Allerkultur

Sofakonzert und Freilichttheater

Mit Theater, Konzerten und Lesungen trotzte die Verdener Kulturszene bereits im vergangenen Jahr der Corona-Krise. Auch für die kommenden Monate sind einige Veranstaltungen geplant.
17.03.2021, 16:30
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Von Susanne Ehrlich
Sofakonzert und Freilichttheater

Haben für die kommenden Monate einiges vor: Doris Gerken (v. l.), Susanne Reinhardt, Janina Jordes, Andreas Kahlert und Silvia Voige planen unter dem Titel Allerkultur Veranstaltungen.

Björn Hake

„Kultur ermöglichen im Rahmen dessen, was gerade geht.“ Silvia Voige formuliert ihre Kurzfassung des Projekts Allerkultur ohne jeden Anflug von Resignation. Im Gegenteil: „Die Zusammenarbeit hat uns so viel gute Energie gebracht, dass wir es einfach fortsetzen wollen.“ Auf einer Pressekonferenz stellten die Vertreter der teilnehmenden Vereine und Institutionen jetzt ihre neuen Programmideen vor. Die Leiterin der Stadthalle, Silvia Voige, hält als Projektkoordinatorin die Fäden in der Hand. Beteiligt sind außerdem die Stadtbibliothek Verden, der Verein Tintenklecks und die Stadt Verden. Letztere bezuschusst alle Veranstaltungen, und wie Voige zu berichten weiß, ist auch der Topf aus dem vergangenen Jahr noch nicht ganz ausgeschöpft.

Programmvielfalt für alle Generationen, Niedrigschwelligkeit des Zugangs und optimale Partizipationschancen für Künstler, Veranstaltungstechniker, Gas­tro­no­mie und den Handel in der Innenstadt – das war im vergangenen Jahr die Idee der Initiatoren, die Bürgermeister Lutz Brockmann im Sommer im Rathaus zusammengerufen hatte. Auch wenn nicht alle geplanten Events stattfinden konnten, wurde Allerkul­tur zu einer Erfolgsgeschichte und stieß bei den Künstlern ebenso wie beim Publikum auf begeisterte Resonanz.

Mit dem bewährten Mix aus Straßenkunst, Mitmach-Musik und Familientheater werden auch in diesem Jahr wieder viele verschiedene Veranstaltungsorte im Freien bespielt und – falls Corona es zulässt – wird es auch wieder Theater in der Stadthalle geben.

Das Projekt startet am Sonnabend, 24. April, mit dem ersten „Verdener Sofa-Singen“. Das Trio Marylou mit Sandra Bysäth, Justus Wahlers und Hannes Kracht spielt dann im Begegnungszentrum St. Nikolai Pop-Cover und Gassenhauer, bei denen kräftig mitgesungen werden kann. Die Show kommt live per Zoom-Konferenz zu den Zuschauern in das eigene Zuhause. Die Teilnahme an der kostenfreien Veranstaltung ist limitiert auf 99 Teilnehmer. Der virtuelle Konzertsaal wird vom Verein Tintenklecks bereitgestellt. Interessierte können sich per E-Mail an sofasingen@tintenklecks-verden.de einen der Plätze sichern und erhalten dann einen Link zur Teilnahme.

Das Trio Marylou spielt ein Sofakonzert zum Streamen.

Das Trio Marylou spielt ein Sofakonzert zum Streamen.

Foto: fr

Musiktheater auf der Wiese gibt es am Sonnabend, 26. Juni, mit den Gebrüdern Jehn, die auch schon im vergangenen Jahr dabei waren. „Was macht die Maus im Sommer“ ist der Titel des kleinen Konzertes auf der Wiese hinter der Stadtbibliothek. Familien mit Kindern ab drei Jahren können es sich auf selbst mitgebrachten Wolldecken auf dem Rasen bequem machen und zuhören.

Zu dem Familienstück „Petterson und Findus“, gespielt vom Bremer Tourneetheater, lädt die Stadthalle am Sonntag, 18. Juli, um 15 Uhr ein. Am Sonnabend, 30. Juli, gibt es Theater im Freien mit dem Figurentheater Ekke Nekkepen im Garten des Mehrgenerationenhauses am Hoppenkamp. Das Stück heißt „PiRatten an Bord“ und ist für Kinder ab vier Jahren geeignet.

Am Sonnabend, 4. September, müssen wieder die Wolldecken eingepackt werden: Die Gruppe Schnurzpiepe aus Bremen zeigt auf der Wiese hinter der Stadtbibliothek das Stück „Nordseepiraten“.

Weitere Veranstaltungen sind in Planung, so zum Beispiel ein Theaterstück für Erwachsene im Garten des Mehrgenerationenhauses am Hoppenkamp, der im vergangenen Jahr ausgefallene Poetry Slam, den der Förderkreis der Stadtbibliothek veranstaltet, und anderes mehr.

Susanne Reinhard, Leiterin der Kulturförderung bei der Stadt, ist begeistert von der Ideenvielfalt und Flexibilität des Projektes: „Kleinkunstangebote sind wie Schnellboote: Sie sind wendig und halten eher durch.“ Mit relativ wenig Aufwand, einer begrenzten Teilnehmerzahl zwischen 20 und 60 und engagierten und flexiblen Künstlern könne man hier recht schnell auf neue Situationen reagieren.

„Das ist viel besser als ein einziges großes Event, das dann vielleicht doch nicht stattfindet“, ergänzt Silvia Voige. „Möglichst viele können partizipieren. Jeder geht auf den anderen zu, und alle Künstler sind froh über jeden Auftrag.“ Den Tintenklecks-Organisatoren ist es besonders wichtig, dass auch Menschen teilnehmen können, für die Kultur sonst nicht zum Alltag gehört. „Die Familien müssen nicht viel bezahlen, man muss nicht unbedingt gut Deutsch verstehen, und unsere Angebote sind auch für Menschen mit Behinderung geeignet“, erklärt Doris Gerken vom Tintenklecks.

„Draußen“ sei ohnehin ein guter Veranstaltungsort, ergänzt Voige: „Die Leute sind dankbar, dass sie gemeinsam etwas erleben und sich dabei sicher fühlen können.“ So entstehe ein ganz besonderes Veranstaltungsgefühl.

Natürlich wollen die Organisatoren nicht mit anderen Veranstaltern konkurrieren, sondern alle sollen von der Vielfalt profitieren. So sind für Ende Mai die „Maiklänge“ des Vereins für Kultur und Musik im Domgymnasium geplant; beim Open-Air-Festival auf dem Domplatz am 30. und 31. Juli wird der Verein Verdener Jazz- und Bluestage die Musiker Michael Schulte, Max Mutzke und Rüdiger Baldauf präsentieren, und auch viele weitere Angebote sollen die Kulturlandschaft in Verden bunt erhalten. So bietet der Tintenklecks „Theaterkisten“ für Kitas und Grundschulen an, in denen Theateraufnahmen mit Hilfe eines Beamers präsentiert werden können. Es gibt Online-Vorlesestunden und andere Angebote. Die Stadtbibliothek schnürt für Kinder verschiedene Bastelpakete zum Abholen. Zurzeit gibt es dort Bastel- und Lesespaß mit dem Grüffelo.

„Wir hoffen darauf, dass Kultur irgendwann wieder normal stattfinden kann. Aber wir bilden uns auch digital konsequent weiter, damit wir auch jetzt neue Angebote schaffen können“, erklärt Andreas Kahlert vom Tintenklecks. „Es muss einfach weitergehen. Kultur und Gemeinsamkeit müssen bleiben, und ohne Optimismus geht es nicht“, findet Voige.

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