Gewerbe- und Industriepark Barme Alte Sorgen und neue Einwände

Die Bürgerinitiative "Weser, Wald und Wölfe" meldet weiterhin Bedenken zum geplanten Gewerbe- und Industriepark in Dörverden-Barme an. Zu ihren alten Sorgen sind sogar neue hinzugekommen.
17.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek

Die Bürgerinitiative "Weser, Wald und Wölfe" meldet weiterhin Bedenken zum geplanten Gewerbe- und Industriepark in Dörverden-Barme an. Zu ihren alten Sorgen sind sogar neue hinzugekommen.

Bernd Zerhusen, Günther Stephan und Tobias Augustin stehen am Wolfcenter in Dörverden vor dem Gelände der ehemaligen Niedersachsenkaserne. Vor ihnen erstreckt sich, hinter Zäunen, eine große, ungenutzte Fläche. Auf eben jenem Gebiet soll der Gewerbe- und Industriepark Barme entstehen, von dem sich die Gemeinde in Zukunft mehr Einnahmen und Arbeitsplätze erhofft.

Doch die Mitglieder der Bürgerinitiative „Weser, Wald und Wölfe“ haben noch Bedenken, was die aktuellen Planungen für den Gewerbe- und Industriepark betrifft. Manche Sorgen sind neu, die meisten aber schon mehrere Jahre alt – Verbesserungen sehen sie nur bedingt.

„Wir sind nicht grundsätzlich dagegen“, betont Tobias Augustin. Das Industriegebiet sei jedoch unverträglich mit dem Wolfcenter und dem angrenzenden Wohngebiet in Barme, die beide schützwürdig seien. Dass im neuen Entwurf die Zufahrtsstraße näher an das Wohngebiet verlegt wurde, belaste die Anwohner zusätzlich. Ursprünglich sollte sie östlich der Kasernenstraße durch ein Waldgebiet verlaufen, dagegen sei nichts einzuwenden. „Wir haben eine extreme Vorbelastung durch die Bundesstraße“, sagt er. Hier gelte aber ein Bestandsschutz, solange diese nicht umgebaut werde. Aber: „Jedes bisschen mehr Lärm könnte das Fass zum Überlaufen bringen.“ Das Ziel solle sein, den Lärm zu verringern und nicht zu erhöhen. Bernd Zerhusen merkt an, dass er beim Straßenbauamt ein neues Lärmgutachten gefordert habe, weil das bisherige von 2010 stamme und nur hochgerechnet worden sei. Doch gefühlt sei das Verkehrsaufkommen deutlicher gestiegen.

Schlechte Erfahrung mit mehr Lärm

Die Situation, wenn es noch lauter wird, ist den Barmern nicht unvertraut. „Wir kennen den Lärm von den Abrissarbeiten“, schildert Günther Stephan. Teilweise seien er und seine Nachbarn um sieben Uhr davon geweckt worden – selbst die Warnsignale der Fahrzeuge im Rückwärtsgang hätten sie gehört. Bei Ostwind sei die Belastung noch höher gewesen und auch heute spürbar. Sogar der Zugverkehr sei dann zu hören.

Beunruhigt zeigen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative außerdem darüber, dass die Gemeinde im Flächennutzungsplan nur die Lärmemission berücksichtige. Andere mögliche Belastungen wie Staub, Abgase oder Müll, die insbesondere Industriebetriebe beträfen, würden außen vor gelassen, um Interessenten nicht abzuschrecken. Dabei sollten Unternehmen ferngehalten werden, die die Barmer nicht auf dem Gebiet angesiedelt haben wollen: „Belastende Industrie schreckt auch Gewerbebetriebe ab“, merkt Stephan an.

Dabei gebe es doch auch in Dörverden gute Beispiele, wie es gut funktionieren könne. „In Hülsen gibt es Beschränkungen, das wünschen wir uns auch“, sagt Stephan, Augustin ergänzt: „Warum werden die Anwohner verschiedener Ortschaften unterschiedlich behandelt?“ Augustin hat im Rahmen des Bürgerbeteiligungsverfahrens, das noch bis zum 26. Februar läuft, die Einwände der Bürgerinitiative ausführlich beschrieben. „Man muss einen langen Atem haben“, sagt Bernd Zerhusen, der zur Not rechtlich gegen die neue Zufahrtsstraße vorgehen will.

Kritische Töne kommen auch von Unternehmer Hermann Wiebe. Er hat sich ebenfalls an Dörverdens Bürgermeister Alexander von Seggern gewendet, der sich nicht öffentlich zu den Bedenken äußern will. Der Bebauungsplan sei an „Ungereimtheiten nicht zu überbieten, unausgewogen und unzulänglich“, fasst Wiebe sein Urteil in der Einwendung, die unserer Zeitung vorliegt, zusammen. Er spricht sich ebenfalls gegen die geänderte Zufahrtsstraße aus, da die vorteilhaften Gewerbegrundstücke im östlichen Bereich lägen, wo die Erschließung durch Gleise und der Immissionsschutz ebenfalls besser gewährleistet sei. Auch Unterlagen wie etwa die schalltechnische Untersuchung oder der Umweltbericht entsprächen nicht dem aktuellen Wissensstand und allgemein anerkannten Prüfmethoden.

Sollte der Entwurf so bleiben, würden außerdem vertragliche Pflichten der Gemeinde gegenüber seines Unternehmens verletzt, die Zuwegung Nord mitnutzen. Denn ein Teil der Kasernenstraße und des Bereichs seien eingezogen, was den Vertrag und die Interessen der Wiebe KG und Wiebe Holding berühre. Die würden im Bebauungsplan für das Wildgehege entsprechend als Zufahrt ausgewiesen.

Darüber hinaus fehle es ihm an einer Nachfragebeurteilung, die notwendig sei, um eine Fehlinvestition zu vermeiden. Zudem werde so der Eigentümer des Wildgeheges bevorteilt. Die Änderungen gingen zu Lasten der Steuerzahler, der Anwohner, Dritteigentümern sowie der Natur und der Landschaft.

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