Allerbus

Weniger Fahrgäste, schnellere Linien

Das Verdener Nahverkehrsunternehmen Allerbus kämpft wegen der Pandemie mit weniger Einnahmen. Zum 1. August wird die Linienführung zwischen Kirchlinteln und Verden direkter.
28.07.2020, 17:03
Lesedauer: 3 Min
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Weniger Fahrgäste, schnellere Linien
Von Andreas Becker

Während der Corona-Krise hat die Verdener Nahverkehrsgesellschaft Allerbus zwar alle gewohnten Linien bedient, die Fahrgastzahlen bewegen sich aber nach wie vor auf niedrigem Niveau. „Wir haben im Juni wieder damit begonnen, in den Bussen Fahrkarten zu verkaufen und deshalb für die Fahrer Plexiglasscheiben als Spukschutz eingebaut“, sagt Nils Wolter-von-Deylen, Leiter Kraftverkehr bei Allerbus. Die Fahrgastzahlen hätten das Niveau der Vor-Corona-Zeit aber längst noch nicht wieder erreicht.

Zwar gebe es noch keine Statistik zum Fahrgastschwund, „gefühlt“ seien es aber deutlich weniger als vor der Pandemie. Wie groß die finanziellen Verluste durch Corona sein werden, sei erst zum Jahresende bezifferbar, so der Leiter Kraftverkehr. Klar sei allerdings, dass dem Unternehmen „diverse Einnahmen“ weggebrochen seien. Das gelte aber nicht nur für Allerbus, sondern für alle Verkehrsunternehmen, betont Wolter-von-Deylen. Zumindest habe es das Unternehmen geschafft, auch während des Lockdowns den Linienverkehr aufrechtzuerhalten. Laut Nils Wolter-von-Deylen gelten in den Bussen nach wie vor die üblichen Abstands- und Hygieneregeln. Auch ein Mund-Nasen-Schutz sei obligatorisch, um das Personal und die anderen Fahrgäste vor Ansteckung zu schützen. Eine Vorschrift, für die offenbar nicht alle Fahrgäste Verständnis aufbringen. „Fahrgäste haben zwei unserer Mitarbeiter aufs Übelste beschimpft und sogar angespuckt, weil sie aufgefordert wurden, einen Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen“, berichtet Wolter-von-Deylen von zwei drastischen Fällen. Diese Vorkommnisse habe Allerbus zur Anzeige gebracht, die Polizei gehe dem nach und ermittle. „So ein Verhalten ist nicht nachvollziehbar und wird nicht toleriert“, betont Wolter-von-Deylen.

Wesentlich erfreulicher sind aus Sicht des Unternehmens die bisherigen Erfahrungen mit dem ersten Allerbus mit Elektroantrieb. „Der läuft gut und sparsam“, zieht Wolter-von-Deylen ein positives Fazit. Doch bei dem einen E-Bus soll es nicht bleiben. Geplant ist, den Einsatz von Elektrobussen an der Fahrzeugflotte auszuweiten. So sind bis 2023 vier weitere geplant. Im kommenden Jahr will Allerbus zwei E-Busse anschaffen – unter der Voraussetzung, dass die finanzielle Förderung wie beantragt bewilligt wird. „Wir warten auf die Zuschussbescheide“, sagt Wolter-von-Deylen. Daneben arbeitet Allerbus an der Optimierung der bestehenden Linien, und da können sich laut Wolter-von-Deylen Fahrgäste aus der Gemeinde Kirchlinteln freuen. Denn zu Sonnabend, 1. August, kommt es zu umfangreichen Fahrplanänderungen insbesondere auf den Linien 701 (Verden – Otersen) und 713 (Verden – Kirchlinteln). Damit würden die im vergangenen Jahr vom Kreistag des Landkreises Verden beschlossenen Linienoptimierungen durch die Verdener Verkehrsgesellschaft (Allerbus) umgesetzt.

Zu den Hauptveränderungen zählt die Umgestaltung der bisherigen Ringlinie 713 in eine Linienführung, die künftig direkt von Kirchlinteln über Weitzmühlen und das Gewerbegebiet Finkenberg nach Verden führt. „Durch diese Veränderung werden nicht nur die Fahrzeiten zwischen Verden und Kirchlinteln verkürzt, sondern zugleich das Wohngebiet Brunnenweg nahe des Stadtzentrums Verden und das Industriegebiet Finkenberg durch die Linie erschlossen“, so Henning Rohde, Geschäftsführer von Allerbus. Dadurch würden bisherige Umwege der Vergangenheit angehören. Von Montag bis Freitag wird die Linie 713 im Zeitraum von 5.30 Uhr bis 19 Uhr sowie am Sonnabend von 7 Uhr bis 13.30 Uhr im Stundentakt und anschließend im Zweistundentakt auf der neuen Linienführung verkehren. „Mit dieser Änderung in der Streckenführung wird nicht nur eine schnellere Verbindung über Weitzmühlen nach Kirchlinteln, sondern auch durch die Möglichkeit des Umstiegs am Finkenberg auf die Linie 714 eine Anbindung der Gewerbegebiete in Verden-Nord geschaffen“, erklärt Nils Wolter-von-Deylen.

Spürbare Änderungen hinsichtlich der Taktungen und des Streckenverlaufs wird es auch auf der Linie 701 geben. „Der Wegfall der Ringlinie muss natürlich kompensiert werden. Die Bedienung der wegfallenden Haltestellen auf der Linie 713 in Eitze und Luttum wird zukünftig die Linie 701 übernehmen, bevor diese über Hohenaverbergen in Richtung Neddenaverbergen weiterfährt“, ergänzt Franziska Dupper, zuständige Verkehrsplanerin beim Zweckverband Bremen-Niedersachsen (ZVBN). Hier wird es ebenfalls von Montag bis Freitag im Zeitraum von 5.30 Uhr bis 19 Uhr eine Stundentaktung geben. Neu ist ebenfalls ein Stundentakt bis Ludwigslust über Stemmen und Wittlohe, der mit einem Kleinbus als Anruf-Linien-Taxi (ALT) angeboten wird.

„Einschränkungen für die Schülerbeförderung ergeben sich dadurch nicht“, wie Landrat Peter Bohlmann als zuständigen Träger der Schülerbeförderung betont. „Die Schülerbeförderung bleibt im bisherigen Umfang bestehen." Statt einer feierlichen Einführung können Fahrgäste per Gratis-Schnupper-Ticket die neuen Linienverbindungen nutzen. Ab 1. August werden die Tickets per Post verteilt.

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