Verdener Turnier Akrobatik auf vier Hufen

Weil Tiere ihren eigenen Charakter haben, geht beim Schauabend im Stadion nicht alles glatt über die Bühne
06.08.2017, 18:30
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ivonne Wüsthof

Verden. Mal im Galopp oder auch mal im Tölt, auf vier Hufen, vier Pfoten und zwei Beinen ging es am Sonnabend beim traditionellen Schauabend während des Verdener Turniers (Verden International) durch das Stadion. Es sollte eine atemberaubende Show werden, die jedoch nicht ganz fehlerfrei verlief.

Von Freunden und Bekannten hatten Luise und Christian Krämer schon viel Gutes über die Galavorstellung gehört. Schnelle Pferde mit ihren Reitern, die beweisen, dass die Vierbeiner weit mehr können als nur im Kreis herum laufen und über Hindernisse springen.

Umso größer war die Spannung bei dem Paar, das erste Mal dabei sein zu können. „Endlich haben wir einmal Zeit gefunden, uns dieses Spektakel anzusehen“, freuten sich die beiden Reitsportfans über ihre Sitzplätze in der zweiten Reihe der Tribüne – also ganz nah am Geschehen.

Kurz nach 20 Uhr machte die FMC Showband der Freiwilligen Feuerwehr Verden dann den Auftakt. Ganz im Stil der amerikanischen Marching Bands intonierten sie mit ihren Blas- und Percussion-Instrumenten aktuelle Titel der Pop- und Rockmusik im Verdener Stadion.

Es folgte das Opening der Islandpferde (Müllers Hoff, Farven). Doch bereits dort bestätigte sich, dass Islandpferde ihren eigenen Kopf haben – zum Leidwesen ihres Reiters. Und so blieb das kleine Islandpferd lieber vor dem Platz im Stadion stehen, als sich in die Choreografie der anderen Pferde mit einzufügen.

Auch das Schaubild der zehnjährigen Katharina und ihrer Shire Horse-Stute samt Fohlen verlief augenscheinlich nicht ganz einwandfrei. „Es sah ein bisschen unorganisiert aus“, fand Luise Krämer, während das mit Luftballons geschmückte Mädchen und ihre mit bunter Mähne und Herzen auf dem Fell verzierte Stute ziellos über den Platz liefen. Am Ende legte die Stute dann aber doch einige Kunststücke auf einem kleinen Podest hin. Wirklich überzeugen konnte dieses Schaubild das Publikum jedoch nicht.

Ein Schaubild der etwas anderen Art präsentierte hingegen die Reiterstaffel der Johanniter Unfallhilfe aus Harburg. Mit Blaulicht in der Mähne und Martinshorn als akustische Begleitung gaben die Sanitäter einen kleinen Einblick in ihre Arbeit hoch zu Ross. Von Einsätzen auf Musikfestivals bis hin zur Jagd und bei Heidespaziergängen bietet das Pferd gerade in unzugänglichen Gebieten eine notfallmedizinische Versorgungs-Alternative.

Ein unerwarteter Höhepunkt an diesem Abend war dagegen die Verleihung des Goldenen Reitabzeichens an die junge Südafrikanerin Alexa Stais. Mit gerade einmal 21 Jahren hat die Springreiterin schon bei vielen nationalen und internationalen Turnieren ein Plätzchen auf dem Siegertreppchen errungen. Unterstützt wird sie dabei seit einigen Jahren von ihrem Ausbilder Hilmar Meyer aus Morsum. Die Besonderheit am Goldenen Reitabzeichen ist, dass es sich ein Reitsportler nicht durch Prüfungen erwerben, sondern lediglich durch Turnier-Erfolge verdienen kann. Axel Milkau, Vorsitzender des Pferdesportverbandes Hannover, zeichnete die Nachwuchs-Springreiterin mit dieser hohen Würdigung aus.

Im Laufe des Abends kam das Publikum im gut besetzten Verdener Stadion noch in den Genuss weiterer pferdesportlicher Darbietungen in unterschiedlichster Form. Das Theater Löwenherz verband dabei den Reitsport mit Theater und Comedy, mit Auszügen aus dem Stück „Meine Frau, ihr Pferd und ich“. Tierische Unterstützung gab es dabei nicht nur auf Hufen, sondern auch auf vier Pfoten – in Form von Hunden. „Eine schöne Idee, auch mal andere Tierarten in den Reitsport mit einzubeziehen“, meinte Christian Krämer. So etwas habe er bislang noch nicht gesehen, freute er sich über die gelungene Abwechslung. Für andere Zuschauer war der zottelige, aber liebenswerte Hund schon fast das Beste an diesem Abend gewesen.

Auch Voltigieren, Spring- und Westernreiten wurden zum Thema einiger Schaubilder, die das Publikum nach und nach doch noch faszinieren konnten. Seinen finalen Höhepunkt fand der diesjährige Schauabend dann wieder mit dem traditionellen Feuerwerk.

Für das Ehepaar Krämer ging somit ein erlebnisreicher Abend zu Ende. Auch wenn sich beide die Galavorstellung etwas anders vorgestellt hatten, waren sie dennoch begeistert und versprachen, nächstes Jahr im August wieder ins Verdener Stadion zu kommen: „Es sind halt Tiere mit ihrem eigenen Charakter. Da darf auch ruhig einmal etwas schief gehen.“

„Es ist eine schöne Idee, andere Tiere mit in den Reitsport einzubeziehen.“ Christian Krämer
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+