Zoo im Schlosspark ist heute vor 50 Jahren eröffnet worden Als in Etelsen die Elefanten los waren

Langwedel-Etelsen. Der Zoo im Etelser Schlosspark ist heute auf den Tag vor 50 Jahren auf rund zehn Hektar eröffnet worden und das damals kleine Etelsen wurde von Besuchern förmlich überrannt wurde.
24.03.2010, 05:00
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Als in Etelsen die Elefanten los waren
Von Anke Landwehr

Langwedel-Etelsen. 'Und da ungefähr ist der Elefant begraben worden.' Heinz Struckmann und Manfred Köster zeigen in Richtung Parkplatz, der neben dem Toilettenhäuschen im Etelser Schlosspark liegt. Heute ist es auf den Tag 50 Jahre her, dass hier auf rund zehn Hektar ein Tierpark eröffnet und das damals kleine Etelsen von Besuchern förmlich überrannt wurde.

Heinrich Struckmann, viele Jahre Vorsitzender des Schlossparkvereins Etelsen, und der ebenfalls sehr engagierte Manfred Köster kommen der Bitte um einen Spaziergang auf den Spuren des Zoos gerne nach. Er wurde von dem inzwischen verstorbenen Bremer Kaufmann Alwin Trey betrieben. 'Ein Fehlgriff', wetterte der frühere Kreisarchivar Robert Kienzle im Heimatkalender 1982: 'Die Tiere waren zu bedauern. Bald stand das Schloß in dem ehemals schönen Schloßgarten wieder ohne Verwendung.'

Exotische Gäste

Fünf oder sechs Jahre - selbst Struckmann weiß es nicht genau - hat der Tierpark die Etelser in Aufregung gehalten. Als die Bewohner angeliefert wurden und Elefanten und Kamele in einer Karawane die Bahnhofstraße hinuntergeführt wurden, 'war das ganze Dorf auf den Beinen', erzählt Struckmann. Als nächstes kamen die Besucher, viele aus Bremen. Sie rollten mit chromblitzenden Borgwards und Opel Kapitänen an, in Straßen und auf Wegen war kein Durchkommen mehr. 'Solche Autos hatten wir noch nicht gesehen', berichtet Manfred Köster von dem Interesse, das die Etelser an den auswärtigen Gästen nahmen, die ihnen ebenso exotisch vorkamen wie die Tiere im Zoo.

Im Schloss hatte Trey ein Restaurant eingerichtet, auf der Schlossterrasse vergnügten sich die Gäste mit Blick auf Flamingos und Affeninsel beim Tanztee. Köster: 'Auch das kannten wir Dörfler bis dahin nicht.' Einmal führte Heinrich Struckmann seine damalige Verlobte ins Schlossrestaurant aus. 'Mit einer jungen Dame essen zu gehen, war schon ungewöhnlich genug. Dazu aber auch noch in diesem Rahmen, war etwas ganz Besonderes.' Ebenso lebhaft erinnert sich der 73-Jährige an den Ausbruch der Affen. Sie rasten durch den Ort, schwangen sich von Baum zu Baum. Keine Chance für die alarmierten Feuerwehrleute, ihrer habhaft zu werden. Struckmann selbst hätte fast einen erwischt - doch der Affe biss ihm in den Zeigefinger, was die Hatz schmerzvoll beendete. Am nächsten Morgen saßen die Tiere wieder in ihrem Gehege. Sie waren von ganz alleine zurückgekehrt.

Trey war zuversichtlich gewesen, dass die Stadt Bremen ihm mit Geld unter die Arme greifen würde, weil er deren Bewohnern ein Ausflugsziel bot. Köster: 'Da hat er sich aber verspekuliert.' Schnell wuchsen ihm die Kosten über den Kopf und es ging rapide bergab. Selbst ein Spielcasino und der 'Rote Salon' - Köster: 'Da tanzte eine Farbige mit einer Schlange' - konnten das Unternehmen nicht mehr retten.

Die Tiere hungerten. Ob der Elefant deswegen gestorben ist - man weiß es nicht. Jedenfalls wurde er an Ort und Stelle begraben, 'weil ihn ja niemand auseinandersägen konnte', so Struckmann. Manche Tiere knabberten in ihrer Not die alten Bäume an, von denen viele den Verbiss nicht überlebt haben.

Für immer verloren

Trey hatte den historischen Park völlig verändert. Der Schlossparkverein ist bemüht, den alten Zustand und die frühere Wegeführung so gut es geht wieder herzustellen. Ihm ist es auch zu verdanken, dass aus dem bereits verfallenen Mausoleum wieder ein Schmuckstück geworden ist. Was heute wie Rapunzels Schlösschen aussieht, war damals Löwenkäfig.

Unwiederbringlich verloren aber ist der schmiedeeiserne Zaun, der den Schlosspark ursprünglich umgab. Trey hatte ihn durch einen Sichtschutz ersetzen lassen. Struckmann schaudert noch heute bei dem Gedanken daran, was seinerzeit für immer und ewig zerstört worden ist. Der Landkreis, damals wie heute Eigentümer der gesamten Schlossanlage, habe dem Tuchhändler völlig freie Hand gelassen. 'Eine Katastrophe', sagt Struckmann, 'Denkmalschutz spielte überhaupt keine Rolle.' Stattdessen sei man froh gewesen, nach langem Leerstand einen Pächter zu finden.

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