitsamt habe Kontakt zum Betroffenen und eine entsprechende Isolierung angeordnet sowie ausführlich über die Krankheit informiert. 

Nach Angaben der Amtsärztin hat sich der Betroffene bereits seit Beginn der Symptome in Selbstisolation begeben, da der probeentnehmende Arzt bereits den Verdacht geäußert hatte. Drei Wochen darf der Patient keinen Kontakt zu anderen Menschen haben. Das RKI rät Betroffenen, die mit anderen Personen zusammenleben, möglichst in ihrem Zimmer zu bleiben, idealerweise mit Zugang zu einem eigenen Badezimmer.  Bettzeug und Haushaltsgegenstände sollten nicht mit anderen Personen geteilt werden, denn das Affenpockenvirus sei in der Lage, Tage bis Monate auf Oberflächen oder Stoffen zu überleben.

Labor meldete Testergebnis am Freitag

Die Meldung des positiven Tests erreichte den Landkreis am Montag. Absender sei ein anderes Gesundheitsamt gewesen, in dessen Bezirk das Labor liegt, welches die Probe untersucht hatte, erklärt Dreyer. "Das Probenergebnis vom Labor ist am Freitag, 5. August, an das abgebende Gesundheitsamt gegangen." Solche Labormeldungen seien auch bei anderen viralen Erkrankungen, zum Beispiel Covid-19, üblich.

Nach Angaben des RKI besteht bei Affenpocken eine Arzt-Meldepflicht sowie eine Labor-Meldepflicht. Das heißt, sobald eine Affenpocken-Infektion labordiagnostisch bestätigt ist, müssen der Arzt oder das Labor den Fall gemäß Infektionsschutzgesetz innerhalb von 24 Stunden an das zuständige Gesundheitsamt melden. Von dort muss der Fall spätestens am nächsten Arbeitstag elektronisch an die zuständige Landesbehörde und von dort spätestens am nächsten Arbeitstag an das RKI übermittelt werden.

Symptome, Verlauf und Verbreitung

Eine Affenpocken-Erkrankung gehe häufig – aber nicht immer – einher mit allgemeinen Krankheitssymptomen wie Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, geschwollenen Lymphknoten, Frösteln oder Abgeschlagenheit, berichtet das RKI. Charakteristisch seien die teils sehr schmerzhaften Hautveränderungen im Gesicht sowie an den Händen und Füßen, welche die Stadien vom Fleck bis zur Pustel durchliefen und letztlich verkrusteten und abfielen.  "Die Hautveränderungen halten in der Regel zwischen zwei und vier Wochen an und heilen ohne Behandlung von selbst ab, wobei es allerdings zu Narbenbildung kommen kann", erläutert das RKI.

Nach derzeitigem Wissen ist für eine Übertragung des Erregers ein enger Kontakt erforderlich. Sie kann durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten und den typischen Hautveränderungen der Affenpocken-Infizierten stattfinden, unter anderem auch im Rahmen sexueller Aktivitäten. Das RKI erklärt, dass auch eine Tröpfcheninfektion durch ausgeschiedene Atemwegssekrete möglich sei und das bereits beim Auftreten unspezifischer Symptome wie Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen und noch vor Entwicklung der namensgebenden Pocken.

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